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Wegen „Reichweite-Lüge“: E-Auto-Fahrer klagt – VW-Händler muss zahlen

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Von: Bjarne Kommnick

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Weil sein E-Auto von VW nicht die versprochene Reichweite schafft, zog ein Mann vor Gericht. Nun muss der Autohändler ihn entschädigen.

Linz – Der österreichische Fahrer eines Elektrofahrzeuges von VW, dem Hersteller, der gerade E-Auto-Wartezeiten bis 2023 ankündigte: „Ausverkauft“, ist gegen einen Volkswagen-Händler vor Gericht gezogen. Der Grund: Sein neuer E-Golf komme nicht auf die Reichweite, die ihm beim Kauf versprochen wurde. Die Richterinnen und Richter des Oberlandesgerichtes Linz in Österreich entschieden nun in zweiter Instanz, dass der Autohändler das Fahrzeug zurücknehmen und einen Großteil des Preises zurückerstatten müsse.

Stadt:Linz
Bevölkerung:203.012
Höhe:266 m
Fläche:95,98 km²

„Reichweite-Lüge“: E-Auto-Fahrer verklagt VW-Händler und bekommt Recht

Wie die „Kronen Zeitung“ berichtet, wurden dem Mann beim Kauf seines VW-E-Golfs eine Reichweite von 220 Kilometern versprochen. Tatsächlich, so der unglückliche E-Auto-Fahrer vor Gericht, mache die Batterie im schlechtesten Fall, wie beispielsweise bei Kälte, bereits nach 110 bis 120 Kilometern schlapp. Eine Erfahrung, die schon viele machen mussten: „War kurz vorm Heulen“: Kurztrip mit E-Auto wird für Familie zur Odyssee. Das geht nicht, entschied nun das Gericht. Insgesamt müsse der Autohändler 32.100 des Kaufpreises zurückerstatten. Auch in Austin zog ein Mann vor Gericht: Sein neuer Tesla sah wie ein Unfallwagen aus.

Ein Elektroauto an einer Ladestation wird aufgeladen.
Ein Linzer Gericht entschied: Weil ein E-Auto nicht die versprochene Reichweite leistet, muss der VW-Händler den Wagen zurücknehmen und den Besitzer entschädigen. © Zoonar.com / imago

E-Auto: Klage wegen „Reichweiten-Lüge“ – Händler muss nach Revision noch mehr an Kläger zahlen

Der österreichische E-Auto-Fahrer bekommt demnach rund 1000 Euro mehr als ihm im ersten Urteil zugesprochen wurden. Der Kläger hatte bereits vor dem Linzer Landesgericht Erfolg, Volkswagen legte Berufung ein. Daraufhin zog der Mann vor das Oberlandesgericht, dessen Richterinnen und Richter das Urteil bestätigen – und die Schadensansprüche sogar noch höher ansetzten. Tatsächlich hat in Rechtsstreits um Stromer auch häufig der Verbraucher das Nachsehen. Wer beispielsweise sein E-Auto falsch lädt, verliert seine Garantien.

Anwalt über Elektroauto-Reichweite: „Gebrauchstauglichkeit beeinträchtigender Mangel“

„Das Oberlandesgericht Linz stellte fest, dass, wenn man im Winter nur im Eco-Modus, teilweise ohne Heizung, weit weniger weit fahren kann als vom Verkäufer versprochen wurde, ist das ein die Gebrauchstauglichkeit beeinträchtigender Mangel. Ein redlicher Autokäufer kann einfach glauben, was ihm ein Verkäufer sagt. Er braucht nicht selbst in Prospekten und im Internet überprüfen, ob das stimmt“, zitiert die „Kronen Zeitung“ den Anwalt des Klägers, Michael Poduschka.

E-Auto hat nur 110 statt versprochener 230 Kilometer Reichweite – Käufer gewinnt Prozess

„Die österreichische Justiz hat den Reichweitenlügen der Hersteller von E-Autos einen Riegel vorgeschoben“, so der Rechtsanwalt. Im ersten Urteil hätten die Richterinnen und Richter ihr Entscheidung damit begründet, dass der Autohändler nicht darauf hingewiesen habe, dass besonders im Winter oder im hügeligen Stadtgebiet, in dem der Kläger wohne, die Reichweite deutlich reduziert sein könne. Ein Phänomen, das auch andere Hersteller betrifft: Viele E-Autos haben immer noch mit Reichweiten-Problemen kämpfen.

VW wehrt sich gegen Klage: Reichweite-Versprechen sind „Bis-zu-Angaben“

Eine unwägbares Risiko, das auch dazu führte, dass die Deutsche Post ihre E-Transporter wieder aus dem Verkehr zog. Laut „Dem Standard“ sei aus dem Umstand, dass der Verkäufer nicht darauf hinwies, eine erfolgreiche Anfechtung möglich gewesen. Der VW-Generalimporteur „Porsche Austria“ hatte nach dem ersten Urteil argumentiert, dass es sich „Bis-zu-Angaben“ bei der Reichweite handeln würde – und verwies darauf, dass auch das Fahrverhalten und die Temperatur Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Akkus nehmen.

Glücklicherweise entwickelt sich die Technik galoppierend schnell weiter: Deutsche Forscher entwickeln Wasserstoff-Hybrid-Auto mit 1.000 km Reichweite und auch Tesla revolutioniert den Batteriemarkt mit einem Akku für E-Autos mit 100 Jahren Lebensdauer.

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