Letzte Folge vor dem Staffelfinale

„The Walking Dead“: Unfreiwilliger Cliffhanger lässt die Fans nun zappeln

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Farbenfrohe Klamotten, gefärbte Haare und sehr, sehr geschwätzig: Das ist Princess.

Eine riesige Zombie-Herde, angeführt von dem letzten verbliebenen Flüsterer-Bösewicht Beta, bewegt sich geradewegs auf den Stützpunkt zu, in dem sich die Helden aus Alexandria und Hilltop eigentlich in Sicherheit wiegten. Und Ende. Der Abspann rollt. Das soll es gewesen sein?

  • Die zehnte Staffel „The Walking Dead“ geht zu Ende
  • Allerdings lässt ein Cliffhanger in der vorletzten Folge nun die Fans zappeln
  • Die Ausstrahlung des Staffelfinales steht wegen der Corona-Krise in den Sternen

Eigentlich ist die Folge „The Tower“ (mit dem deutschen Titel „Prinzessin“) die vorletzte der aktuellen zehnten Staffel von „The Walking Dead“ und dient überwiegend dazu, Figuren in Positionen zu stellen für den großen Showdown. Doch die Corona-Krise hat auch in der Entertainment-Branche so ziemlich alles zum Erliegen gebracht, und so konnte schlicht die Post-Produktion des Staffelfinales noch nicht fertiggestellt werden. Wann die letzte Folge gesendet werden kann, ist noch völlig offen. Dass die letzten Episoden zudem bislang nur im englischen Original-Ton mit Untertiteln beim Fox Channel verfügbar sind, liegt ebenfalls an der Corona-Pandemie, denn auch die Synchronstudios mussten vorübergehend schließen.

„The Walking Dead“: Holprige Erzählweise

So wird „The Tower“ nun unfreiwillig zum vorläufigen Finale mit unbeabsichtigtem Cliffhanger und lässt die Fans der Zombie-Kultserie mit einem großen Hunger auf Mehr zurück, wie kreiszeitung.de* berichtet. Ein bisschen was von Füllfolge hatte das Ganze schon, obgleich doch einiges passierte. Im Großen wie im Kleinen. Auch wenn die Erzählweise teilweise mal wieder etwas holprig daherkommt. Sicherlich sollte diese Folge letztlich im Kontext der gesamten Staffel betrachtet werden, und sie wird nach der Ausstrahlung des eigentlichen Finales bestimmt nochmal in einem anderen Licht erscheinen. Aber nun gut...vorerst knabbern die Zuschauer also an dem, was ihnen „The Walking Dead“ mit diesem letzten kleinen Happen vorwirft. Und der hatte durchaus seine Momente.

„The Walking Dead“: Die leicht durchgedrehte Fremde

Für die wohl erinnerungswürdigsten – ob nun positiv oder negativ sei einmal dahingestellt – dürfte die Einführung eines neuen Charakters gesorgt haben. Wir erinnern uns: Yumiko, Eugene und Ezekiel haben sich in der letzten Folge auf den Weg nach West Virginia gemacht, um nach Eugenes mysteriöser Funkgerät-Bekanntschaft Stephanie zu suchen. In einer Stadt treffen sie nun auf eine leicht durchgedrehte Fremde. Farbenfrohe Klamotten, gefärbte Haare, eine überlegene Maschinenpistole im Anschlag – und sehr sehr geschwätzig. Princess nennt sie sich, und Comic-Leser dürften sofort beim ersten Anblick gewusst haben, wer nun die Handlung ordentlich aufmischen wird. Princess lebt schon einige Zeit allein, arrangiert gern Zombies in allerlei skurrilen Alltagssituationen und denkt zunächst, sie halluziniert, als sie auf einmal echte Menschen vor sich sieht.

