Der große Überblick

Wölfe in Niedersachsen: Verhaltenstipps, Zahlen, Daten, Fakten

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Rund 150 Wölfe sind aktuell in Niedersachsen unterwegs.

Der Wolf sorgt in Niedersachsen für mehr Diskussionen als jedes andere hier lebende Wildtier. Seit 2008 ist das Raubtier zurück in der Region und breitet sich schnell aus. Wir geben einen Überblick zum Thema Wolf, geben Verhaltenstipps und sprechen mit Wolfsberatern, Behörden und Viehhaltern.

Der streng geschützte Wolf ist gegenüber Menschen im Normalfall scheu und wendet sich ab. Dennoch kommt es in Niedersachsen immer wieder zu Begegnungen zwischen den Spezies. Falls ein Tier sich auffällig nah an Menschen heranwagt, sei Vorsicht geboten, sagen die Experten. Einen Angriff eines Wolfes auf Menschen hat es in Niedersachsen bisher jedoch nicht gegeben.

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Ganz anders stellt sich die Situation bei Nutztieren dar. So berichten insbesondere Schafhalter mit steigender Anzahl an Wölfen von immer mehr Tierrissen. Das Land Niedersachsen fördert zwar die Anschaffung von Elektrozäunen und Herdenschutzhunden, doch diese Maßnahmen halten Wölfe nicht immer ab.

Unser Überblick: Wölfe in Niedersachsen

1. Richtiges Verhalten bei Begegnungen mit Wölfen

2. Zur Goldenstedter Wölfin - Interview mit einem Wolfsberater

3. Daten, Fakten, Hintergründe zum Wolf in Niedersachsen

4. Wolfsmonitoring in Niedersachsen

5. Schutz vor Wolfsrissen in der Landwirtschaft

6. Politik des Landes Niedersachsen und der Bundesregierung

7. Das Wolfcenter in Dörverden

8. Neueste Nachrichten zum Wolf in der Region

1. Richtiges Verhalten bei Begegnungen mit Wölfen

Wölfe stellen in der Regel keine Gefahr für Menschen dar. Die Tiere gehen dem Menschen normalerweise aus dem Weg, wobei junge Wölfe neugieriger als erwachsene sein können.

Wenn es doch zur Begegnung kommt: 

  • Bleiben Sie ruhig und halten Sie respektablen Abstand. 
  • Zeigen Sie dem Wolf, dass Sie ihn wahrgenommen haben. 
  • Rennen Sie nicht weg, gehen Sie langsam rückwärts weg. 
  • Falls Sie sich unwohl fühlen, machen Sie durch rufen und klatschen auf sich aufmerksam. 
  • Füttern Sie das Tier auf keinen Fall. 
  • Lassen Sie keine Abfälle und Essensreste liegen.

Richtiges Verhalten bei Verkehrsunfällen mit Wölfen

Wenn Sie einen Wolf mit ihrem Fahrzeug anfahren sollten, melden Sie den Unfall der Polizei. Unfallbeteiligte sollten sich dem Tier nicht nähern. Die Beamten veranlassen die notwendigen Schritte und schalten bei Bedarf das Wolfsbüro ein.

2. Zur Goldenstedter Wölfin – Interview mit einem Wolfsberater

Der ehrenamtliche Wolfsberater Dr. Marcel Holy ist im Landkreis Diepholz unterwegs. Er berät Nutztierhalter, nimmt Tierrisse auf und hält Vorträge, um über den Wolf als Teil des heimischen Ökosystems zu informieren. Im Interview mit kreiszeitung.de sprach er über Nutztierrisse, Ängste in der Bevölkerung und Schutzmaßnahmen in der Landwirtschaft. Die Fragen stellte Phillip Petzold.

Wie ist die Situation im Landkreis Diepholz?

Eine Wölfin hat sich 2014 im Raum Goldenstedt-Barnstorf angesiedelt. Die meisten Risse in dieser Gegend stammen von ihr. 2016 kam noch ein Rüde dazu, 2017 haben die beiden ein Rudel gegründet. Sonst gab es im Landkreis Diepholz bisher nur Wölfe auf der Durchreise, die sich aber kein festes Territorium erschlossen haben. Die meiste Arbeit durch das Auftreten der Wölfe fällt im Bereich Barnstorf-Goldenstedt an, sonst geht es bei meiner Arbeit vor allem um Beratung.

Wie ist das Stimmungsbild bei den Tierhaltern?

