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Von wegen unabhängig: Russland verdient an E-Autos fast das Doppelte

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Von: Nathalie Wendt, Christian Einfeldt

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Mit Elektroautos macht man sich keineswegs unabhängig von Russland. Putins Staat verdient an E-Autos sogar mehr als durch Diesel-Hybride.

Karlsruhe – Seit der Invasion Russlands in die Ukraine schnellen Energiepreise und Co. in die Höhe. Wohl am prominentesten begegnen uns im Alltag die hohen Spritpreise. Doch nicht nur Tanken wurde in den vergangenen Wochen immer teurer – auch die Produktion der E-Autos. Nach Berichten von e-fahrer.chip.de stieg der Preis für Nickel im Zuge des Ukraine-Kriegs bereits um 250 Prozent. Für den Bau von E-Autos ist das Metall unersetzlich. Eine Knappheit bedingt, dass die E-Autos im Erwerb immer teurer werden. Aussagen eines Professors des Karlsruher Instituts für Technologie zeigen nun ein weiteres Problem auf: Mit Kauf und Fahren eines E-Autos unterstützt man den russischen Staat mehr als angenommen. Ein Diesel-Hybrid sei demnach für Russland nicht einmal ansatzweise so lukrativ.

Land:Russland
Präsident:Wladimir Wladimirowitsch Putin
Hauptstadt:Moskau
Fläche:17.100.000 km²

Forscher warnt: E-Autos sind für Russland deutlich lukrativer als Diesel-Hybride

Professor Thomas Koch, der für das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) schon seit Jahren in Sachen Verbrennungsmotoren forscht, räumt mit einem weit verbreitetem Irrtum auf: Es sei ein Irrglauben, dass man sich mit dem Erwerb eines E-Autos von Russland und seinen Rohstoffen unabhängig machen würde. Das Gegenteil sei der Fall: Russland würde an Elektromobilität sogar höhere Gewinne erzielen, als an Verbrennern.

Russland verdient an E-Autos acht Euro mehr pro 100 gefahrenen Kilometern

Professor Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie rechnet vor: Ein moderner Dieselhybrid benötigt den Import von 4,2 kg Dieselkraftstoff / 100km (5,0l / 100 km). Es müssten bei einem Preis von 1 Euro /l nur 5 Euro / 100 km an Russland überwiesen werden, im Gegensatz zu 13 Euro pro 100 km bei einem Batteriefahrzeug. E-Autos werden nicht nur zur Kostenfalle durch die erhöhten Strompreise* – sie werden laut Rechnung des Forschers nun auch zur Gewissensfrage.

Bezüglich der Umwelt ist laut Professor Thomas Koch ohnehin kein gutes Gewissen beim E-Auto-Kauf möglich. Er kritisiert allgemein: „Es verbleibt bis weit in die 2030er Jahre hinein immer im Jahresmittel ein Märchen, dass mit einem Elektroauto die Umweltbilanz, geschweige denn die Importkosten der Primärenergieträger signifikant besser gestellt werden“, sagte der Forscher gegenüber Focus Online. Belegen möchte das der Wissenschaftler unter anderem mittels folgender Rechnung: „Die CO2-Emission ist inklusive Kraftstoffproduktion beim Diesel-Hybrid ca. 150 g CO₂ / km im Vergleich mit 160 bis 280 g CO₂ / km beim E-Auto“, sagte Koch gegenüber Focus Online.

Ein ladendes Elektroauto, daneben ein Bild von Russlands Staatschef Putin
Professer Thomas Koch warnt: Putins Staat Russland verdient an Produktion und Fahren von E-Autos mehr als an Benzin und Verbrennern. (kreiszeitung.de-Montage) ©  Julian Stratenschulte/Pool Sputnik Kremlin/Mikhail Klimentyev/picture alliance/dpa/

Elektroautos: Russische Rohstoffe sind für die Produktion unersetzlich

Laut dem Online-Portal „E-Fahrer“ macht Russlands Weltmarktanteil an Nickel rund elf Prozent aus. Ein Wert, der in der Branche der Elektromobilität Sorgenfalten auslösen dürfte. Denn neben Cobalt gehört auch Nickel zu den elementaren Bestandteilen der Elektroauto-Produktion, die allmählich knapp werden. Die Konstruktion der Lithium-Ionen-Akkus läuft aber nicht ohne Nickel. Schon seit längerem ist bekannt, dass Rohstoffe für die E-Auto-Produktion nur noch wenige Jahre reichen könnten.

Laut e-fahrer.chip.de, sei es nicht nur der Ukraine-Krieg, der jetzt die Preise derart ansteigen lässt. Auch „einer massiven Beschleunigung des Ausbaus insbesondere im Bereich der Elektrofahrzeuge“ müsse man zufolge Dr. Dirk Uwe Sauer, Professor der Elektrochemische Energiewandlung und Speichersystemtechnik an der Universität RWTH Aachen, berücksichtigen. Die Nachfrage sei derart hoch, dass sie wohl nur kaum zu befriedigen sei. Die Kosten für die Produktion wird letztendlich „wohl eher steigen als sinken“, wird Dr. Sauer auf e-fahrer.chip.de zitiert.

Russische Rohstoffe im Strom für Produktion und Antrieb von E-Autos

Auch Thomas Koch bezieht sich in seinen Ausführungen auf die bedeutende Rolle russischer Rohstoffe, die Einfluss auf die Stromerzeugung und E-Auto-Produktion nehmen. Laut einer Statistik der AGEB (Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen) wurde im Jahr 2021 Strom, im Verhältnis zu 2020 gesetzt, wieder vermehrt aus der emissionsreichen Kohleenergie gewonnen. Dem steht gegenüber, dass der Strom in Deutschland 2021 laut der von Online-Portal gas.info zitierten Studie zu rund 42 Prozent auf Erneuerbare Energien zurückzuführen sei. Doch mit 15,2 Prozent hat auch Erdgas einen nicht unerheblichen Anteil an der Stromerzeugung – Erdgas, das aktuell zum größte Teil aus Russland kommt.

Deutschland kann keine baldige Unabhängigkeit von russischem Gas erzielen

Der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Robert Habeck (Grüne), stellte die Energiepläne bereits in Aussicht: Man wolle sich von Russland unabhängig machen. Im Idealfall mit den Wind- und Solarenergien Deutschlands. Stand jetzt kann sich Deutschland jedoch noch nicht aus der Abhängigkeit Russlands lösen. Es könnten noch viele Jahre ins Land gehen, ehe sich das flächendeckend ändert. Mit anderen Worten: Stoppt der Import von russischem Gas, wird es eng.

Forscher fordert: Sparsamer Diesel statt E-Auto – nur so profitiert Russland möglichst gering

Viele Menschen setzen dennoch aktuell große Hoffnung in den Ausbau der E-Auto-Produktion – und dem möglichst großen Umstieg auf Elektromobilität. Der Preis-Schock, der Strom für E-Autos bis zu 80 Prozent teurer macht, scheint im Vergleich zu hohen Spritkosten, die die Spritpreis-Bremse, beziehungsweise der Tankrabatt, nur bedingt abfedern kann, erträglich.

Professor Thomas Koch ist entschieden dagegen, seine Forderung ist deutlich: Produktion und Fahren von sparsamer Diesel-Fahrzeugen. Damit würde man sich nach Ansicht des Forschers weitaus autarker von Russland machen, als wenn man auf Elektromobilität setzen würde. *kreiszeitung.de und 24.auto.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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