Auch Deutsche Bahn betroffen

Weltweite Cyber-Attacke vorerst gestoppt - Zehntausende Computer lahmgelegt

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Cyber-Attacken erreichen auch Deutsche Bahn

London - Eine weltweite Cyber-Attacke hat zehntausende Computer lahmgelegt, auch die Deutsche Bahn ist betroffen. Vorerst wurde der Angriff gestoppt - doch Entwarnung gibt es noch nicht.

Die IT-Sicherheitsfirma Avast entdeckte rund.75 000 betroffene Computer in 99 Ländern, mit einem Schwerpunkt auf Russland, der Ukraine und Taiwan. In der Nacht zum Samstag wurde die Angriffswelle gestoppt, weil ein IT-Sicherheitsforscher auf eine Art „Notausschalter“ in der Schadsoftware stieß.

Die Computer wurden von sogenannten Erpressungstrojanern befallen, die sie verschlüsseln und Lösegeld verlangen. Dabei wurde Experten zufolge eine Sicherheitslücke ausgenutzt, die ursprünglich vom US-Abhördienst NSA entdeckt worden war, aber vor einigen Monaten von Hackern öffentlich gemacht wurde. Die Schwachstelle wurde zwar bereits im März grundsätzlich von Microsoft geschlossen - aber geschützt waren nur Computer, auf denen das Update installiert wurde.

So wurde die Attacke abgewürgt

Die Angreifer scheinen eine Art Notbremse in ihr Programm eingebaut zu haben - und die Attacke wurde abgewürgt, nachdem ein IT-Forscher den Mechanismus auslöste. Der Betreiber des Blogs „MalwareTech“ fand nach eigenen Angaben einen Web-Domainnamen im Computercode der Schadsoftware und registrierte ihn. Das reichte aus, um die Ausbreitung zu stoppen.

Denn das Angriffsprogramm versucht bei jeder Infektion eines neuen Rechners, diese Webadresse anzusteuern, erklärte die Sicherheitsfirma Malwarebytes in einer Analyse. Ist sie aktiv, bleibt die Attacke aus. Der Sicherheitsforscher von „MalwareTech“ selbst räumte ein, dass ihm anfangs nicht bewusst gewesen sei, dass er mit dem Schritt die Attacke stoppen würde. Er sei ein „Held durch Zufall“, sagte Ryan Kalember von der IT-Sicherheitsfirma Proofpoint der Zeitung „Guardian“.

Cyber-Angriff könnte sich wiederholen

Zugleich warnten Experten, dass die Angreifer mit einer modifizierten Version ihrer Software zurückkommen könnten. Deshalb müsse man die Ruhe jetzt dringend nutzen, um den Schutz der Computer auf den neuesten Stand zu bringen.

Am Freitag hatten die Folge der Attacke für Aufsehen gesorgt. In Großbritannien wurden Krankenhäuser lahmgelegt, in Spanien war der Telekom-Konzern Telefónica betroffen und in den USA den Versanddienst FedEx.

Auch Deutsche Bahn betroffen

Die Deutsche Bahn erklärte, es gebe wegen „eines Trojanerangriffs im Bereich der DB Netz AG“ Systemausfälle in verschiedenen Bereichen. „Der Bahnbetrieb ist durch den Trojaner nicht beeinträchtigt. Es gibt keine Einschränkungen im Fern- und Nahverkehr“, heißt es am frühem Samstagmorgen. An den Bahnhöfen gebe es aber noch technische Störungen an den digitalen Anzeigentafeln. Die Bahn arbeite mit Hochdruck daran, die Störung zu beheben, doch sei bis zum Nachmittag mit Beeinträchtigungen zu rechnen.

Die weltweite Cyber-Attacke hat auch die Technik der Deutschen Bahn zur Videoüberwachung getroffen. Dies teilte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Samstag auf Anfrage in Berlin mit. Die Bahn stellt diese Technik für die Bundespolizei bereit. Die Computernetze der Bundespolizei selbst waren nach Angaben des Sprechers von den Angriffen aber nicht betroffen. Auch für die Bundesregierung und andere Bundesbehörden sei dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt auszuschließen, hieß es.

In Großbritannien waren Krankenhäuser unter anderem in London, Blackpool, Hertfordshire und Derbyshire lahmgelegt, wie der staatliche Gesundheitsdienst NHS mitteilte. Insgesamt gehe es um 16 NHS-Einrichtungen. Computer seien zum Teil vorsorglich heruntergefahren worden, um Schäden zu vermeiden. Patienten wurden gebeten, nur in dringenden Fällen in Notaufnahmen zu kommen, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA. Zum Teil mussten Patienten in andere Krankenhäuser umgeleitet werden.

Großbritanniens Premierministerin Theresa May sagte, die Attacken seien nicht gezielt gegen den NHS gerichtet gewesen. Die britische Patientenvereinigung kritisierte, der NHS habe aus früheren Cyber-Attacken nicht gelernt und nicht genug getan, um seine zentralisierten IT-Systeme zu schützen. Im vergangenen Jahr waren unter anderem Krankenhäuser in Deutschland von Erpressungstrojanern betroffen gewesen.

So funktionieren Erpressungstrojaner

Erpressungstrojaner werden von IT-Sicherheitsexperten als immer größeres Problem gesehen. Die Computer werden befallen, wenn zum Beispiel ein Nutzer einen fingierten Link in einer E-Mail anklickt. In der aktuellen Version konnten infizierte Computer auch andere Rechner im Netzwerk anstecken.

Klassische Antiviren-Software ist bei Erpressungs-Trojanern oft machtlos. Zugleich können die Angreifer mit dem Lösegeld, das viele Nutzer zahlen, weitere Attacken finanzieren. Meist werden Privatleute Opfer der Erpressungssoftware. Im vergangenen Jahr traf es zum Beispiel aber auch deutsche Gemeindeverwaltungen. Eine derart verheerende Attacke wie am Freitag gab es noch nicht.

Die Waffe der Angreifer war Experten zufolge die Schadsoftware „Wanna Decryptor“, auch bekannt als „Wanna Cry“. Sie missbrauchte eine einst von der NSA ausgenutzte Sicherheitslücke. Geheimdienste suchen gezielt nach solchen Schwachstellen, um sie heimlich auszunutzen. Nachdem unbekannte Hacker im vergangenen Jahr gestohlene technische Informationen der NSA dazu veröffentlicht hatten, wurden die Lücke eigentlich von Microsoft gestopft. Aber nicht alle Computer wurden auf den neuesten Stand gebracht - und das rächte sich jetzt.

Beim russischen Innenministerium fielen rund 1000 Computer aus. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn in westlichen IT-Sicherheitskreisen wurden hinter der Veröffentlichung der NSA-Daten Hacker mit Verbindungen zu russischen Geheimdiensten vermutet.

dpa

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