Alleine die Ungewissheit, ,was erwartet mich, wenn ich zur Weide fahre?´, ist für viele Tierhalter eine Belastung. Auch ihre Tiere sind nervöser. Gerade in der Hobbyhaltung und im Nebenerwerb überlegen sich viele Halter, ob sie noch weitermachen. Auch beim Haupterwerb ist die Stimmung nicht zum Besten.

Wie viele Risse haben Sie in Ihrer Zeit als Berater bearbeitet?

Seit 2014 hatte ich mit rund 75 Nutztierrissen zu tun, von denen die meisten auf das Konto des Wolfes gehen. Zahlreiche Tierhalter, insbesondere mit Schafen, haben mittlerweile aufgegeben, andere haben ihre Tiere besser gesichert. Dadurch hat die Zahl der Risse mittlerweile abgenommen. Im Winter ist es außerdem relativ ruhig, weil viele Tiere im Stall gehalten werden. Trotz der großen Zahl von Rissen ernähren sich die Wölfe aber überwiegend von Wildtieren.

Was halten Sie von der Empfehlung 1,20 Meter hohe Schutzzäune zu installieren?

Bei Elektrozäunen ist das oft wirksam, bei Festzäunen reicht es aber in unserer Region nicht. Die Barnstorfer Wölfin hat schon Zäune bis zu einer Höhe von zwei Metern überwunden.

Der Wolf ist auch im Landkreis Diepholz angekommen.

Hat sich das Verhalten der Wildtiere durch die Präsenz des Wolfes verändert?

Ich höre immer wieder, dass, wenn ein Wolf durch einen Teilbereich seines Territoriums streift, das Wild dort zu anderen Zeiten unterwegs ist oder in andere Bereiche ausweicht.

Welche Aufgaben haben Sie als ehrenamtlicher Wolfsberater?

Meine Aufgaben lassen sich in drei Bereiche einteilen. Dazu gehört die Mitarbeit am Wolfsmonitoring, das heißt, ich sammle Hinweise und gebe sie ans Monitoring weiter und dokumentiere die Ausbreitung und Ansiedlung des Wolfes. Außerdem berate ich Tierhalter, zum Beispiel zu Herdenschutzmaßnahmen, und gehe auch in Kindergärten. 

Wolfsberater Dr. Marcel Holy begutachtet einen Kadaver. Er soll beurteilen, ob ein Wolf dafür verantwortlich sein kann.

Im Prinzip berate ich alle Leute, die Fragen zum Wolf, zum Herdenschutz und zum Verhalten in Wolfsgebieten haben. Darüber hinaus dokumentieren wir Wolfsberater Nutztierrisse, nehmen Proben und schicken diese zur weiteren Untersuchung und Bewertung an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Was ist die größte Herausforderung bei Ihrer Arbeit?

Die größte Herausforderung sind das weite Meinungsspektrum zum Wolf und die sich zum Teil daraus ergebenden Sonnen- und Schattenseiten dieses Ehrenamts. So hat man mit Menschen zu tun, die begeistert von der Vorstellung sind, dass Wölfe in unsere Kulturlandschaft zurückkehren und sie ein Stück wilder machen, wenngleich sie anpassungsfähige Kulturfolger sind. 

Dabei kommen bisweilen auch Anfragen, ob man mit Wolfsberatern auf Wolfssafari gehen könne (was natürlich nicht geht). Zahlreiche Menschen wollen sich bei uns sachlich über den Wolf informieren, sind erfreulich unaufgeregt und dankbar für entsprechende Beratung. 

Aber es gibt auch immer wieder sehr emotionale Diskussionen, in denen eine Ablehnung der erneuten Etablierung des Wolfs in unserer Landschaft deutlich wird und die häufig recht unsachlich verlaufen. Dabei stehe ich der Rückkehr des Wolfs relativ neutral gegenüber. 

Es gibt viele Bereiche, in denen es ohne nennenswerte Konflikte funktioniert - wenn allerdings Probleme auftreten, beispielsweise durch Risse gut geschützter Nutztiere oder Annäherung an Menschen, sollten die zuständigen Stellen auch entschieden handeln. 

Unangenehm wird die Tätigkeit als Wolfsberater, wenn Menschen persönlich negativ betroffen sind, beispielsweise bei Nutztierrissen oder Nahkontakten mit Wölfen. Hier übernehmen nach unserer Dokumentation vor Ort allerdings die hauptamtlich im Wolfsmanagement tätigen Mitarbeiter des Wolfsbüros die weitere Bearbeitung.

