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Zwischen Asien und Europa: Forscher entdecken vergessenen Kontinent

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Von: Bjarne Kommnick

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Forscher haben einen 40 Millionen Jahre alten Kontinent zwischen Asien und Europa wiederentdeckt. Fossilienfunde sollen exotisches Leben auf „Balkanatolia“ belegen.

Paris – Forscherinnen und Forscher des französischen Nationalen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS) haben einen vergessenen Kontinent wiederentdeckt. Erst als der Meeresspiegel vor etwa 34 Millionen Jahren gesunken war und sich erstmals eine Landverbindung zwischen Europa und Asien gebildet hatte, soll es mit dem Kontinent „Balkanatolia“ vorbei gewesen sein. Doch seine Geschichte liefert viele Erkenntnisse über die heutige Tier- und Pflanzenwelt. Das Team um Wissenschaftler Alexis Licht will ihre Forschungsergebnisse deshalb noch im März in der Fachzeitschrift „Earth Science Reviews“ veröffentlichen, wie die CNRS auf der eigenen Internetseite mitteilt.

Französische Behörde:Centre national de la recherche scientifique (CNRS)
Sitz:Paris
Zweck:Forschungsorganisation
Gründung:19. Oktober 1939
Beschäftigte:32.000

Balkanatolia: Ein vergessener Kontinent zwischen Asien und Europa

Für Millionen von Jahren während des sogenannten Eozän-Zeitalters (vor 55 bis 34 Millionen Jahren) bildeten Westeuropa und Ostasien zwei unterschiedliche Landmassen mit sehr unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten, so die Forscherinnen und Forscher der CNRS. „Wir wissen, dass Westeuropa vor etwa 34 Millionen Jahren von asiatischen Arten kolonisiert wurde, was zu einer großen Erneuerung der Wirbeltierfauna und dem Aussterben ihrer endemischen Säugetiere führte“, erklärt Licht. Der Faunenaustausch ist ein plötzliches Ereignis, das als „Grande Coupure“ bezeichnet wird.

Eine Hand mit einer Lupe über einer alten Weltkarte
Balkanatolia: Forscher entdecken einen 40 Millionen Jahre alten, vergessenen Kontinent wieder. (kreiszeitung.de-Montage) © Geff Reis/imago

Doch überraschenderweise habe man auf dem europäischen Kontinent, genauer gesagt auf dem Balkan, asiatisch typische Fossilien gefunden, die bereits vor dem „Grande Coupure“ dort hingekommen seien müssten, obwohl die Landmassen durch das Meer wohl getrennt waren. Deshalb habe das Team nun anhand von paläontologischen Funden, von denen einige bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen würden, herausgefunden, dass auf dem Balkan und in Anatolien vor Millionen von Jahren eine Landfauna beheimatet war, die sich sowohl von der Europäischen als auch von der Asiatischen unterschieden habe. Zuletzt lieferte auch der Fund eines 244 Millionen alten Fossils in China neue Erkenntnisse über die heutige Tierwelt.

Forscher entdecken Kontinent: Fauna auf Balkanatolia „weder europäisch, noch asiatisch“

Einige Arten habe man weder dem asiatischen, noch dem europäischen Raum zuordnen können. Zu der exotischen Fauna von Balkanatolien gehörten beispielsweise Huf- und Beuteltiere mit südamerikanischer Verwandtschaft und Embrithopoda, also große pflanzenfressende Säugetiere, die Flusspferden ähneln und früher in Afrika gefunden wurden. Dennoch habe es sich in der Region um eine homogene Fauna gehandelt. „Diese Säugetierfauna stellt eine einzigartige Mischung endemischer Arten dar“, berichten die Forschenden, „die Region muss daher eine einzige Landmasse gebildet haben, die von den benachbarten Kontinenten getrennt ist“, heißt es weiter.

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Zudem habe das Team eine fossile Lagerstätte in der heutigen Türkei entdeckt, in denen Kieferfragmente der sogenannten Brontotheriidae gefunden wurden, also von Tieren, die großen Nashörnern ähneln und am Ende des Eozäns ausgestorben seien. Ein weiterer Beweis für das Leben auf Balkanatolien und nicht zuletzt auch für die Größe des Kontinentes. All diese Informationen hätten es dem Forschungsteam ermöglicht, eine Skizze des Kontinentes zu zeichnen.

Senkung des Meeresspiegels besiegelt das Ende vom vergessenen Kontinent Balkanatolia

Das Ende des Kontinentes sei höchstwahrscheinlich auf die Bildung von Eis-Gletschern zurückzuführen, was zu einer Senkung des Meeresspiegels geführt habe. Dadurch hätten sich die Landmassen miteinander verbunden, der Kontinent sei in dem Zuge zu einer Art Durchgangskorridor für die Tier- und Pflanzenarten geworden. Damit wurde die einzigartige Fauna von Balkanatolia verdrängt. Russischen Forschern ist es sogar bereits gelungen, eine 24.000 Jahre alte Spezies wieder zum Leben zu erwecken. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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