Zombies machen Winterpause

Halbzeit bei „The Walking Dead“: Ein unaufgeregter Heißmacher

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Daryl ist nach wie vor auch zu unangenehmen Aufgaben bereit - oft an der Seite von Carol.

Ein Toter, eine Falle und ein kleiner Hoffnungsschimmer auf ein baldiges Ende des Flüsterer-Krieges: Mit dem Halbstaffelfinale „The World Before“ („Nichts ist wie zuvor“) hat sich „The Walking Dead“ in die Winterpause verabschiedet.

  • Bei „The Walking Dead“ ist nun Winterpause angesagt
  • Die erste Hälfte der zehnten Staffel „The World Before“ ist unaufgeregt zu Ende gegangen
  • Die zweite Hälfte startet im Februar 2020

Von Britta Buntemeyer. Dabei folgt die Zombie-Kultserie einmal nicht der altbekannten Formel mit viel Bum Bum und mehr als einem Charaktertod, wie sie es gerne in Halbstaffel- und Staffelfinal- oder auch Premieren-Episoden handhabt. „The World Before“ bildet einen weitestgehend unaufgeregten Zwischenabschluss der zehnten Staffel, die einen größeren Fokus auf Charaktermomente und die Trauer um Arzt Siddiq legt und gleichzeitig die Weichen stellt für die zweite Staffelhälfte. Viel passiert zwar nicht, aber umso gespannter können Fans auf die Fortsetzung im Februar sein. Und die scheint der Promo zufolge wieder reichlich Action intus zu haben.

Alpha ist es gelungen, Alexandria von innen heraus zu schwächen.

Anders als manch Zuschauer vermutet hatte, findet der Kampf der Communities Alexandria, Hilltop und Oceanside gegen die Antagonisten der Flüsterer nach der ersten Staffelhälfte noch kein Ende. Überraschenderweise tauchen die Zombiemasken-Träger auch kaum in Erscheinung. Und auch von Negan, der sich der gegnerischen Gruppe (vermeintlich) angeschlossen hat, fehlt jede Spur. 

Dafür gibt es eine kleine Anfangssequenz, in der gezeigt wird, wie Arzt Dante von Flüsterer-Anführerin Alpha als Ratte in Alexandria eingeschleust wurde, die Wasserzufuhr manipulierte und so die Bewohner mit verseuchtem Flusswasser krankmachte. Alexandrias Arzt Siddiq hatte Dante in der vorigen Folge als einen der Flüsterer aus seiner Zeit als Alphas Gefangener entlarvt und war seinen Machenschaften auf die Schliche gekommen, wurde aber im Kampf mit Alphas Spitzel erwürgt. Vier Monate lang konnte der Neuankömmling in Alexandria unbehelligt hinter den Kulissen die Fäden ziehen, Siddiqs posttraumatische Belastungsstörung weiter anfachen und die Menschen verseuchen. 

„Walking Dead“-Moment mit Fragezeichen

Es ist mal wieder einer dieser „The Walking Dead“-Momente, der den Zuschauer mit einem großen Fragezeichen zurücklässt. Wie kann die Gruppe solch einem altbekannten und billigen Trick nach so vielen Jahren in der Zombie-Apokalypse noch auf den Leim gehen? Sicherlich, Ärzte sind rar gesät (wenn Dante denn wirklich einer war), doch gerade Michonne nimmt jeden Fremden stets ganz genau und mit viel Misstrauen unter die Lupe. Zwar erfahren wir, dass auch Dante anfangs die üblichen Fragen zu seiner Vergangenheit beantworten musste, aber das scheint gereicht zu haben. Nun denn.

„The Walking Dead“: Krankheitswelle in Alexandria

Aber noch ein weiteres dickes Fragezeichen schwebt seit mehreren Folgen über dem Plot der großen Krankheitswelle in Alexandria. So hatte Aaron auf einem Streifzug Flüsterin Gamma dabei beobachtet, wie diese den Fluss mit Zombie-Innereien verseucht hatte. Eben jenen Fluss, aus dem die Community ihr Wasser bezieht. Warum er seine Leute nicht sofort gewarnt hat und auch im Halbstaffelfinale kein Wort darüber verliert, das steht in den Sternen. Ärgerlich und absolut nicht charakterkonform für Alexandria-Urgestein Aaron.