Wolfssichtungen in Niedersachsen

3. Daten, Fakten, Hintergründe zum Wolf in Niedersachsen

Der Wolf ist seit 2008 wieder in Niedersachsen heimisch. Die auf europäischer Ebene artenschutzrechtlich geschützten Tiere dürfen nicht gejagt werden und vermehren sich stetig im ganzen Land. 

Rehböcke können Wölfen zum Opfer fallen.

In Deutschland sind Wolfsrudel in Sachsen, Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gesichtet worden. „Allein in Niedersachsen schätzen wir den Bestand auf etwa 150 Tiere“, erklärt Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft. Bundesweit sind mehr als 60 Rudel mit mehr als 500 Tieren nachgewiesen.

Ein Rudel besteht aus den Eltern, Jungwölfen und etwa vier bis sechs Welpen. Jungtiere wandern im Alter von elf bis 22 Monaten vom Rudel ab, sodass die Größe eines Familienverbundes ungefähr konstant bleibt. Die Paarungszeit ist im Winter, die Tragzeit dauert etwa 63 Tage. Die Welpen kommen Ende April/Anfang Mai zur Welt. Etwa sechs Wochen bleibt der Nachwuchs im Wolfsbau. 

Etwa so groß wie ein Schäferhund ist ein erwachsener Wolf. Die Schulterhöhe rangiert zwischen 60 und 90 Zentimeter. Das Fell ist grau-braun und unterhalb der Schnauze weiß. Der Schwanz ist kurz, seine Spitze ist schwarz. 

Nutztiere gehören ins Beuteschema 

Bis zu 70 Kilometer Wegstrecke legt ein Wolf bei seinen nächtlichen Streifzügen zurück. Die Tiere nutzen Siedlungsbereiche als Bestandteile ihres natürlichen Lebensraumes. Bei Begegnungen mit Menschen scheuen sie zumeist und entfernen sich.

Zur Hauptnahrung gehört sogenanntes Schalenwild. Darunter fallen Rehe, Rothirsche und Wildschweine. Aber auch Nutztiere wie Schafe, Ziegen und Rinder können von den Tieren gerissen werden. In erster Linie werden ganz junge, alte und kranke Tiere angegriffen. 

Wildtiere sind bevorzugte Nahrung von Wölfen.

Die Wölfe in Niedersachsen gehören zur sogenannten Zentraleuropäischen Flachlandpopulation. Das Verbreitungsgebiet dieser Population erstreckt sich im Wesentlichen auf Deutschland und den westlichen Teil Polens. 

4. Wolfsmonitoring in Niedersachsen

Für das Wolfsmonitoring in Niedersachsen ist die Landesjägerschaft zuständig. Der Verband hat sich zur Aufgabe gemacht, die Verbreitung des Tiers zu erfassen und sie in Karten und Tabellen zu dokumentieren. Dies erfolgt nach wissenschaftlichen Standards. 

Der aktuelle Bericht (Stichtag: 30. April 2017) weist landesweit 16 Wolfsterritorien aus. Darunter befinden sich 10 Wolfsrudel, 4 Paare und zwei Einzelwölfe. Die Landesjägerschaft geht von etwa 150 Tieren insgesamt in Niedersachsen aus. 

Das Wachstum in der Wolfspopulation beträgt rund 30 Prozent je Monitoringjahr. „Das ist das nachgewiesene Mindest-Wachstum“, erklärt Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft. Die tatsächliche Steigerung könne höher liegen. 

Die Nachweise von Wölfen werden durch Fotofallen und durch Meldungen von Wolfsberatern sowie aus der Bevölkerung erbracht. So um die 200 Meldungen gehen pro Jahr ein, darunter 50 Prozent durch Jäger, sagt Reding. Jede weitere Sichtung sei hilfreich, um die Datenlage zu verbessern und der Politik valide Zahlen zu liefern.

Auch tote Wölfe in Niedersachsen werden dokumentiert, sei es, dass sie durch Unfälle, Erschießung wie im Fall des Wolfs MT6 - auch Kurti genannt -, oder natürlichen Tod verendet sind.

Der Wolf MT6, auch Kurti genannt (links), wurde erschossen, Er näherte sich Menschen ohne große Scheu an.

Ein Fall einer illegalen Tötung ist aus dem Landkreis Cuxhaven bekannt. Hier wurde ein erschossener Wolf im September 2016 gefunden. Dies sei ein schwerer Verstoß gegen das Naturschutzgesetz, erklärte ein Sprecher der Landesjägerschaft. Daraufhin wurde eine Belohnung von 3000 Euro für Hinweise auf den Täter ausgesetzt.

