Thomalla zu Milski: "Das ist Bullshit"

ZDF: Zoff um Nichtwähler bei Markus Lanz

Sophia Thomalla Jürgen Milski
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Bei Markus Lanz gerieten Sophia Thomalla und Jürgen Milski aneinander.

Berlin - Ist es in Ordnung, sich als Nichtwähler zu bekennen? Diese Frage löste bei Markus Lanz einen Streit zwischen Schauspielerin Sophia Thomalla und Ex-"Big Brother"-Bewohner Jürgen Milski aus.

2000 machte sich Jürgen Milski durch die erste Staffel von "Big Brother" einen Namen, war der Sympathieträger der Sendung. Seitdem ist der 49-Jährige erfolgreicher Entertainer und wirbelte zuletzt bei "Let's Dance" (RTL) über das Parkett. Am Donnerstagabend sorgte er bei Markus Lanz im ZDF für Zündstoff. Auslöser war sein überraschendes Statement zur Bundestagswahl: "Ich bin bekennender Nichtwähler."

Grund für diese drastische Einstellung sei, dass er keinem Politiker vertrauen könne: "Ich finde eine Demokratie sehr wichtig, aber nicht, wenn man den Politikern (...) zuhört und alles nur auf ein großes Lügengerüst aufgebaut ist." "Wann und wo bist du zuletzt von einem Politiker belogen worden?", wollte daraufhin Markus Lanz (44) wissen. Milski hatte da einige Beispiele auf Lager. So habe Walter Ulbricht einst gesagt, niemand habe vor, eine Mauer zu bauen. Gebaut wurde sie trotzdem. Und nach ihrem Fall wurde 1990 versprochen, dass es keine Steuererhöhungen gebe - auch das wurde nicht eingehalten. "Zu solchen Menschen habe ich kein Vertrauen", meinte Milski.

Da mischte sich Michael Spreng ein: Lügner und Betrüger gebe es nicht nur bei Politikern, vielmehr würde sich im Bundestag das Charakterbild der Bevölkerung widerspiegeln. Natürlich habe sich der Politikberater auch schon über so manche Beschlüsse geärgert - "aber ich würde deswegen nicht zu solchen Pauschalurteilen kommen."

Jürgen Milski hatte aber noch ein weiteres Argument für seine Enthaltung auf Lager: "Es wird immer gesagt, du kannst mit deiner Stimme was verändern. Du kannst überhaupt nichts verändern." Es sei naiv, zu glauben, dass man mit seiner Stimme etwas bewegen könne. Unverständnis herrschte jetzt bei Sophia Thomalla. "Du bist wirklich nachtragend. Ich kann verstehen, dass man sagt, eine Stimme kann nicht viel bewegen. Aber mehrere Stimmen können das definitiv. Und du bist dir ja auch sicherlich bewusst, wohin die Stimmen gehen, wenn du nicht wählen gehst." - "Totaler Quatsch", warf Milski dazwischen - "Wenn dich das nicht interessiert, dann bleib doch mit dem Arsch zu Hause", entgegnete Thomalla.

Unterstützung bekam die 23-Jährige prompt von Richard Rogler. Als Milski beklagte, dass es keine Politiker gebe, die ihn überzeugen können, dass Grundsätzliches geändert werde, widersprach ihm der 63-Jährige Kabarettist. "Sie wollen etwas verändern, Aber wenn Sie nicht wählen gehen, verändern Sie auch nichts. Wenn wir nicht wählen gehen, gibt es nur Stillstand."

