Gefragte Umdrehungen: Tipps für den Plattenspieler-Kauf

Integrierter Stereo-Vorverstärker und Direktantrieb: Gut 300 Euro kostet der Lenco L-175. Foto: Lenco
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Integrierter Stereo-Vorverstärker und Direktantrieb: Gut 300 Euro kostet der Lenco L-175. Foto: Lenco
Isolierter, laufruhiger Antrieb: Für den in New York entwickelten Music Hall mmf-2.2 muss man mit knapp 400 Euro rechnen. Foto: Music Hall
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Isolierter, laufruhiger Antrieb: Für den in New York entwickelten Music Hall mmf-2.2 muss man mit knapp 400 Euro rechnen. Foto: Music Hall
Plattenspieler mit Direktantrieb: Knapp 500 Euro ist der von Onkyo empfohlene Verkaufspreis für den CP-1050. Foto: Onkyo
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Plattenspieler mit Direktantrieb: Knapp 500 Euro ist der von Onkyo empfohlene Verkaufspreis für den CP-1050. Foto: Onkyo
Für knapp 300 Euro ist der Denon DP-300F mit integriertem Phono-Vorverstärker zu haben - auch in Schwarz. Foto: Denon
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Für knapp 300 Euro ist der Denon DP-300F mit integriertem Phono-Vorverstärker zu haben - auch in Schwarz. Foto: Denon
Der Pioneer PL-30 bietet unter anderem einen schaltbaren Vorverstärker und ist für rund 300 Euro zu haben. Foto: Pioneer
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Der Pioneer PL-30 bietet unter anderem einen schaltbaren Vorverstärker und ist für rund 300 Euro zu haben. Foto: Pioneer

Als 1887 die erste Schallplatte das Licht der Welt erblickte, ahnte sicher niemand, dass die Erfolgsgeschichte des analogen Tonträgers bis heute andauern wird. Immer noch fertigen Dutzende Hersteller Plattenspieler. Doch was macht ein gutes Gerät aus?

Hamburg (dpa/tmn) - Totgesagte leben länger. Davon können Vinyl-Liebhaber weltweit ein Lied singen. Denn die Schallplatte galt mit dem Siegeszug der CD zeitweise schon als ausgestorben und technisch antiquiert. Doch sie war nie ganz verschwunden und erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance.

Für Jürgen Weisser vom Deutschen Phonomuseum in St. Georgen im Schwarzwald macht die Faszination Schallplatte aus, dass man den Abspielvorgang visuell sehen und so leichter begreifen kann. Gingen in Deutschland im Jahr 2006 gerade mal noch 300 000 Schallplatten über die Ladentische, waren es im vergangenen Jahr nach Angaben des Bundesverbandes Musikindustrie 1,8 Millionen - gut 27 Prozent mehr als 2013.

Nicht nur Liebhaber ersetzen ihre Geräte, sondern es gibt vermutlich auch viele Neueinsteiger. Gerade ihnen stellt sich die Fragen, welches Modell mit welcher Technik infrage kommt.

"Für den Hi-Fi- beziehungsweise Heimbereich hat sich der Riemenantrieb durchgesetzt, hier wird der Motor vom Plattenteller durch den Antriebsriemen entkoppelt", erklärt Torge Benthien, Hi-Fi-Experte aus Hamburg. "Gleichlaufschwankungen und Laufgeräusche des Motors werden durch den Antriebsriemen abgepuffert und vom Plattenteller und damit auch von Schallplatte und Nadel ferngehalten."

Für einen guten Plattenspieler sollte man ab etwa 300 und bis 1000 Euro rechnen. "Unter diesen Preisen gibt es Plastik vom Discounter und Kaffeeröster, aber garantiert keine Klang- und Verarbeitungsqualität", sagt Benthien.

Die gute Nachricht für alle, die noch einen Plattenspieler besitzen: Ersatznadeln - auch ältere Typen - sind meist noch ohne Probleme erhältlich. Sie können auch meist in Eigenregie gewechselt werden.

Muss aber das komplette Abtastsystem erneuert werden, also die Nadel samt Halterung, die am Tonarm verschraubt ist, sollte besser ein Fachmann die Arbeit übernehmen. Denn in diesem Fall müssen unter anderem Kröpfung, Überhang und Auflagegewicht neu eingestellt werden, erklärt Benthien.

Beim Neukauf eines Abtastsystems gilt zu klären, ob dieses auch zum Tonarm und zum Plattenspieleranschluss passt. Preislich sind neue Nadeln und Abtastsysteme ab 30 Euro zu bekommen.

Ein häufig diskutiertes Thema ist die Phono-Vorverstärkung. "Phono-Vorverstärker müssen vor allem dann verwendet werden, wenn die Ausgangsspannung des Systems für den Verstärkereingang zu gering ist, was vor allem bei Magnetsystemen wichtig ist", betont Jürgen Weisser vom Deutschen Phonomuseum.

Auch Torge Benthien hält einen Phono-Vorverstärker für sinnvoll. Der Grund: Die Nadel bewege sich in einer mikroskopisch kleinen Rille und erzeuge zusammen mit Spulen und Magneten einen sehr geringen elektrischen Strom. Das Signal sei viel schwächer als etwa das eines CD-Players.

"Zudem ist das Signal auf der Schallplatte verzerrt aufgenommen: Für tiefe, kräftige Bassimpulse bräuchte man viel zu große Rillenauslenkungen", erklärt Benthien. "Deshalb werden die Bässe bei der Schallproduktion abgesenkt, man benötigt also einen Entzerrer-Vorverstärker, auch Phonoverstärker genannt." Dieser sei bei vielen Hi-Fi-Anlagen oder Verstärkern als sogenannter Phono-Eingang integriert oder als Zusatzgerät erhältlich.

Wie bei kaum einer anderen Gerätegattung aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik verschwimmen bei Plattenspielern die Grenzen zwischen plausiblem Preis-Leistungsverhältnis und irrationaler Liebhaberei. Plattenspieler aus durchsichtigem Acryl, poliertem Aluminium oder mit mehreren Tonarmen seien natürlich auch Eyecatcher, so Benthien. Einen realen Gegenwert, der auch klanglich nachvollziehbar sei, erhält man seiner Meinung nach noch bei Geräten bis zu einem Preis von 3000 Euro.

Der Trend hin zur Schallplatte verstärke sich seit Jahren, sagt Benthien. Viele Hersteller fingen wieder an, Plattenspieler in ihr Sortiment aufzunehmen. Der Experte geht von rund 50 Unternehmen aus, die immer noch oder wieder Plattenspieler produzieren.

Und die Presswerke produzierten rund um die Uhr Neuauflagen alter Aufnahmen und natürlich auch neue Alben. Dazu komme ein riesiger Gebrauchtmarkt. Eine Schallplatte sei Musik zum Anfassen: "Unsere digitale Welt dreht sich immer schneller, eine Schallplatte mit nur 33,33 Umdrehungen."

Studie Musikindustrie in Zahlen 2014 als PDF

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