Hochkonstrast-Bilder

Von tiefem Schwarz und großer Helligkeit: Das ist HDR

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Mit modernen HDR-Displays und dem richtigen Bildmaterial lassen sich enorme Farbkontraste darstellen und große Helligkeit bei der Anzeige erreichen. Wärend das Passpartout dieses "Gemäldes" aussieht, als sei es aus Papier, besteht es in Wirklichkeit aus hell erleuchteten Pixeln eines OLED-Displays. Foto: Andrea Warnecke

High Dynamic Range (HDR) soll dafür sorgen, dass die Bilder auf dem TV-Schirm effektvoller und zugleich natürlicher wirken. Doch die neue Technik hat ihre Tücken. Beim TV-Kauf lohnt also ein wenig Recherche. Denn HDR gibt es in mehreren Ausführungen.

München (dpa/tmn) - High Dynamic Range (HDR) ist gemeinsam mit der Schärfetechnik Ultra High Definition (UHD) aktuell der große Renner fürs Fernsehen und Heimkino. Hier die wichtigsten Informationen über HDR:

Mit HDR sollen zwei Bildverbesserungen gelingen: Der Helligkeitsabstand zwischen der leuchtendsten und dunkelsten Bildpartie wird größer. Das erhöht den Bildkontrast und damit effektvoll die Tiefenwirkung des Bildschirms. Zum Zweiten liefert HDR mehr Helligkeitsnuancen. Motive werden feiner schattiert dargestellt und wirken dadurch plastisch und realistisch.

"Es gibt vier konkurrierende HDR-Normen mit unterschiedlich intensiver Wirkung", sagt Roland Seibt von der Fachzeitschrift "video". Dolby Vision (DV) ist das Luxusmodell. Es liefert für kompatible Filme in jeder Szene aufs Neue Infos zum darin gezeigten hellsten und dunkelsten Bilddetail. Der TV-Schirm nimmt diese Daten entgegen und kann die Darstellung jeweils optimal anpassen. Das nennt man dynamisches HDR.

Nur einmalig überträgt das Format HDR 10 diese Grundinformationen, und zwar für das hellste und dunkelste Bilddetail des gesamten Films. Einzelne Szenen weichen davon erheblich ab, der TV-Schirm kann daher seine Darstellung weniger gut optimieren. Zudem überträgt HDR 10 nicht so viele Helligkeitsnuancen.

Einen Kompromiss findet das neue HDR 10+. Wie bei Dolby Vision handelt es sich um dynamisches HDR. Die Anzahl der Helligkeitsnuancen bleibt jedoch so groß wie bei HDR 10. HDR 10+ dürfte die erfolgreichste Lösung für Spielfilme werden, da sie eine gute Balance zwischen Qualität und Aufwand findet. Außerdem ist sie, anders als Dolby Vision, für Filmstudios und TV-Hersteller kostenlos.

Für das klassische Fernsehen gibt es die vierte Variante HLG. Sie übermittelt überhaupt keine Grundinformationen und ist so ausgerichtet, dass auch durchschnittliche UHD-TVs ohne besondere HDR-Fähigkeiten die Bilder wiedergeben können. Nachteil: Die HDR-Qualität fällt hier am geringsten aus.

Unterschiedliche HDR-Qualität gibt es nicht nur bei der Aufnahme und Übertragung, sondern auch bei den TV-Geräten. Wichtig ist also, was drin steckt. Und das verrät die Ausstattungsliste: HDR 10 und HDR 10+ sollten an Bord sein, Dolby Vision ist dann die Kür, rät Stefan Witzel, Chefredakteur des "AV-Magazin".

Doch vom HDR-Logo allein sollte man sich nicht blenden lassen. Sie belegen nur, dass die Elektronik die Signale versteht. Wie das Display sie darstellt, ist eine andere Sache. TV-Geräte der preislichen Unter- bis Mittelklasse erreichen derzeit jedenfalls nicht die Helligkeit und tiefen Schwarztöne für eine effektvolle HDR-Darstellung.

Manche Geräte - je nach Markenqualität - profitieren allerdings von den zusätzlichen feinen Helligkeitsnuancen. Damit werden Bilder auch besser, es springt nur weniger ins Auge. Gut sichtbare HDR-Darstellung gibt es erst mit kostspieligeren Modellen, je nach Größe ab etwa 1500 Euro.

Wirklich perfekt ist die Darstellung aber auch hier nicht unbedingt. Es kommt auf die Bildschirmtechnik an. Aktuelle LCD-TVs, dazu zählen auch LED- und die neuen QLED-Modelle, sind sehr hell, erfüllen die Anforderungen an die Schwarzwiedergabe aber nicht.

OLED-Bildschirme mit selbstleuchtenden Dioden schaffen zwar perfektes Schwarz, sind aber nicht so hell. Großes Plus: Die im Schnitt teureren Schirme sind blickwinkelstabil und zeigen auch bei von der Seite oder aus erhöhter Position ein kontraststarkes Bild.

Welche HDR-Variante die passende ist, hängt also am Ende auch vom Geldbeutel ab. Wer ganz aktuell ein neues Modell kaufen will und Wert auf HDR legt, sollte vielleicht noch mit dem Kauf etwas warten. Die Top-Markenhersteller haben auf Elektronikmessen bereits LCD-Weiterentwicklungen gezeigt, die ein besseres Schwarz und geringere Blickwinkelabhängigkeit versprechen. Auf OLED-Seite wiederum locken fallende Preise und die Steigerung der Helligkeit.

Auf Inhalteseite ist das Angebot noch begrenzt. Eher wenige Filme auf UHD-Blu-ray bieten HDR 10, noch weniger HDR 10+ oder Dolby Vision. Von den großen Streamingdiensten wie Netflix und Amazon ist das Angebot bereits etwas größer. Im Fernsehen gibt es aktuell kein HDR. Zwar wird die kommende Fußball-WM in UHD und HDR produziert. Davon kommt allerdings wenig zu Hause an: ARD und ZDF haben die WM-Übertragungsrechte erworben, und laut ZDF-Auskunft wird es keine HDR-Verbreitung geben. Auch der Bezahlsender Sky wird ausgewählte Spiele des Turniers ausstrahlen - zwar in UHD-Auflösung (3840 zu 2160 Pixel) aber ebenfalls nicht mit HDR.

HDR im Überblick

- Mit HDR 10, HDR 10+, Dolby Vision (DV) und HLG gibt es vier HDR-Techniken.

- Vorteile OLED: tiefes Schwarz, blickwinkelstabil.

- Vorteil LCD (LED, QLED, SUHD): sehr hell.

- Nicht jeder TV bietet alle HDR-Techniken.

- Noch kein TV-Schirm zeigt das gesamte HDR-Potenzial.

- Auf DVD und HD-Blu-rays gibt es kein HDR.

- Noch relativ wenige UHD-Blu-rays bieten HDR.

- Nicht alle Blu-rays bieten alle HDR-Techniken.

- Beherrscht der TV oder der Blu-ray-Spieler keine der HDR-Techniken, wird der Film nur auf herkömmlich Weise gezeigt.

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