Ja, durchgeknallte Typen dürfte es in einer Zombie-Apokalypse zuhauf geben. Viele davon sind im Laufe der Geschichte von „The Walking Dead schon auf- und wieder untergetaucht. Auch Princess scheint gehörig einen an der Waffel zu haben, aber – und das unterscheidet sie doch von anderen – sie bleibt dabei harmlos und irgendwie liebenswürdig. Und auch ein wenig bemitleidenswert, denn nicht nur war sie lange Zeit auf sich allein gestellt, sie scheint durch ihre überaus exzentrische Art und Weise einige Traumata verstecken zu wollen.

Hassliebe für Princess in „The Walking Dead“

Mit ihr wird nun ein Charakter vorgestellt, an dem sich wohl die Geister der Fans scheiden werden wie lange nicht mehr. Entweder man liebt sie oder man hasst sie. Für die einen ist sie eine willkommene Abwechslung, dringend nötiger Comic Relief in der sonst so düsteren Geschichte, ein frischer Atemzug, für die anderen ein nerviger Störfaktor, der so gar nicht in die Story und zu den anderen Charakteren passt. Hier wird sich jeder sein eigenes Urteil bilden müssen. Im Comic nennt sie sich übrigens auch „Princess of Pittsburgh“, und bei der Stadt in der Serie dürfte es sich ebenfalls um Pittsburgh handeln.

Die Neue jedenfalls nimmt ihre Besucher mit auf einen kleinen gefährlichen Trip durch ein Minenfeld zu einer Garage, in der sie Transportmittel verspricht. Denn dummerweise hatte sie die Pferde von Yumiko, Eugene und Ezekiel mit einer übereifrigen Waffenaktion verscheucht. Aber wie sich letztlich herausstellt, sind sie einfach nur im Kreis gelaufen und haben sich unnötig in Gefahr begeben. Princess ist eben vor allem eins: einsam. Sie möchte die Neuankömmlinge wohl solange wie möglich bei sich behalten. Und sie vielleicht auch irgendwie beeindrucken? Während vor allem Yumiko, die sich immer mehr als kompetente Anführerin etabliert, der seltsamen Fremden zunächst misstraut, geht Ezekiel – immerhin als (ehemaliger) König auch royal – auf Princess zu. Und es kommt heraus: Auch sie hatte, wie so manche, eine traurige Vergangenheit, nie wirklich Liebe erfahren oder Freunde gefunden.

„The Walking Dead“: Comeback für anspruchslose Drahtesel?

Schließlich darf sie sich überglücklich der Gruppe auf deren weiterem Weg anschließen. Immerhin hatte sie ihnen auch „wheels“, also Räder bzw. Reifen, in der Garage versprochen. Und das sind nun keine Autos, sondern Fahrräder. Endlich, möchte man rufen, denn Fahrräder waren bislang ein kaum genutztes Transportmittel. Nachdem Benzin und funktionsfähige Autos in der Apokalypse dann doch irgendwann mal zur Mangelware wurden, sind die Charaktere auf Pferde und Kutschen umgestiegen. Wendige, anspruchslose Drahtesel feiern nun hoffentlich ihr Comeback.

Hoher Gruselfaktor in vorletzter Folge von „The Walking Dead“

Bei den anderen Gruppen könnte es unterdessen kaum schlechter laufen. Beta, den der Tod von Alpha hart getroffen hat, scheint nun sein letztes bisschen Verstand verloren zu haben. Zwar gibt es noch ein paar versprengte Flüsterer, aber Beta will nichts davon hören, dass er nun das Sagen hat. Wer immer ihn nun Alpha nennt, bereut es wenig später. Zudem hört er jetzt Stimmen in seinem Kopf, die ihn zu lenken scheinen, und spricht sogar mit den Untoten. Gruselfaktor hoch zehn. 

Beta führt die große Zombie-Horde der Flüsterer nach Alexandria, um Rache für die Ermordung von Alpha zu nehmen. Doch die Community ist menschenleer. Alle Bewohner haben sich in ein altes Krankenhaus zurückgezogen. Woher sie wussten, dass Beta kommt, und woher nun plötzlich solch ein Krankenhaus-Komplex im Hinterland auftaucht, das steht in den Sternen. Lediglich Aaron und Alden halten sich in Alexandria versteckt und beobachten die Eindringlinge. Schlauerweise kommunizieren sie dabei in Zeichensprache, was sich gerade viele der Charaktere aneignen. Beta macht sich mit seiner Horde auf den Weg nach Oceanside, da er dort seine Feinde vermutet. Aaron und Alden folgen der Meute, werden jedoch entdeckt und gefangen genommen.

