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Neue Wärmebatterien aus Salz können „Millionen von Häusern vom Gas nehmen“

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Von: Bjarne Kommnick

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Forscher haben eine günstige Batterie entwickelt, die Wärme abgibt. Wichtigster Bestandteil ist gewöhnliches Salz. Gasheizungen könnten damit ersetzt werden.

Eindhoven – Wissenschaftler der Technischen Universität Eindhoven ist es gelungen, eine Batterie für Wärme zu entwickeln, die eine entscheidende Antwort auf die Energiekrise liefern könnte. Das Prinzip ist einfach: Die Batterie speichert Restwärme aus der Industrie, um anschließend mit ihr Büros und Wohnungen zu beheizen, wie auch cellcius.com berichtet. Der Vorteil: Diese Technik bedarf weder seltenen, wertvollen noch gefährlichen Materialien und ist jederzeit und überall einsetzbar, wie das Forschungsteam erklärt hatte.

HochschuleTechnische Universität Eindhoven
StudentenzahlCirca 12.000
Gründung23. Juni 1956
RektorFrank Baaijens

Unendliche Energie: Forscher entwickeln einsatzfähige Wärmebatterie auf Salz-Basis

Allgemein ist diese Erfindung als thermische Batterie bekannt. Doch auch wenn ihr Prinzip kein Neues ist, sei diese Technik bislang in der Praxis kaum zum Einsatz gekommen. Die Probleme seien insbesondere gewesen, dass Salz – genauer gesagt Kaliumcarbonat – als Hauptbestandteil der Batterie oft nicht ausreichend stabil gewesen sei und somit keine lange Lebensdauer hätte. Außerdem habe es kein „erschwingliches Gerät“ für die praktische Anwendung der thermischen Batterien gegeben. Anders also als bei einem 18-Jährigen, der gerade ein mit Salzwasser-Antrieb funktionierendes Motorrad zum Nachbauen konstruiert hat


Professor Olaf Adan von der Eindhoven University of Technology hat eine Batterie erfunden, die aus erhitztem Salz Energie gewinnt.
Professor Olaf Adan von der Eindhoven University of Technology hat eine Batterie erfunden, die aus erhitztem Salz Energie gewinnt. © Evonik Industries AG

Forscher erzielen „Durchbruch“ bei thermischer Batterie

„In diesen beiden Punkten haben wir in den letzten Jahren einen Durchbruch erzielt“, erklärt der leitende Forscher und Professor an der Technischen Universität Eindhoven, Olaf Adan, gegenüber der niederländischen Zeitung „de Volkskrant“. Den Forschern sei es nun gelungen, die Salzkörner stabiler zu machen und ein Gerät zu bauen, das die gespeicherte Energie einfach ernten kann. Doch nicht nur Salz kommt für Energie infrage, erst zuletzt entwickelten Forscher aus Perth eine Superbatterie für Elektroautos, die mit Zucker betrieben wird.

Thermische Batterien: Ein Kubikmeter Salz speichert bis zu 1,3 Gigajoule Energie

Doch wie funktioniert die thermische Batterie genau? Durch das Verdampfen von Wasser aus Salz verändert sich die Kristallstruktur und nimmt Energie auf. Diese Energie kann verlustfrei transportiert werden. Sobald dem Salz dann wieder Wasser hinzugefügt wird, würde genau dieselbe Menge an Energie als Wärme wieder freigesetzt werden.

Demnach könnte ein Kubikmeter Salz 1,3 Gigajoule Energie speichern, erklärt Forscher Adan. Umgerechnet seien das 361 Kilowattstunden, das ist etwa so viel, wie sieben mittelgroßen E-Auto-Akkus speichern können. Nur anders als bei den Elektroauto-Batterien, die mit ihren Lithium-Ionen-Batterien auf seltene und giftige Rohstoffe zurückgreifen müssen, sei für die thermische Batterie gewöhnliches Salz ausreichend. Während für Elektroautos bereits das Rohstoff-Ende naht, denn insbesondere Lithium wird derzeit knapp, können thermische Batterien nahezu unbegrenzt gebaut werden.

Thermische Salz-Batterien könnten alleine in den Niederlanden Gasversorgung für drei bis sechs Millionen Haushalten ersetzen

Alleine in den Niederlanden könnten die Wärmebatterien laut Adan „Millionen von Häusern vom Gas nehmen“, genauer gesagt sei dabei die Rede von drei bis sechs Millionen Haushalten. Zum Vergleich: Die Niederlande hat insgesamt gerade einmal 18 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Eine Energiewende könnte auch hierzulande bitter nötig werden, zuletzt kündigte die Bundesnetzagentur in Deutschland erneut steigende Gaspreise an.

„Das Schöne ist, dass die Leistung der Anlage je nach Wärmebedarf regelbar ist. Wir arbeiten mit einer Temperatur von etwa 65 Grad Celsius“, sagt Adan. Das bedeutet, dass das System an eine bestehende Zentralheizung angeschlossen werden könnte. „Das bietet große Chancen für eine grünere Nutzung von Wärme in den Niederlanden“, sagt der Professor.

Salz-Wärmebatterie auch als Klimaanlage einsetzbar

Doch nicht nur das: Der Professor erklärt auch, dass der Effekt auch umgekehrt anwendbar sei. Demnach könnte die Technik nicht nur wärmen, sondern auch für Kälte genutzt werden. Im Sommer könne die Gebäudewärme genutzt werden, um dem Salz Wasser zu entziehen und somit Energie zuzuführen. Durch diesen Entzug von Wärme aus Gebäuden fungiere das System auch als Klimaanlage.

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