„Tatort: Querschläger“

Tatort aus Hamburg: Polizeiarbeit mal nüchtern und angenehm professionell

+
Ein Vater am Krankenbett seiner Tochter: ilan Peschel und Charlotte Lorenzen.

Im Hamburg-Tatort will ein Vater um jeden Preis seine Tochter retten.

Von einer Elternliebe, die so unbedingt und verzweifelt ist, dass sie zum Äußersten greift, versucht der neue Hamburg-Tatort zu erzählen – und tut das mit einigem Erfolg, indem er auch Gelassenheit zeigt. Eine junge Frau ist todkrank, nur eine teure Operation in den USA kann sie retten (es scheint sich um das Ehlers-Danlos-Syndrom zu handeln, eine extreme Gewebsschwäche). Eine Spendenaktion im Internet hat aber bei weitem nicht genug Geld gebracht. „Spätestens an Weihnachten bin ich tot“, sagt das Mädchen. Der Vater lügt, er lügt auch seine erschöpfte Frau an, es sei ein Sponsor gefunden.

Milan Peschel spielt den Mann, den unauffälligen Zoll-Beamten Steffen Thewes, als einen, der sich die Dinge gut überlegt, der einen Plan hat. Der sich überlegt hat, wen er mit ins Boot holen muss und wie er an das nötige Geld kommt – durch eine Erpressung nämlich, bei der niemand zu Schaden kommen soll. Doch dann, Thewes hat gerade erst seinen Komplizen mit dem Signal „es kann losgehen“ angerufen, stirbt jemand, ein Unbeteiligter, ein Lastwagenfahrer und Familienvater. Grund ist ein „Querschläger“, wie auch der Titel dieses Tatorts lautet.

Tatort aus Hamburg: Michael Kohlhaas hat ja auch nicht aufgehört

Peschel lässt einen sehen, dass Thewes entsetzt ist. Aber was soll er machen, sein Kind stirbt, die OP muss finanziert werden können – und zwar jetzt. Michael Kohlhaas hat ja auch nicht aufgehört; und wie Kleists Kohlhaas fühlt sich dieser kleine, verbitterte Mann – „ich habe mich immer ans Gesetz gehalten, ich habe immer meine Steuern bezahlt“ –, fühlt sich ungerecht behandelt und von der Welt im Stich gelassen. Während andere mehr als genug und dann auch noch unrechtmäßig erworbenes Geld besitzen.

Oke Stielow, Buch, und Stephan Rick, Regie, konzentrieren sich in „Querschläger“ zum einen auf die Frage, ob der Zweck jemals die Mittel heiligen kann – selbst wenn kein Mensch zu Tode gekommen wäre. Sie erden aber auch die tragische Geschichte des Mannes, der zum Mörder wird, weil ihm die Dinge entgleiten, weil er einfach nicht aufgeben kann, durch einen zweiten Erzählstrang um Konkurrenz unter Speditionen. Sie ist hier gleichzeitig ein vertrauter Konflikt unter Familienmitgliedern: „Er hat mir meine Tochter genommen“, sagt der Schwiegervater, man hat aber keineswegs das Gefühl, dass diese Tochter unglücklich ist.

Im Tatort aus Hamburg erfolgt die Polizeiarbeit nüchtern

Die Polizeiarbeit erfolgt nüchtern, unaufgeregt, einmal wieder angenehm professionell. Thorsten Falke, Wotan Wilke Möhring, spricht mit dem kranken Mädchen und findet es – die Begegnung? ihre Situation? seine Hilflosigkeit? – „einfach hart“. Julia Grosz, Franziska Weisz, ist so entschlossen wie sachlich. Und nett zu der jungen Polizistin, die auf sie steht – ohne zu nett zu sein. In einem anderen Tatort würden sie auch gleich die Nacht miteinander verbringen.

So braucht dieser Tatort neben dem Querschläger zwar noch andere Zufälle, um die Handlung voranzubringen, so überzeugt nicht jeder einzelne Schlenker. Aber immer wieder erwartet man just einen Tatort-Klischee-Moment – und kurz davor biegen Autor Stielow und Regisseur Rick ab ins weniger Spektakuläre, weniger Actionmäßige. Es genügt durchaus, dass der ungewöhnliche Milan Peschel mit seinem zerknitterten Kindergesicht und den Kohleaugen alle Gefühle auslotet zwischen „ich hab dich lieb“ und „ich bring euch alle um“.

„Tatort: Querschläger“, ARD, So., 20.15 Uhr.

Der grandiose Polizeiruf„Die Lüge, die wir Zukunft nennen“ erzählt äußerst wirkungsvoll eine zutiefst düstere Geschichte.

Der Fernsehfilm „Der König von Köln“ ist eine vergnügliche, aber nicht rundum gelungene Satire über den „Kölschen Klüngel“.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Ein Toter und 15 Verletzte nach Explosion in Wohnblock

Ein Toter und 15 Verletzte nach Explosion in Wohnblock

Selbstversuch: Reporterin fällt ihre erste Buche

Selbstversuch: Reporterin fällt ihre erste Buche

Verabschiedung des Verdener Redaktionsleiters Volkmar Koy in den Ruhestand

Verabschiedung des Verdener Redaktionsleiters Volkmar Koy in den Ruhestand

Wie werde ich Reifenmechaniker/in?

Wie werde ich Reifenmechaniker/in?

Meistgelesene Artikel

„Aktenzeichen XY“: Nach Einbruch in Grünes Gewölbe - Polizei veröffentlicht ein Fahndungsfoto 

„Aktenzeichen XY“: Nach Einbruch in Grünes Gewölbe - Polizei veröffentlicht ein Fahndungsfoto 

Nicht verpassen: „Sissi“-Filme an Weihnachten 2019 - Die Sendetermine im TV und Stream

Nicht verpassen: „Sissi“-Filme an Weihnachten 2019 - Die Sendetermine im TV und Stream

„Schöne Bescherung“ mit den Griswolds: Wann läuft der Kultfilm an Weihnachten 2019 im TV?

„Schöne Bescherung“ mit den Griswolds: Wann läuft der Kultfilm an Weihnachten 2019 im TV?

Klaas verrät Netflix-Geheimnis - der Streaming-Anbieter reagiert umgehend

Klaas verrät Netflix-Geheimnis - der Streaming-Anbieter reagiert umgehend

Kommentare