Spieletest

Im Test: „The last of us 2“ - Herrlicher Schlag in die Magengrube

+
Das verlassene Seattle ist deutlich gefährlicher, als man es beim Blick auf dieses Bild erahnt.

„The last of us“ war ein nahezu perfektes Videospiel mit einem unvergesslichen Ende, der Höhepunkt der PS3-Ära. Nun ist - quasi als Schwanengesang auf die PS4 - der Nachfolger „The last of us 2“ erschienen. Wird er dem großen Vorgänger gerecht?

  • „The last of us 2“ wurde sofort zum Verkaufserfolg.
  • Die Fortsetzung des legendären Vorgängers muss sich an großen Erwartungen messen lassen.
  • Die Story und die Umsetzung von „The last of us 2“ konnten im Test überzeugen.

Auch sieben Jahre nach seinem Erscheinen kann sich jeder, der „The last of us“ damals durchgespielt hat, noch daran erinnern. Und an das Ende, das die meisten wie ein Faustschlag traf. Weil es sich den normalen Videospielkonventionen konsequent verweigerte. Selten hat ein Happy End, der obligatorische Ritt in den Sonnenuntergang, so bitter geschmeckt wie in diesem Moment. „The last of us“, schon schien es, ist auserzählt.

Einzigartig, kein Franchiseprodukt, bei dem Jahr für Jahr ein neuer Teil erscheint. „The last of us“ definierte den Standard für erwachsenes, anspruchsvolles Erzählen in Videospielen neu. Und legte die Latte dabei so hoch, dass kaum ein Titel seitdem auch nur in die Nähe dessen gekommen ist, was die Leute von Sony und „Naughty Dog“ da vorlegten. Das Spiel wurde noch einmal für die PS4 technisch aufpoliert und um einen hervorragenden DLC erweitert - und das war es. Dachte man.

The last of us 2 im Test: Michelangelo malt die Fortsetzung der Mona Lisa

Doch jetzt ist „The last of us 2“ erschienen. Es tritt ein schweres Erbe an. Denn die Skepsis war - auch bei mir - groß. Michelangelo hat auch keinen zweiten Teil der Mona Lisa gemalt. Warum also soll ausgerechnet dieses Gesamtkunstwerk namens „The last of us“ fortgesetzt werden?

Zunächst einmal ist da natürlich der finanzielle Aspekt. „The last of us“ war - wie jeder Titel von „Naughty Dog“ ein Riesenerfolg, ein „Systemseller“, also ein Spiel, wofür sich die Leute extra eine Playstation kaufen, um es zu erleben und mitreden zu können. Wenn eine Fortsetzung verspricht, ein Verkaufserfolg zu werden, dann wird sie früher oder später auch produziert. Der Erfolg gibt den Verantwortlichen recht: „The last of us 2“ verkaufte sich bereits an den ersten beiden Tagen millionenfach.

The last of us 2 im Test: Erwachsenes Erzählen in Videospielen ist möglich

Die Fortsetzung war aber auch nötig, weil das Erzählen ernster Geschichten in Videospielen seit „The last of us“ nicht wirklich deutlich weitergekommen ist. Sicher, es gibt herausragend inszenierte Spiele wie „God of war“ oder „Uncharted 4“, die auf Kinoniveau unterhalten können. Aber es gab eben nicht dieses neue „The last of us“ - bis jetzt.

Hat man erst einmal Dutzende Gigabyte an Daten heruntergeladen und auf der PS4 installiert, stellt sich umgehend dieses bange Gefühl ein. Wird es den Erwartungen gerecht werden? Schnell ist klar: es wird.

The last of us 2 im Test: Entwickler gehen volles Risiko

„The last of us 2“ ist ein mutiges Spiel. Ein Spiel, das mit bewundernswerter Normalität eine lesbische Liebesgeschichte erzählt - mögen die Trolle im Internet noch so wüten und Morddrohungen an die Designer und Schauspieler schicken, mögen die Controller vorher warnen, dass das den Verkaufserfolg schmälern könnte - TLOU2 traut es sich und siegt auf ganzer Linie.