Wolfssichtungen online melden

Jeder kann Wolfssichtungen unter www.wolfsmonitoring.com melden. Auch per E-Mail sind Meldungen über Sichtungen an wolf@ljn.de möglich – die Telefonnummer lautet 0511/530 430. Eine App ist angekündigt.

5. Schutz vor Wolfsrissen in der Landwirtschaft

Nutztiere wie Schafe, Ziegen und junge Rinder gehören in das natürliche Beuteschema eines Wolfes. Somit kommt es in Niedersachsen immer wieder zu Tierrissen. Die Häufigkeit solcher Fälle nimmt in den vergangenen Jahren zu, da auch immer mehr Rudel durch das Land streifen.

Manchmal kreuzen sich die Wege von Wölfen und Menschen, wie hier in Landesbergen im Landkreis Nienburg.

Wurden im Jahr 2008 lediglich zwei Risse gemeldet, waren es im Jahr 2017 bereits 236 Ereignisse, teilt das Wolfsbüro des Landes Niedersachsen mit. Dabei handelte es sich jedoch nicht immer um Risse durch Wölfe, wie weitere Untersuchungen ergaben.

Natürliche Feinde hat der Wolf hierzulande nicht. Deshalb ist von einer Vergrößerung der Wolfspopulation in den nächsten Jahren auszugehen. Die Landesjägerschaft geht von einer jährlichen Zunahme von 30 Prozent aus. Um Viehhalter zu unterstützen, fördert die Landesregierung sowohl die Prävention vor Nutztierrissen als auch die Entschädigung nach Verlusten.

Schutzzäune zur Prävention von Rissen

Das Wolfsbüro gibt Empfehlungen heraus, um die Schutzmaßnahmen vor Wolfsangriffen zu optimieren. So sollen Elektrozäune eine Höhe von mindestens 1,20, besser 1,40 Meter haben. Auch ein Untergrabschutz ist vorgesehen.

In erster Linie werden Halter von Schafen, Ziegen und Gatterwild gefördert. In wenigen Fällen können auch Rinder- und Pferdehalter die Unterstützung beantragen. Das Land übernimmt rund 80 Prozent der Materialkosten, die Kosten für die Aufstellung und Instandhaltung werden nicht übernommen. 

In Cornau wurde im Oktober 2015 ein totes Schaf aufgefunden. Es wurde wohl von einem Wolf gerissen.

Bis Dezember 2017 mussten Regionen als Wolfsgebiete ausgewiesen gewesen sein, damit Halter die Förderung beantragen konnten. Nun sind Herdenschutzmaßnahmen in ganz Niedersachsen förderungsfähig.

Damit haben Tierhalter im Haupt- oder Nebenerwerb von Schafen, Ziegen und Gehegewild nun in ganz Niedersachsen die Möglichkeit, Fördergelder für wolfsabweisende Maßnahmen wie Zäune und Herdenschutzhunde zu beantragen, teilt das Wolfsbüro auf Nachfrage mit. Für Pferde und Rinder werden Ausgleichszahlungen nach Rissen ohne Anforderungen an einen besonderen wolfsabweisenden Schutz gezahlt.

Doch all diese Schutzmaßnahmen reichen nicht immer aus, um Nutztiere langfristig vor Wolfsangriffen zu schützen. Die Schutzzäune seien eindeutig zu niedrig, erklärt Christian Lohmeyer, Vorstandsmitglied des Landvolks Mittelweser. Auch Elektrozäune würden nur begrenzt helfen, wenn die Vorrichtungen übersprungen werden.

Schutzlose Schafe auf dem Deich

Schafhalter Christian Lohmeyer kann seine Schafe auf dem Deich nicht schützen. Wenn ein Wolf im Landkreis Nienburg heimisch werde, denkt er über die Aufgabe der Schafhaltung nach.

Schutzlos stehen die Viehherden dem Wolf an Deichen gegenüber. „Auf Deichen dürfen keine Zäune aufgestellt werden“, erklärt Schafhalter Lohmeyer. Seine Herde steht in den Sommermonaten auf einem Deich an der Weser in Stendern bei Bücken im Landkreis Nienburg. Zäune könnten bei Hochwasser in den Fluss geraten und Schiffe beschädigen, so lautet die Begründung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung für das Zaunverbot.

