"Tatort"-Kritik: Schlawiner vom Balkan

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Wölfin im Schafspelz: Donka Galabova (Dessi Urumova, M.) aus Bulgarien, hier mit Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seiner Assistentin Bibi Fellner (Adele Neuhauser).

München - Im ARD-„Tatort“ aus Wien ermittelt Kommissar Moritz Eisner am Abgrund von Organisierter Kriminalität. Trotz des traurigen Themas ist „Ausgelöscht“ recht unterhaltlich - mit einer überraschenden Schlusspointe.

Die am besten ausgeleuchtete Figur in diesem ARD- „Tatort“ aus Wien ist die Assistentin des Ermittlers. Bibi Zellner (Adele Neuhauser), neue rechte – oder besser linke – Hand von Moritz Eisner (Harald Krassnitzer), bringt Farbe ins Spiel. Eine schräge Person, ohne Distanz zu stadtbekannten Spitzbuben, labil und voller Selbstzweifel, aber am Ende doch fähig zum mutigen Tritt, der einen Bösewicht niederstreckt.

Überhaupt hat Regisseur Harald Sicheritz in „Ausgelöscht“ ein Auge für die Polizisten und ihre Nöte, spielt ausgiebig mit dem Running Gag des Kommissars in der Midlife Crisis, der sich entschlossen hat, nicht nur etwas gegen das Böse, sondern auch etwas für seine Fitness zu tun und der deswegen ständig schlechte Laune hat. Der Fall bleibt darüber etwas unterbelichtet, ein Abgrund von Organisierter Kriminalität, von Einbruchsserien und Versicherungsbetrug, garniert mit zwei Leichen, die der Kripo nackt im Einkaufswagen präsentiert werden (Buch: Uli Brée).

Ob Hehler nebst sehr blonder Freundin, schmieriger Anwalt oder halbseidene Verbrechens-„Opfer“ – ein wenig stereotyp wirken die Charaktere schon in diesem etwas verworrenen Krimi, der hemmungslos mit der Angst des Wieners vor den Schlawinern vom Balkan operiert. Und immer, wenn nach Bulgarien geschwenkt wird, weint leise das Akkordeon.

Trotzdem ist „Ausgelöscht“ recht unterhaltlich, weil er gut gefilmt ist und – trotz des gar nicht lustigen Sujets – nicht ohne Humor unters Fernsehvolk gebracht wird. Der größte Coup gelingt dem Autor und dem Regisseur allerdings mit einer überraschenden Schlusspointe. Nicht nur, dass der Chef der gesuchten Bande eine Frau ist. Es ist auch noch die (falsche) Kollegin aus Sofia, die doch angeblich eigens angereist ist, um bei der Aufklärung des Falles zu helfen. So wird, vom Ende her gesehen, aus einem konventionellen „Tatort“ eine aparte Spinnerei über Schein und Sein.

Rudolf Ogiermann

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