Es präsentiert Figuren, die atmen, die leben, lieben, lachen - und leiden. Sehr oft, sehr plastisch. „The last of us 2“ ist kein Spiel für nebenbei, kein Spiel für den entspannten Feierabend. TLOU2 ist ein Schlag in die Magengrube. Wieder und wieder. Es spielt in einer harten, kalten Welt. Einer Welt, in der der Tod hinter jeder Ecke, jeder Tür, in jedem Schrank lauert. Blutig, brutal, oftmals kaum erträglich in seiner Intensität. Doch auch wenn man desöfteren angewidert ist von dem, was man mit seiner Hauptfigur da treibt - die Gewalt in TLOU2 ist niemals Spektakel, Schauwert oder Schmuckwerk. Sie ist, wie Gewalt ist: abstoßend. Schmutzig. Widerwärtig.

The last of us 2 im Test: Das Zombiespiel als Parabel auf die Menschlichkeit

Wie jedes gute Zombiespiel ist es eine Parabel auf die Menschlichkeit. Und um die ist es auch etliche Jahre nach der Handlung des ersten Teils nicht zum besten bestellt. In der durch die Zombiecalypse entvölkerte Welt herrscht in weiten Teilen das Recht des Stärkeren, der Blutrache, des bis zum Exzess gesteigerten Egoismus. Ein Schelm ist, wer Parallelen zu unserer heutigen Welt entdeckt. Das Idyll, es dient in „The last of us 2“ vor allem dazu, den Kontrast zu bilden. Die teilweise berückend schönen Panoramen grünüberwucherter Städte sind Heimat von Mördern und Monstern - wobei schnell klar wird, dass die wieder eindrucksvoll beängstigenden Zombies nicht die wahren Monster des Spieles sind. Die Momente der Ruhe und der Hauch von Geborgenheit dient dazu, den Stress und die Gewalt, die unweigerlich folgen, noch intensiver zu machen.

The last of us 2 im Test: Perfekte Technik transportiert Handlung, nicht umgekehrt

In diesem Text gehe ich ganz bewusst nicht auf die Story ein, ist sie doch das Kernelement des Spiels. Sie ist groß, sie ist großartig. Sie ist mutig. Sie wirft Fragen auf, die man sich in Videospielen selten bis nie stellt. Fragen über Schuld und Sühne, über Verantwortung und Vergebung. Sie ist teilweise unerträglich intensiv.

Die Technik ist, wie sollte es bei einem „Naughty Dog“-Spiel auch anders sein, perfekt. Grafik, Animationen, Charakterdesigns, Sound, Musik - keine Frage, die Konsolengeneration der PS4 verabschiedet sich, wenn im Spätherbst der Nachfolger erscheint, noch einmal mit einem Paukenschlag. Das besondere hierbei ist allerdings erneut, dass all die technischen Schauwerte keinen Selbstzweck darstellen, sondern einzig und allein das Mittel sind, um die Geschichte zu erzählen. Eine solche Fokussierung auf das Erzählen ist selten.

Fazit

Wer Videospiele liebt und volljährig ist, der muss „The last of us 2“ spielen. Er wird es vielleicht nicht lieben, er wird oft sicher auch leiden, mit den Entwicklern hadern, bei der exzessiven Gewaltdarstellung erschaudern. Aber er wird es - genau wie den Vorgänger - garantiert nicht vergessen. Videospiele sind Kunst. Selten wurde das so deutlich wie bei „The last of us 2“.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Verstappen überrascht Mercedes - Vettel motzt in Silverstone

Verstappen überrascht Mercedes - Vettel motzt in Silverstone

Fotostrecke: Werder-Sieg gegen Eintracht Braunschweig - Zurück im Wettkampfmodus

Fotostrecke: Werder-Sieg gegen Eintracht Braunschweig - Zurück im Wettkampfmodus

Beirut: Gewalt bei Protesten - Premier schlägt Neuwahlen vor

Beirut: Gewalt bei Protesten - Premier schlägt Neuwahlen vor

38,2 Grad am Samstag - und die Hitze bleibt

38,2 Grad am Samstag - und die Hitze bleibt

Kommentare