Peer Steinbrück: Von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen

Peer Steinbrück
Peer Steinbrück ist für derbe Sprüche bekannt. Mit provokanten Äußerungen sorgte er als SPD-Kanzlerkandidat und zuvor als Bundesfinanzminister wiederholt für Unmut, mehrfach auch im Ausland. © dpa
Peer Steinbrück
Februar 2013: Steinbrück verkündet bei einer SPD-Veranstaltung in Potsdam über die Wahl in Italien: „Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben.“ Wegen der Äußerungen sagte Staatspräsident Giorgio Napolitano ein geplantes Abendessen mit Steinbrück ab.   © dpa
Peer Steinbrück
Dezember 2012: Kaum ist die Kritik an Steinbrücks Nebeneinnahmen leiser geworden, eckt er mit einer Bemerkung zum Kanzlerverdienst an. Der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagt er: „Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin. © dpa
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(...) Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt.“ Nicht nur in der Union, sondern auch in der SPD regt sich deutlicher Widerspruch. © dpa
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Mai 2009: Als Bundesfinanzminister befürwortet Steinbrück Listen von Steuerparadiesen, auf denen auch EU-Staaten auftauchen. Mit Blick auf ein geplantes Treffen sagt er: „Selbstverständlich werde ich sie zur Nachfolgekonferenz im Juni in Berlin einladen: Luxemburg, Liechtenstein, Schweiz, Österreich, Ouagadougou.“ © dpa
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Ouagadougou ist die Hauptstadt des afrikanischen Staates Burkina Faso. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) distanzieren sich von Steinbrücks Äußerungen. © dpa
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März 2009: Am Rande eines Treffens der G20-Finanzminister bei London verweist Steinbrück darauf, dass der wachsende Druck auf Steueroasen Wirkung zeige: „Die Kavallerie in Fort Yuma muss nicht immer ausreiten, manchmal reicht es, wenn die Indianer wissen, dass sie da ist.“ Die Schweiz bestellt den deutschen Botschafter ein. © dpa
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Oktober 2008: Nach einem OECD-Ministertreffen zum Thema Steuerflucht sagt der SPD-Politiker in Paris: „Wir müssen nicht nur das Zuckerbrot benutzen, sondern auch die Peitsche.“ Die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey nennt die Aussage „inakzeptabel“. © dpa

Sophia Thomalla versuchte daraufhin, Milski auf sanfte Weise umzustimmen. "Ich respektiere dich, Jürgen. Für alles, was du gemacht hast. (...) Und ich finde, wenn man so den Platz hat in dieser Gesellschaft, finde ich, dann sollte man auch ein bisschen Vorbild sein. Und hier zu sitzen und zu sagen, 'ich geh nicht wählen, weil alles scheiße ist', gibt es genügend 20, 30, 40 Tausend Mädels da draußen oder Jungs, die sagen: 'Ja gut, wenn der Jürgen nicht wählen geht, dann geh ich auch nicht wählen.' Und das finde ich einfach nicht in Ordnung." Die Schauspielerin erntete dafür großen Applaus. Sie setzte sich zuletzt mit der Sendung "Task Force Berlin" (ProSieben) dafür ein, bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für Politik zu wecken.

Milski startete noch einen letzten Versuch: "Es gibt eine Umfrage, die belegt, dass alle oder 85% der Nichtwähler politisch sehr interessiert sind -  sie aber einfach kein Vertrauen zu den Politikern finden." - "Das ist Bullshit!", würgte ihn Thomalla ab. Und auch Spreng konnte Milskis Aussage, es könne ihn einfach kein Politiker überzeugen, nicht im Raum stehen lassen. Eine Partei könne niemanden zu 100% überzeugen, sondern höchstens zu 51,9%. Alles andere wäre fanatisch.

Den größten Zuspruch beim Publikum fanden an diesem Abend zwei Aussagen von Michael Spreng. Über die Enthaltung von Jürgen Milski sagte er: "Wir erleben rund um den Erdball, dass Menschen für das Recht wählen zu gehen sterben. (...) Und Sie werfen das dann weg. Also dafür habe ich kein Verständnis." Und zu der Behauptung, Parteien würden nie halten, was sie versprechen, fiel dem Politikberater nur eines ein: "Wahlversprechen haben ein Verfallsdatum, in diesem Jahr am 22. September."

msa

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