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„Wie ein Unfallwagen“: Tesla-Kunden ziehen vor Gericht – Neuwagen sind voller Mängel

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Von: Bjarne Kommnick

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Eine Verbraucherschutz-Studie zeigt: Viele Käufer sind mit Elektroauto-Neuwagen von Tesla extrem unzufrieden. Kunden ziehen deshalb sogar vor Gericht.

Austin – Wenn es im Verbraucherschutz um Qualitätsuntersuchungen geht, schneidet Tesla laut Verbraucherschützern immer noch schlecht ab. Die beiden Verbraucherschutzorganisationen „Consumer Reports“ und „J. D. Power and Associates“ attestieren dem Elektroauto-Hersteller schwerwiegende Mängel in der Produktion. Im Ranking landet der US-Autohersteller sogar auf dem letzten Platz. Auch im privaten Bereich scheint sich das zu zeigen, nicht selten ziehen Käufer von Tesla-Neuwagen vor Gericht. Nun hat das Landgericht Darmstadt Tesla sogar schuldig gesprochen.

Autohersteller:Tesla
Hauptsitz:Austin, Texas, Vereinigte Staaten
CEO:Elon Musk
Gründung:1. Juli 2003, San Carlos, Kalifornien, Vereinigte Staaten

Tesla-Käufer klagt wegen Mängeln an neuem Elektroauto: „Wie ein Unfallwagen“ – und zieht vor Gericht

Bereits im Februar 2022 hatte das Landgericht Darmstadt entschieden, dass Tesla einen Kunden aufgrund von Qualitätsmangel entschädigen müsse, wie „lto.de“ berichtet. Der Kläger beanstandete Mängel beim autonomen Fahren des neuen Elektroautos der Klasse „Tesla Model 3“. Das Fahrverhalten des Autos gleiche dem eines „betrunkenen Fahranfängers“, so der Kläger. Probleme mit dem autonomen Fahren hatte auch ein Mann aus den USA, dessen Tesla-Fahrt auf einem Felsen vor dem Meer endete.

Ein Tesla fährt eine Straße herunter und ein Mann, der erzürnt guckt und seinen Mund weit geöffnet hat.
Der Tesla Model 3 Long Range kommt nicht selten mit schweren Mängeln aus dem Tesla-Auslieferungszentrum. (Symbolbild) © Pontus Lundahl/imago/Montage

Das Landgericht bestätigte diese Vorwürfe, insgesamt muss Tesla den Kunden nun mit etwa 67.000 Euro entschädigen. Und das ist kein Einzelfall: Ein weiterer Kläger, dessen Name aufgrund eines laufenden Gerichtsverfahrens nicht genannt werden darf, sagte gegenüber „efahrer.com“ über den Kauf seines neuen Teslas: „Das Auto sah aus wie ein Unfallwagen – und ich wurde schon mehrfach darauf angesprochen.“ Deshalb suchte auch er sich anwaltliche Hilfe und klagte gegen den Autohersteller.

Anwalt über Klage wegen Tesla-Neuwagen: „Konnte man nicht so stehen lassen“

Hilfe bekam er vom „Tesla-Anwalt“, Doktor Christoph Linder aus Rosenheim. Er habe häufig mit Klagen wegen Tesla-Neuwagen zu tun. Dabei fahre er laut eigenen Angaben sogar selbst einen Tesla, dennoch sei er darauf spezialisiert. Deshalb widmete er sich auch diesem Fall: „Unser Mandant hat daraufhin eine detaillierte Mängelliste erstellt – selten habe ich so eine lange Liste gesehen. Man ist ja von Tesla und den US-Modellen einiges gewohnt“, erklärte Lindner gegenüber „efahrer.com“, „aber das konnte man nicht so stehen lassen und hatte längst nichts mehr mit deutscher Pedanterie zu tun.“

Auch ein Gutachter habe dem Auto einen „fehlerhaften Zusammenbau“ attestiert, das Dokument liegt dem Landgericht vor. Tesla selbst habe sich nicht dazu bereit erklärt, auf die Mängel des Käufers einzugehen. Noch steht das Urteil aus.

Verbraucherschützer statuieren: 250 Fehler auf 100 Tesla-Neuwagen

Die Studien der US-Verbraucherschutzorganisationen „Consumer Reports“ und „J. D. Power and Associates“ untermauern diese Vorwürfe. Laut Auswertungen von J.D. Power würden auf 100 Teslaneuwagen insgesamt 250 Fehler in der Produktion kommen. Zum Vergleich: beim Bestplatzierten seien es 136 Fehler auf 100 Neuwagen. Unter allen Fahrzeugmarken aus den USA vergab die Organisation die niedrigste Punktzahl an Tesla. Dabei kündigt der Großkonzern immer wieder Qualitätsverbesserungen an, so will Tesla beispielsweise schon bald einen Akku mit 100 Jahren Lebensdauer produzieren.

Die häufigsten Probleme seien laut J.D. Power Lackmängel, schlechtsitzende Karosserieteile sowie Quietschen und Klappern an verschiedenen Stellen. Der Antriebsstrang und das Infotainmentsystem seien hingegen weniger von Mängeln betroffen als bei anderen US-Autoherstellern. Weniger Probleme mit dem Konzern hat ein Mann, der einen gebrauchten Tesla kaufte und nun lebenslang gratis laden kann.

Verbraucherschutzorganisation Consumer Report: Zwei Jahre in Folge bekommt Tesla schlechte Bewertung

Consumer Reports kommt zu einem ähnlichen Urteil wie J.D. Power. In den vergangenen zwei Jahren sah es für Tesla im Ranking der Organisation ebenfalls nicht gut aus. 2020 belegte Tesla den letzten Platz aller US-Autohersteller, 2021 immerhin den vorletzten. Den Verbraucherschützern von Consumer Reports würden pro Jahr mehr als 300.000 Daten und Informationen zu Neu- und Gebrauchtwagen zugespielt werden. Die Europäische Union plant derweil sogar einen Batterie-Pass für Elektroautos, um die Produktion nachhaltig zu verbessern.

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