Bewusst handeln statt löschen

Wie Nutzer ihr Facebook-Profil abschotten

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Angesichts des Datenskandals denken einige Nutzer darüber nach, ihr Facebook-Konto zu löschen - es kann aber schon helfen, die eigenen Daten etwas mehr abzuschotten. Foto: Dominic Lipinski/PA Wire

Der Datenskandal bei Facebook hat viele Nutzer aufgeschreckt. Doch statt mit Aktionismus sollten sie eher mit Bedacht reagieren und ihr Profil absichern. Dazu bietet das Netzwerk einige Möglichkeiten - die jedoch längst nicht jeder Nutzer kennt.

Hannover (dpa/tmn) - Datenskandal hin oder her: Manche Nutzer sind auf ein Facebook-Profil angewiesen. Wer weiter darauf setzen muss, sollte dies bewusst tun, rät Joerg Heidrich, Justiziar der Computerzeitschrift "c't". Dazu nutzt man am besten alle Möglichkeiten zur Abschottung des eigenen Profils.

Dazu gehört, die Sichtbarkeit des eigenen Profils so zu beschränken, dass nur Freunde die Informationen sehen können - auch der Zugriff durch Suchmaschinen kann eingeschränkt werden.

Beiträge verfasst man besser nicht öffentlich, sondern nur für Freunde sichtbar. Die Einstellung dazu findet sich neben dem blauen "Posten"-Schalter. So schützt man sich auch davor, dass die eigenen Daten über die Facebook-Suchfunktion automatisiert ausgelesen und gespeichert werden.

Grundsätzlich empfehle sich in den Privatsphäre-Einstellungen immer die Option, die am wenigstens Zugriff von außen zulässt. Die Einstellungen hierfür öffnen sich nach einem Klick auf das kleine Dreieck oben rechts in der Facebook-Menüleiste und dann auf "Einstellungen" und "Privatsphäre" sowie "Chronik und Markierungen".

Nutzer der Smartphone-App erledigen das im Seitenmenü. "Damit ist man zwar nicht raus aus dem System, zumindest aber etwas sicherer", erklärt Heidrich.

Auch die Liste von Apps und Spielchen sollten Nutzer ausmisten. Diese Programme können unter Umständen viele Informationen aus dem Profil auslesen. Das geht mit einem Besuch in den Einstellungen und dort unter "Apps". Wer keine Facebook-Apps und -Spiele benutzt, kann ohne Bedenken die komplette App-Plattform deaktivieren.

Nachdenken gilt auch beim Einstellen von Beiträgen in das Netzwerk. "Man sollte sich bewusst machen, was man macht", sagt Heidrich. Im Endeffekt vertraut man auf unbestimmte Zeit einem amerikanischen Unternehmen detaillierte Informationen über persönliche Verhältnisse, politische Ansichten, Krankheiten und mehr an. Was damit geschieht, ist weitgehend unklar. "Im wahrscheinlichsten Fall werden die Daten genutzt, um damit Werbung zu schalten", sagt Heidrich. "Im schlimmsten Fall, um mich zu beeinflussen."

Das Facebook-Konto zu löschen, ist natürlich auch eine Möglichkeit. Aber lösen lässt sich das Problem mit der Datensammlung durch Facebook und andere dadurch nicht, gibt Heidrich zu bedenken. Zwar wird Facebook die Profildaten mit großer Wahrscheinlichkeit löschen. Aber wer - auf welchem Weg auch immer - Daten aus dem Profil gespeichert hat, bleibt weiter unklar. "Solche Daten fangen Sie nicht mehr ein." Noch ein möglicher Nachteil des Löschens: Ohne Facebookkonto lässt sich auch der Facebook Messenger nicht mehr nutzen.

Viele deutsche Nutzer betroffen

Von dem Facebook-Datenskandal um Cambridge Analytica könnten rund 310 000 Nutzer aus Deutschland betroffen sein. Weltweit könnten Informationen von bis zu 87 Millionen Mitgliedern unrechtmäßig zu der Analyse-Firma gelangt sein, teilte das Online-Netzwerk mit. Damit ist die Zahl der potenziell Geschädigten deutlich höher als bislang bekannt.

Bei dem Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App Informationen von Nutzern an die Analysefirma Cambridge Analytica weitergereicht, die unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump gearbeitet hatte. Dabei geht es nicht nur um die Daten der Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde. Das erklärt die hohe Zahl der betroffenen Nutzer.

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