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Passt Wasserstoff ins AWG-Konzept?

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Von: Anke Seidel

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Wasserstoff-Region Landkreis Diepholz: Den Begriff gibt es längst, allerdings noch keine nennenswerten Projekte. Kann genau das die Abfall Wirtschafts Gesellschaft (AWG) ändern? Passt Wasserstoff in die Nachhaltigkeitsstrategie des kreiseigenen Entsorgungsunternehmens? Fragen, mit denen sich Geschäftsführung und Aufsichtsrat befassten – und auf die es erst im März Antworten geben wird.

Bassum – Zurzeit läuft, wie von AWG-Geschäftsführer Andreas Nieweler zu erfahren war, eine Potenzialstudie. Der Grund: Eine Umstellung der Fahrzeugflotte auf Wasserstoff wäre nicht nur mit enormen Kosten verbunden, sondern auch mit großen Herausforderungen an die Logistik. „Ein mit Wasserstoff betriebenes Fahrzeug kostet rund 800 000 Euro“, nennt AWG-Geschäftsführer Andreas Nieweler einen konkreten Preis. Nur mit öffentlichen Fördergeldern wäre die Anschaffung denkbar – damit am Ende nicht die Entgeltzahler, sprich die Bürger, diese Kosten tragen müssten.

Flächenlandkreis Diepholz unterscheidet sich sehr von Großstädten

Zwar werden mit Wasserstoff betriebene Entsorgungsfahrzeuge in Großstädten bereits eingesetzt – auch in Bremen. Doch die räumliche Struktur des Flächenlandkreises Diepholz stellt völlig andere Anforderungen. „Bei uns kann eine Tour schon mal 60 Kilometer umfassen“, blickt Andreas Nieweler als Beispiel auf die Orte am Dümmer und südlich davon. Ein ganz wichtiges Kriterium sei das Zuladegewicht. Will heißen: Jedes Fahrzeug muss den gesamten Abfall auch mitnehmen können. Und: „Dann muss es die Strecke ja auch wieder zurückfahren.“

Wenn der Wasserstoff-Einsatz am Ende dazu führe, „dass wir bei einer Tour acht statt fünf Fahrzeuge einsetzen müssen“, so Andreas Nieweler, dann sei das nicht zielführend. Außerdem stellt sich die Frage: Kann die AWG genügend Treibstoff produzieren? „Grundsätzlich geht es um grünen Wasserstoff“, betont der AWG-Geschäftsführer, also um Wasserstoff aus regenerativ erzeugtem Strom. Genau der hat im Entsorgungszentrum bereits einem enormen Stellenwert. Aus Windkraft und aus Bio-Masse – also sogar aus dem Inhalt der Biotonnen – entsteht Energie, genauso aus Sonnenlicht und über eine große Fotovoltaikanlage, die rein rechnerisch bis zu 200 Einfamilienhäuser mit Strom versorgen könne.

AWG nutzt Strom aus Fotovoltaikanlage derzeit, um Klinik mit Wärme zu versorgen

Die Energie fließt zum einen in ein ausgeklügeltes Konzept, mit dem das Entsorgungszentrum versorgt wird. Zum anderen liefert die AWG dem nur wenige Kilometer entfernten Krankenhaus Wärme. Besteht also noch ausreichend Potenzial, um mit regenerativer Energie Wasserstoff zu erzeugen? Wenn nicht, müsste die AWG auf dem Markt Strom zukaufen: ein Kostenfaktor.
Er würde sich freuen, so Andreas Nieweler, wenn die Sammelfahrzeuge der AWG in einigen Jahren mit Wasserstoff betrieben würden. Aber zunächst müsse geklärt werden: „Macht das betriebswirtschaftlich Sinn?“

Gleich drei Wirtschaftspläne verabschiedete der Aufsichtsrat in seiner Sitzung – zum einen für die AWG (42 Millionen Euro Jahresumsatz), zum anderen für die Heizkraftwerk Blumenthal GmbH (7,3 Millionen Euro) und die Humus-Vermarktungsgesellschaft (eine Million). Über letztere laufen Produkte wie Rindenmulch und Blumenerde. Genau die soll künftig ohne Torf auf den Markt gebracht werden. Deshalb hat die AWG einen Vertrag mit Entsorgungsunternehmen in Vechta, Osterholz-Scharmbeck sowie im Landkreis Osnabrück und zwei Erdenwerken geschlossen. Gemeinsam wollen sie die torffreie Blumenerde produzieren und in der Region vermarkten. Hintergrund ist ein Pilotprojekt der Metropolregion Nordwest. „Das hat so gut funktioniert, dass wir weitermachen wollen“, so Andreas Nieweler.

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