Falls aus rechtlichen Gründen keine Schutzmaßnahmen, wie das Aufstellen von Elektrozäunen, ergriffen werden können, können dennoch Ausgleichszahlungen geleistet werden, erklärt das Wolfsbüro.

Herdenschutzhunde als Zaun-Alternative

Tierhalter Swen Keller läuft neben zwei Pyrenäenberghunden in Kühren (Sachsen-Anhalt) über eine Weide. Manche Tierhalter setzen auf Hunde, um ihre Herden vor Wölfen zu schützen. Doch auch Menschen müssen ihr Verhalten anpassen, wenn Hunde auf Weiden in Sachsen-Anhalt unterwegs sind.

Neben Zäunen sind ausgebildete Herdenschutzhunde eine weitere Schutzmöglichkeit. Auch deren Anschaffung wird finanziell vom Land unterstützt, die Haltung hingegen nicht. Am Deich fällt der Einsatz solcher Hunde weg. Ohne Zaun als Reviermarkierung sei der Einsatz zu gefährlich. „Die Hunde verteidigen die Herde auch gegen Hunde und im Zweifel Menschen“, erklärt Ex-Wolfsberater Christian Lohmeyer.

In der Richtlinie Wolf werden der „Pyränaen-Berghund“ und der „Maremmano-Abbruzzese“ als passende Schutzhund-Rassen genannt. Auch Tiere aus anderen Herdenschutzhund-Rassen und deren Mischlinge werden vom Wolfsbüro grundsätzlich als geeignet betrachtet, wenn sie keine ausgeprägte Aggressivität gegenüber Menschen aufweisen.

Schafhalter geben auf

Esel Klaus soll Schafe vor Wolfsangriffen schützen.

Der Landkreis Nienburg ist inzwischen als Wolfsgebiet ausgewiesen. In der Nähe des Weideplatzes von Lohmeyer sind bereits erste Wölfe gesichtet worden. „Wenn sich ein Rudel bei uns niederlässt, werde ich die Schafhaltung aufgeben müssen“, sagt der Experte. Dann falle auch die Deichpflege durch die Schafe weg, gibt er zu bedenken.

Eine gangbare Alternative zum Herdenschutzhund könnten Esel am Deich sein. In einem Pilotprojekt untersucht der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) die Wirkung der Huftiere. Sie machen lautstark auf Eindringlinge aufmerksam und stellen sich Wölfen entgegen. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt läuft bis zum Herbst 2018.

Risse werden unzureichend kompensiert

Wenn es letztendlich zu Rissen von Nutztieren wie Schafen, Ziegen und Jungrindern durch Wölfe kommt, zahlt das Land eine Kompensation. Diese orientiert sich an dem aktuellen Wert des betroffenen Tieres. 

Doch dabei werden laut Christian Lohmeyer zum Beispiel keinerlei Zuchtkosten berücksichtigt. Wenn ein Wolf einmal eine Herde erfolgreich angegriffen hat, könne das Tier jederzeit wiederkommen und dem Viehhalter weiteren Schaden verursachen.

Forderung nach aktivem Wolfsmanagement

Darum fordert der Landvolk-Funktionär Lohmeyer ein aktives Wolfmanagement. Man könne dem Wolf nicht einfach freien Lauf lassen. „Wir brauchen Weidehaltung und eine praktikable Lösung beim Thema Wolf“, sagt er. Dabei sollten die Bedürfnisse der Menschen im Vordergrund stehen.

So sieht es auch Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD), der die Sicherheit der Menschen als oberste Priorität einordnet. Um die Population zu steuern, sollte der Wolf wie andere Wildtiere auch bejagbar sein, fordert Christian Lohmeyer.

Weitere Informationen rund um das Thema gibt es auf dem Wolfsportal des Niedersächsischen Umweltministeriums.

6. Politik des Landes Niedersachsen und der Bundesregierung

„Meine Haltung ist klar: Die Sicherheit der Menschen hat oberste Priorität“, betont Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD). „Wenn Wölfe die Scheu vor dem Menschen verlieren und dadurch zur Gefahr werden, müssen sie schnell entnommen werden.“ 

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD, links) informiert sich bei Kai-Uwe Bielefeld, Landrat vom Landkreis Cuxhaven, zum Thema Wolf.

Außerdem soll der Umgang mit Tieren, die mehrfach Herdenschutzmaßnahmen, sprich Zäune, überwinden, laut Lies überdacht werden. „Wenn Rinder nach guter fachlicher Praxis eingezäunt sind und trotzdem wiederholt von Wölfen angegriffen werden, müssen wir reagieren“, so der Minister gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Auch in solchen Fällen solle es möglich sein, die Tiere zu entnehmen, also einzufangen oder zu töten.

