Anita und Günter Borchers kommen nach Großbrand in ihrem Wohn- und Geschäftshaus bei den Nachbarn unter

Familie über Nacht obdachlos

Schwarze Rauchschwaden und Flammen schlugen aus dem Dach des Wohn- und Geschäftshauses an der Mullstraße.

Harpstedt - Sie sind urplötzlich obdachlos geworden und mussten mit ansehen, wie ihr Wohn- und Geschäftshaus an der Mullstraße 5 in Harpstedt in der Nacht zu gestern aus noch ungeklärter Ursache ein Raub der Flammen wurde, obgleich knapp 90 Feuerwehrkräfte den Brand stundenlang bekämpften. Viele Bürger fühlen mit Günter Borchers und seinen Angehörigen – mit einer im ganzen Flecken beliebten Familie, der das Schicksal kurz vor Weihnachten so übel mitspielte. In der Nachbarschaft zeichnet sich eine Welle der Hilfsbereitschaft ab.

„Wir werden uns zusammensetzen, einen Notfallplan machen und überlegen, wie wir helfen und das Nötigste spenden können“, kündigte Nachbarin Helga Krolage an. Sie und ihr Mann Joseph nahmen Anita und Günter Borchers noch in der Brandnacht bei sich auf und werden sie bis auf weiteres in ihrer Gästewohnung beherbergen. Sohn Frank Borchers ist bei seiner Schwester Carola an der Großen Eßmerstraße untergekommen. Er hatte am späten Dienstagabend Brandgeruch und Flammenschein aus einem rückwärtigen Bodenraum seines Elternhauses bemerkt, als er zur Toilette musste, rief dann sofort die Feuerwehr und konnte das Gebäude unversehrt verlassen. Seine Eltern weilten auf einer Feier anlässlich eines 20. Hochzeitstages und wollten gerade in ihre eigenen vier Wände zurückkehren, als Joseph Krolage sie anrief und ihnen die Hiobsbotschaft überbrachte.

Das Feuer fraß sich vom hinteren oberen Teil des Gebäudes schnell durch den Dachboden. Schwarzer Qualm stieg in den Nachthimmel auf. Flammen schlugen aus dem Dach und einem Fenster über der Werkstatt. Die Leitstelle alarmierte um 22.45 Uhr die Ortswehren Harpstedt, Prinzhöfte-Horstedt und Wildeshausen (mitsamt Drehleiter). Später rückten nachalarmierte Kräfte der Feuerwehren Beckeln und Groß Ippener, die Drehleiter aus Ganderkesee und der Gerätewagen Atemschutz der Feuerwehrtechnischen Zentrale aus. Vorsorglich waren zudem die Malteser auf den Plan gerufen worden, die mit einem Rettungswagen aus Wildeshausen zur Mullstraße eilten.

Schwierig sei es gewesen, durch das Dach an den Brandherd heranzukommen, sagte Harpstedts Ortsbrandmeister Eric Hormann gestern auf Nachfrage. Die Feuerwehrkräfte mussten sich durch mehrere Schalungen vorarbeiten und durchkämpfen. „Da kamen wir teilweise selbst mit der Motorsäge nicht weiter“, so Hormann. „Zum Glück“ sei es gelungen, „eine Durchzündung zu verhindern“. Für den Erstangriff stand reichlich Wasser aus den Tanks von Einsatzfahrzeugen zur Verfügung. Drei Leitungen zu Löschwasserentnahmestellen bauten die Brandschützer auf. Eine davon führte von der Kleinen Eßmerstraße direkt durchs Feuerwehrhaus. Ein im Zuge des Ausbaus der Ortsdurchfahrt neu gesetzter Hydrant an der Langen Straße sei, so Eric Hormann, noch „nicht betriebsbereit“ gewesen. Das habe aber keine Probleme bereitet.

Bauhof-Bedienstete streuten Unmengen Salz, da das Löschwasser am Boden gefror. Das Gros der Feuerwehrkräfte konnte gegen 3.30 Uhr abrücken. Die letzte Löschgruppe blieb bis um 7.30 Uhr. Am Morgen riss der Fahrer eines Baggers der Firma „Bela-Bau“ einen Erker ein, damit letzte Glutnester abgelöscht werden konnten. In Boden, Dachstuhl und Teilen des Obergeschosses hat das Feuer „ganze Arbeit“ geleistet. Das Untergeschoss mit Lederwarengeschäft wurde vor allem durch Löschwasser und Raucheinwirkung in Mitleidenschaft gezogen. Die Schadenssumme liege sicher „im sechsstelligen Bereich“, schätzte Polizei-Pressesprecher Carsten Grallert. Nachbar Josef Krolage, von Beruf Architekt, geht von einem „100-prozentigen Totalverlust“ aus. Das Haus zu retten wäre seiner Einschätzung nach teurer als ein Neubau.

Die Ermittlungen zur Brandursache laufen. Ergebnisse lagen bis Redaktionsschluss nicht vor.

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