Mehr zum Thema: Neunte Staffel „The Walking Dead“: Auf zu alter Stärke

Rosita will derweil gemeinsam mit Baby Coco nach ihrem Kindsvater Siddiq sehen, trifft aber nur auf Dante, der sie sogleich attackiert. Dabei zeigt sie einmal mehr ihre Kampfqualitäten und es gelingt ihr, ihren Angreifer in einem Zweikampf auszuschalten. Und damit das Ganze auch noch ein bisschen dramatischer wird, erwacht der soeben erwürgte Siddiq im Nebenraum zum Zombie, kann aber von Rosita gerade noch erdolcht werden, bevor er sein eigenes Baby angreift.

Wie schnell jemand nach dem Tod zum Zombie wird, das scheint ganz darauf anzukommen, wie es gerade die Dramatik des Drehbuchs verlangt. In der ersten Staffel konnte es noch eine ganze Nacht dauern, nun ist es schon nach wenigen Minuten soweit. Aber nicht nur wie schnell die Menschen zum Zombie mutieren, auch wie sich die Untoten verhalten, das liegt offenbar ganz im Ermessen der Autoren. So gibt es auch in dieser Folge wieder mal einen Moment, in dem sich Zombies scheinbar lautlos anschleichen können und erst Geräusche machen, wenn sie gleich angreifen oder hinter einem stehen. So wird Musiker Luke, der zusammen mit Michonne und der kleinen Judith einen Abstecher in eine Bücherei unternimmt, plötzlich vor einem Regal von gleich mehreren Zombies überrascht. Vorhersehbarer kann Dramatik eigentlich kaum sein.

Die Anwesenheit und das Wirken der Flüsterer setzen den Bewohnern von Alexandria stark zu.

Dante wird derweil von Daryl, Carol und Rosita verhört. Seine Mission: die Paranoia der Bewohner Alexandrias anfachen und sie so zu unüberlegten Entscheidungen antreiben. Alphas Ziel ist es, ihre Gegner mürbe zu machen. Und es scheint zu funktionieren. So hatten unsere Helden bereits in der ersten Staffelhälfte mit Schlafentzug, Wahnvorstellungen und Erschöpfung zu kämpfen. Die Flüsterer sind der Meinung, dass Orte wie Alexandria keine Chance haben und eh alle Menschen verroht sind. Doch so interessant die charismatischen Feinde auch sind, irgendwie bleibt ihre Motivation doch weiterhin auf der Strecke. 

„The Walking Dead“: Dantes Schicksal ist besiegelt

Die große Frage, was Alpha überhaupt möchte und warum sie nicht einfach weiterzieht, bleibt weiterhin offen. Nicht offen hingegen bleibt das Schicksal von Dante. Er wird in seiner Zelle von Rositas Partner Gabriel in einem plötzlichen Blutrausch ermordet. Eine doch nachvollziehbare Kurzschlussreaktion, hatte Dante doch weiterhin die Alexandriner verhöhnt, und Gabriel stand Siddiq sehr nahe. Man darf gespannt sein, wie der restliche Rat von Alexandria auf den Mord reagiert, schließlich hat Gabriel einfach mal selbst und ganz undemokratisch kurzen Prozess mit einem Gefangenen gemacht.

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Carol ist unterdessen weiterhin auf der Suche nach der Zombie-Horde, mit der Alpha die Communities permanent bedroht. Von Flüsterin Gamma, der sich Aaron etwas annähern konnte, bekommt die Gruppe einen Hinweis auf den Aufenthaltsort der Untoten, im Gegenzug möchte sie ihren kleinen Neffen sehen, der inzwischen im Hilltop lebt. Carol, Daryl, Magna, Aaron, Jerry sowie die Schwestern Connie und Kelly machen sich auf den Weg, treffen am genannten Ort allerdings nur auf weite Flur. Bis Carol ihre große Erzfeindin Alpha erspäht und ihr blindlings hinterherläuft. 

