„Schönheitsfehler“ der Weihnachtsgeschichte ? / Von Hans-Peter Daub

Empfangen durch den Heiligen Geist ...

H.-P. Daub

Rotenburg - Weihnachten ist das wichtigste Fest im Jahr. Aber seine Ursprungsgeschichte hat einen Schönheitsfehler. Wer glaubt noch an eine Jungfrauengeburt? Doch die Behauptung, dass Jesus vom Heiligen Geist empfangen wurde, ist ein fester Bestandteil des Glaubensbekenntnisses der Kirchen. Wie lässt sich das heute noch verstehen?

Ich will Ihnen die Erklärung weitererzählen, die ich von Konfirmanden gehört habe. Für sie hieß: ‚empfangen durch den Heiligen Geist‘ – da war jemand, der sich auf die Geburt gefreut hat. Wie ein Staatsgast mit rotem Teppich. Auch wenn ihnen nicht so ganz klar war, wer der Heilige Geist ist, gemeint ist: empfangen durch eine wichtige Person, herzlich begrüßt, gewollt.

Das ist nicht selbstverständlich. In der Gruppe der 13-Jährigen waren sich einige sicher: „Ich bin gewollt“. Und ihr Strahlen war bewegend. Andere Menschen lassen sie spüren, wie schön es ist, dass sie da sind. Aber daneben gab es auch fragende und verstörte Blicke. „Nein, gewollt bin ich eigentlich nicht, – es ist aber trotzdem gut, dass ich lebe.“

Ein Experiment: Stellen wir uns vor, Christian und Bettina Wulff bekommen noch ein Baby. Möglich wäre es. Und es wäre eine große öffentliche Geschichte. So wie Tony Blairs jüngster Sohn, der in der Amtszeit des früheren englischen Premiers geboren wurde. Glückwünsche aus aller Welt, ein roter Teppich schon für ein Kind – das war einfach eine schöne Geschichte, nicht nur für die Familie, für das ganze Land.

Und wenn der junge Tischlermeister wieder Vater wird, den so viele Kunden kennen und achten, der in vielen Vereinen engagiert ist – vielleicht steht es nicht in der Zeitung, aber Gesprächsthema im Ort ist es doch. Und wer davon hört, freut sich. Und das ist ja wahrhaftig ein guter Grund zur Freude.

Am anderen Ende der Straße bekommt eine 30-jährige Frau ihr siebtes Kind. Vor drei Jahren ist die Familie aus einer Großstadt hierher gezogen. Es ist nicht so leicht, sich mit ihnen zu unterhalten, weil ihr Deutsch gebrochen ist. Aber die Kinder sind jeden Tag draußen. Wer freut sich mit ihnen über ihr jüngstes Geschwisterchen?

Und Anna wird mit einer Behinderung geboren. Bei der Geburt schon ist klar, dass etwas mit ihr nicht stimmt. Die Eltern sind in große Sorge. Und um sie herum ist viel Schweigen. Die Leute wissen nicht, ob sie gratulieren sollen.

„Empfangen durch den Heiligen Geist“ – was wäre das für eine fantastische Idee. Bei allen Unterschieden, die wir Menschen machen, gibt es einen roten Teppich von Gott: „Willkommen! Wie gut, dass es Dich gibt! Niemand soll Dir das Recht streitig machen können, ein Mensch zu sein! Ein Gotteskind!“

An einem biologischen Wunder ist die Bibel nicht interessiert. Aber dass Jesus von Gott gewollt ist, das ist ihr ganz wichtig. Jesus, der Gottessohn. Darum gibt es diese Idee, von einer Jungfrauengeburt zu erzählen. Gott selbst bekennt sich zu diesem Kind.

Als Erwachsener hat Jesus selbst alle seine Titel demokratisiert. Was von mir gesagt wird, soll auch von anderen gelten: Gottes Kinder. Und in seinen Augen sind die Kinder gleich wichtig. Und die Erwachsenen, die einmal Kinder waren auch. Ich lebe, und Ihr sollt auch leben. Da gibt es keine Rangfolge. Wenn Gott keine Unterschiede macht, wäre das doch auch ein Anstoß für uns: Töchter und Söhne Gottes begegnen sich mit Achtsamkeit und Respekt – „empfangen vom Heiligen Geist“.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest!

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