Grundsätzlich ist das Land verpflichtet, dem Wolf Schutz zu gewähren und sein Überleben dauerhaft zu sichern. So steht es in einer EU-Richtlinie. Sie sieht außerdem finanzielle Ausgleichszahlungen für Nutztierrisse vor und unterstützt Präventionsmaßnahmen, wie Schutzzäune und Herdenschutzhunde. 

Die Bundesregierung will die EU-Kommission dazu auffordern, den Schutzstatus des Wolfes zu überprüfen, um „die notwendige Bedarfsreduktion“ vorzunehmen. Außerdem sollen Bund und Länder einen Kriterienkatalog zur Entnahme von Wölfen entwerfen. Wörtlich heißt es in dem Papier: „Wir wollen, dass Wölfe, die Weidezäune überwunden haben oder für den Menschen gefährlich werden, entnommen werden.“

7. Das Wolfcenter in Dörverden

Wer Wölfe in der Natur erleben will, ist im Wolfcenter in Dörverden genau richtig. Es versteht sich als Kompetenzzentrum in Sachen Wölfe in Niedersachsen. „Wir sind eine Mischung aus Zoo, Bildungseinrichtung, Erlebnis- und Kongresszentrum“, beschreibt Inhaber Frank Faß die Einrichtung.

In drei Gehegen sind drei Wolfsgruppen mit insgesamt elf Tieren zu sehen. Eine Besonderheit sind die beiden Hudson-Bay-Wölfe „Dala“ und „Kimo“, die vom Team des Wolfcenters aufgezogen wurden und dementsprechend zutraulich sind. Bei regelmäßigen Führungen und Fütterungen vermitteln die Mitarbeiter den Besuchern Wissenswertes rund um das Raubtier. Kinder können in einem Gehege Ziegen streicheln und auf dem Wasserspielplatz toben.

Besuch im Wolfcenter Dörverden

Das Wolfcenter hat auch eine Dauerausstellung und ein Bistro im Angebot. Wer dort übernachten möchte, kann das Baumhaushotel „Tree Inn“ oder die rustikalen Tipis nutzen.

Alle Informationen finden Sie unter www.wolfcenter.de.

Zusammengestellt von Phillip Petzold und Jan Wiewelhove

8. Neueste Nachrichten zum Wolf in Niedersachsen

Hier laufen die aktuellen Berichte zum Wolf in Niedersachsen ein.

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Barme - Acht beziehungsweise vier Jahre nach der erfolgreichen Handaufzucht von sechs europäischen Grauwölfen und zwei Hudson-Bay-Wölfen sind erneut …
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Landkreis - Von Robin Grulke. Hubert Wiechmann legt auf. „Das war das Wolfsbüro. Wollen Sie eben mit?“ Eigentlich hatte der 58-Jährige sich Zeit …
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Dörverden - Zwei Wolfsbabys sind in den Wildpark in Dörverden eingezogen. Die knapp fünf Monate alten Grauwölfe lebten nach Angaben des Parks noch …
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Verein will Schäfer zum Schutz vor Wölfen bewaffnen

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Hannover - Im Streit um die Rückkehr der Wölfe nach Niedersachsen will der Förderverein der Deutschen Schafhaltung „mit drastischen Mitteln“ die …
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Wölfe und Schafe in Niedersachsen - Zahl der Risse kaum gestiegen

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Übergriffe auf Schutzhunde: Labor bestätigt Verdacht des Schäfers

Barnstorf / Goldenstedt - Von Matthias Niehues. In jüngster Zeit ist es ruhig geworden um den Wolf. Der letzte Übergriff in der heimischen Region …
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Jäger wollen klare Regeln für Umgang mit dem Wolf

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Bremen - Der Deutsche Jagdverband (DJV) sieht dringenden Handlungsbedarf beim Thema Wolf. Jährlich wachse die Wolfspopulation in Deutschland um rund …
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Auto tötet Wolf auf Autobahn 

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Cuxhaven - Ein Wolf ist auf der Autobahn nahe Cuxhaven von einem Auto erfasst und getötet worden.
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Bereits 45.000 Menschen haben Ausstellung mit Wolf „Kurti“ besucht

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Hannover/Ahlenmoor - Als erster im staatlichen Auftrag getöteter Wolf hat Kurti vor zwei Jahren traurige Berühmtheit in Deutschland erlangt.
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