Carols Ziehsohn Henry war eines der enthaupteten Opfer von Alpha, deren Köpfe auf Grenzpfählen aufgespießt wurden. Seitdem scheint sie angetrieben von blindem Hass, was in Kombination mit ihren Pillen leider zu manch unüberlegter Entscheidung führt. Und Frustration beim Zuschauer, denn bislang hatte Carol stets mit reichlich Cleverness geglänzt, wenn es ums Überleben und das Ausschalten der Gegner ging. Unvergessen bleibt ihre legendäre Rettungsaktion am Beginn der fünften Staffel, als sie die Gruppe um Rick Grimes wahrhaft explosiv aus der Gefangenschaft in Terminus befreite, oder als sie sich in Staffel sechs beim Angriff der gegnerischen „Wölfe“ auf Alexandria verkleidet unter die Feinde mischte. 

„TWD“-Schluss nur mäßig spannend

Jetzt aber läuft sie blindlings in Alphas Falle und die restliche Gruppe folgt ihr wie die Lemminge, bis sie sich eingeschlossen in einer Höhle und auf einer Felserhebung umzingelt von der großen Zombie-Horde wiederfinden. Es ist die Schlusssequenz der Folge, die neben allem Ärger über die Leichtsinnigkeit und Unüberlegtheit der Charaktere auch nur mäßig Spannung erzeugen kann. Denn dass sich die Gruppe doch noch irgendwie befreien kann, dürfte klar sein.

Michonne zeigt sich oft misstrauisch und ideenreich.

Überlegter geht da schon Michonne ans Werk. So tritt mit Virgil ein neuer Charakter auf, der zuvor bereits Luke vor Zombies in der Bücherei gerettet hatte und nun in Oceanside eindringt, um ein Boot für die Rückreise zu der Insel zu stehlen, auf der er mit seiner Familie lebt. Auf dieser Insel sollen sich auch Waffen befinden, mit denen Michonne den Kampf gegen die große Zombie-Horde und die Flüsterer antreten will. Während sich die einen also gerade direkt in Alphas Schusslinie befinden, gehen andere mehr mit Köpfchen vor. Und so sehr Michonne auch immer wieder mit guten Entscheidungen punktet, der Waffenplan wäre eigentlich auch ein echter Carol-Klassiker – schade.

Bei allen erzählerischen Schwachpunkten: „The World Before“ macht ordentlich Lust auf die zweite Staffelhälfte, in der die Storyline um die Flüsterer wohl ihren Abschluss finden dürfte. Hoch interessant bleibt auch, wie es mit Negan weitergeht, der sich gerade unter die neuen Erzfeinde der Communities gemischt hat. Dass der Ex-Savior-Schurke wieder in alte Muster verfällt, das dürfte jedenfalls bezweifelt werden; ganz zu schweigen davon, dass der redselige Lederjackenträger so gar nicht zu den Flüsterern passt. Auch ist Negan niemand, der sich einfach so unterordnen würde. 

Negan bleibt die große Unbekannte und ein ebenso großer Leader.

Vielmehr bleibt zu vermuten, dass er die Antagonisten von innen aushebeln und sich somit vor Alexandria und Co. beweisen könnte. Seine Szenen mit den Flüsterern zählten bereits zu den absoluten Highlights der ersten Staffelhälfte und machten einfach unheimlich Spaß. So wie „The Walking Dead“ seit der vergangenen Staffel wieder Spaß macht. Showrunnerin Angela Kang bleibt ihrem Kurs treu, legt viel Wert auf zwischenmenschliche Beziehungen, Charaktermomente, eine Neustrukturierung der Gemeinschaft und Zukunftspläne. Auch wenn hier sicher noch Luft nach oben ist. 

„The Walking Dead“-Charaktere wieder nahbar

Sehr schön ist vor allem, dass sich der Zuschauer den Charakteren endlich wieder näher fühlt und trotz des altbekannten Kampf-gegen-einen-Gegner-Konzeptes ein starker Fokus auf leisere charakter-zentrierte Momente gelegt wird. Noch schöner wäre es, wenn manche Figuren nicht zu Lasten des Plots seltsam dumme und untypische Handlungen vollziehen würden. Also: Auf in den Endkampf!

Zweite Hälfte der „TWD“-Staffel - der Sendetermin

Bei Fox läuft die zweite Hälfte der zehnten Staffel von „The Walking Dead“ ab dem 24. Februar, immer montags um 21 Uhr.

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