Eine Katze, die seinen Weg kreuzt, bringt Beta schließlich von seinem Weg ab. Warum, ist zunächst nicht ganz klar. Die wahrscheinlichste Erklärung: Er vermutet, dass Katzen – in der Apokalypse eh eine Seltenheit – nicht einfach herumstreunen, sondern zu jemandem gehören, der sie füttert. Und das können hier nur die Menschen aus Alexandria sein. In der Tat handelt es sich um dieselbe Katze, die Alphas Tochter Lydia kurz zuvor im Krankenhaus gestreichelt hat. Nun gut, das Ganze fällt wohl auch wieder in die Kategorie „Einfach hinnehmen, weil es der Plot verlangt“. Irgendwie muss Beta ja schnell zum Krankenhaus kommen, damit der große Showdown im Staffelfinale steigen kann.

Zwei rührende Krankenhaus-Szenen in „The Walking Dead“

Im Krankenhaus gibt es dann auch eine der zwei Szenen in dieser Folge, die wirklich zu Herzen gehen. Lydia hatte sich zwar schon deutlich von ihrer Mutter losgesagt, leidet aber trotzdem unter dem Verlust. Sicherlich: Der Teenagerin ist durchaus bewusst, dass Alpha eine kranke Psychopathin war, die irgendwann ausgeschaltet werden musste. Negan war es, der Alpha schließlich töten und so quasi der Schlange den Kopf abschlagen konnte. Im wahrsten Sinne. Aber sie war eben immer noch ihre Mutter, und Lydia eine Heranwachsene ohne Normalität, ohne Führung, die lange Zeit einfach nichts anderes kannte. Bis sie auf die anderen Communities stieß.

Negan bei vielen „Walking Dead“-Fans mittlerweile ein Liebling

Dass Lydia verzweifelt, frustriert und wütend ist, ist nachvollziehbar. Negan ist es, der auf sie zugeht und versucht, ihr so etwas wie Trost zu spenden. Er bietet ihr auch an, ihn zu schlagen, sicherlich würde sie sich dann besser fühlen. Lydias Wut auf Negan richtet sich dabei nicht unbedingt gegen ihn. Immerhin war er es, der Lydia vor einigen Folgen in Alexandria vor Angreifern gerettet hat. Beide sind sie Außenseiter, beide passen nicht wirklich dazu. Vielmehr scheint Lydia wütend auf die ganze Situation zu sein. 

Der Zuschauer befindet sich wieder mal im Zwiespalt ob Negans Charakter.

Sie weiß nicht, wo sie hingehört, fühlt sich verloren und ziellos, und so bricht sie schließlich weinend in Negans Armen zusammen. Und der Zuschauer befindet sich wieder mal im Zwiespalt ob Negans Charakter. Bei vielen Fans ist der ehemalige Savior-Anführer und einstige Erzfeind unserer Helden mittlerweile zum Liebling aufgestiegen, hat durch viele gute Aktionen und schließlich den Mord an Alpha ordentlich Punkte gesammelt. Doch der bittere Beigeschmack seiner brutal-tyrannischen Vergangenheit will nicht so ganz verschwinden.

Die Frage, in wie weit ein solcher Charakter „Wiedergutmachung“ leisten kann, wird Zuschauer wie Figuren wohl noch weiter beschäftigen. Das Potenzial ist da. Und egal, wie man nun zu ihm steht, Negan ist und bleibt einer der wenigen noch herausragenden und wirklich interessanten Charaktere in dieser Geschichte. Und er ist durchaus angenehm, wenn er einmal nicht seine Show abzieht und lange Monologe hält, sondern einfach etwas Menschlichkeit zeigt. Ob in seiner Freundschaft mit Ricks Tochter Judith oder nun mit Lydia. Irgendwie wird er seinen Platz noch finden.

