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Wegen Bahnchaos: Mann fährt täglich mit Kajak zur Arbeit

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Von: Yannick Hanke

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Einem Berufspendler langt es mit vollen Zügen und Chaos bei der Bahn: Er fährt nun lieber mit dem Kajak zur Arbeit – und kommt endlich pünktlich an.

Presteigne, Radnorshire (Wales) – Volle Züge, leere Gesichter – Berufspendler kennen diese Szenerie. Ob auf dem Weg zur Arbeit oder pünktlich zum Feierabend, oftmals sind die öffentlichen Verkehrsmittel brechend voll. Da stellt Deutschland keinen Einzelfall dar, durch die Einführung des 9-Euro-Tickets, das teilweise sogar im ICE gilt, ist die Situation nicht gerade besser geworden. In Wales ist Bahnchaos auch ohne das Sparticket ebenfalls kein Fremdwort. Das ist einem Waliser längst zu nervenaufreibend geworden, steigt er lieber aufs Kajak um – und fährt mit diesem deutlich entspannter zur Arbeit.

Waliser paddelt jeden Tag mit dem Kajak zur Arbeit – ihm langt es mit Chaos bei der Bahn

Wie der „Mirror“ berichtet, kam es mal wieder zu Bahnstreiks, durch die der Bahnverkehr de facto stillstand. Berufspendler mussten auf Busse ausweichen, natürlich waren nicht ausreichend verfügbar. Der Verkehr kam weitestgehend zum Erliegen, ein pünktliches Erscheinen auf der Arbeit wurde immer mehr zum unerfüllbaren Traum.

Im kleinen Bild zeigt ein Schild die Aufschrift „This strike is about safety“. Im großen Bild paddelt ein Mann in einem Kajak über ein Gewässer.
Weil die Bahn mal wieder streikt, entschließt sich der Waliser George Bullard dazu, entspannt mit seinem Kajak zur Arbeit zu fahren. (kreiszeitung.de-Montage) © Ben Birchall/PA Wire/dpa/imago

Bahnstreik eskaliert und legt Zugverkehr lahm – 33-Jähriger weicht aufs Kajak aus

Quasi in letzter Minute waren Gespräche über eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen nicht nur im Sande verlaufen, sondern auch in Streit ausgeartet. Davon betroffen war auch George Bullard. Der 33-Jährige fand jedoch kurzerhand eine Lösung, um dem Bahnchaos aus dem Weg zu gehen und dabei auch noch einiges an Geld zu sparen. Für ihn geht es mittlerweile mit einem aufblasbaren Kajak zur Arbeit. So, als wäre es das Normalste der Welt. Denkt sich auch der Kellner, der Sprit sparen will und lieber mit dem Pferd zur Arbeit reitet.

Günstiger als Monatskarte: Aufblasbares Kajak für 86 Euro bringt Mann nun täglich zur Arbeit

74 Pfund, also circa 86 Euro, hätte der Waliser für sein Kajak ausgegeben. Durch sein aufblasbares Wasserfahrzeug müsste sich George Bullard keine Sorgen mehr um steigende Treibstoffkosten oder weitere Zugstreiks machen. Schließlich sei ihm klar, dass er immer in der Lage sein wird, durchs Paddeln auf dem Fluss zur Arbeit zu gelangen.

Es ist eine außergewöhnliche Art und Weise, um zur Arbeit zu kommen. Ich fahre beziehungsweise paddele wie jeder normale Pendler hin und zurück. Und weil das Kajak aufblasbar ist, kann ich einfach die Luft herauslassen und es in meinem Rucksack verstauen.

Der Waliser George Bullard gegenüber dem „Mirror“

„Abenteuer sind Teil meines Lebens“: Mit dem Kajak zur Arbeit statt im Stau stehen

George Bullard wird nicht müde zu betonen, dass er umgerechnet 86 Euro für sein Kajak ausgegeben hat – und damit wohl tausende Pfund pro Jahr einsparen kann – bedenkt man die explodierten Spritpreise. „Ich pendele ganz anders zur Arbeit, weil Abenteuer Teil meines Lebens sind“, lässt Kajak-Fan Bullard wissen. Ähnlich günstig unterwegs ist übrigens auch die Frau, die ihr Auto stehen lässt und lieber mit dem Pferd zur Arbeit reitet.

Mit dem Kajak zur Arbeit: „Fluss-Pendler“ braucht eine Stunde – pro Strecke

Sein „Abenteuer“ besteht darin, jeden Morgen eine halbe Stunde lang den Fluss Lugg in Wales hinunterzufahren. Auf diesem Wege erreicht George Bullard sein Büro in Presteigne, der Hauptstadt der Grafschaft Radnorshire. Er würde andere Pendler jederzeit dazu ermutigen, alternative Verkehrsmittel zu finden. Er empfiehlt das Wandern, Radfahren, Rollschuhlaufen oder auch Rollerfahren. Nur seine eigene Methode, das Kajakfahren, sei für Anfänger zu gefährlich.

„Ich bin mit dem Kajak von Grönland nach Schottland über den Nordatlantik gefahren, und als ich zurückkam, war ich noch nicht bereit, zu einem normalen 9-to-5-Job zurückkehren“, spricht George Bullard über eine seiner größeren Touren. Zwar sei das Wetter nicht immer so toll. Doch würde das „zum Leben eines Abenteurers“ dazugehören. Und grundsätzlich sei es einfach nur schön, „sich keine Gedanken darüber machen zu müssen, ob man im Stau stehen könnte“.

Bahnchaos in Großbritannien: 50.000 Arbeiter streiken – voran geht es nur mit dem Kajak

Während George Bullard also bereits sein alternatives Verkehrsmittel gefunden hat, sind Millionen von Briten nahezu täglich mit Bahn- und Reisechaos konfrontiert. Der „Mirror“ spricht von schätzungsweise 50.000 Mitgliedern der britischen Transportgewerkschaft „National Union of Rail, Maritime and Transport Workers“ (RMT), die zuletzt ihre Arbeit für drei Tage niedergelegt hätten.

Die Folge: Es fehlt das Personal, um den regulären Betrieb an und in britischen Bahnhöfen aufrechtzuerhalten. Dass Arbeitnehmer als Konsequenz nur sehr beschwerlich oder arg verspätet an ihrem Arbeitsplatz ankommen, liegt da auf der Hand. Sorgen, die George Bullard nun nicht mehr hat. Er kann auf sein Kajak zurückgreifen – für eine schlappe Einmalgebühr von 86 Euro. Ähnlich geht es wohl auch dem Bäcker, der seine Brötchen mit der Kutsche statt mit dem Auto ausliefert, da die Spritpreise schlicht zu hoch sind.

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