Vorletzte Folge „The Walking Dead“: Judith emotional und mitfühlend

Judith gehört dann auch der zweite berührende Charakter-Szene in dieser Folge. Der Grimes-Sprössling hat sich aufgemacht, um ein paar Zombies im Wald zu killen und Daryl zu folgen, um von ihm ein wenig was zu lernen. Hier darf man sich wohl auch nicht groß fragen, warum das kleine Mädchen einfach so allein und völlig unbeaufsichtigt im Wald herumstreunt. Es führt aber zu einer intensiven Szene, in der Judith endlich mal gezeigt wird als das, was sie ist: ein Kind, mit allen Ängsten, die jemand in ihrem Alter und nun ohne Eltern haben sollte. 

Ihre Ziehmutter Michonne hatte sich aufgemacht, um nach einigen (wenn auch dürftigen) Hinweisen nach dem vermissten Rick, Judiths Vater, zu suchen. Die anderen Alexandriner scheinen davon noch gar nichts zu wissen. Daryl und Judith treffen im Wald auf eine Gruppe Zombies, darunter auch eine Flüsterin, die von Daryl schließlich nach einem kurzen Verhör zur Strecke gebracht wird. Judith zeigt sich ungewöhnlich emotional und mitfühlend. Sicher hatte die Frau doch Familie? Jemand, der sie vermissen wird? Ungewöhnlich deshalb, weil Judith in der Zombie-Apokalypse geboren wurde, nichts anderes kennt und schon so einiges Traumatisches gesehen haben dürfte.

Im Gespräch mit Daryl kommt aber schnell heraus, worum es eigentlich geht. Judith hat große Verlustängste und möchte nicht, dass Daryl sie auch noch verlassen könnte. Der wortkarge Eigenbrödler ist immer mehr zu einer Art Ersatzvater für die Tochter seines besten Freundes Rick geworden. Eine wirklich schöne Szene, die auch Daryl mal wieder emotionaler und menschlicher zeigt. Und doch will man einfach nur, dass Judith endlich von Michonnes Suche nach Rick erzählt. Aber das ist nicht das einzige Frustrierende, denn gerade diese Szene verdeutlicht nochmal, wie wenig nachvollziehbar Michonnes plötzlicher Weggang war. Schauspielerin Danai Gurira wollte die Serie zwar auf eigenen Wunsch hin verlassen, aber die Autoren hätten das doch irgendwie eleganter lösen können. So hat sie also ihre beiden Kinder allein gelassen, um irgendwo nach deren Vater, ihrer alten Liebe, zu suchen.

„The Walking Dead“: Zappeln bis zum Staffelfinale

Viel Zeit zum Grübeln bleibt aber nicht, denn da kommt er auch schon über Daryls Funkgerät, der Hilferuf von Gabriel und den anderen Bewohnern, die ins Krankenhaus hinüber gesiedelt waren. Beta ist da, mit seiner riesigen Zombie-Horde im Rücken. Der unfreiwillige Cliffhanger lässt die Fans zappeln bis zum Staffelfinale.

The Tower“/„Prinzessin“ ist eine ordentliche Aufbaufolge, die reichlich Lust aufs Finale macht. Das bringt hoffentlich den großen Krieg gegen die Flüsterer zu einem Ende, sodass mit der elften Staffel ein neues Kapitel aufgeschlagen werden kann. Und das könnte, wenn man sich die Comic-Vorlage anschaut, vielleicht sogar das letzte sein.

Das Finale der zehnten Staffel (Episode 16) werde später in diesem Jahr ausgestrahlt, teilt die Fox Networks Group mit. Am Montag, 13. April 2020, werden ab 20.10 Uhr nochmal die Folgen 14 und 15 beim Sender FOX ausgestrahlt.

Von Britta Buntemeyer

*kreiszeitung.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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