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Vater will Kindern Internet sperren – und schaltet ganze Gemeinde offline

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Von: Bjarne Kommnick

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Ein Vater will nicht, dass seine Kinder abends zu lange am Handy sind und schaltet ihnen das Internet ab. Dummerweise ist daraufhin die ganze Gemeinde offline.

Messanges – Haben Sie kein Netz? Nicht immer ist dafür auch der Anbieter verantwortlich. In der französischen Gemeinde Messanges ist es zu einer kuriosen Internetstörung gekommen. Eigentlich wollte ein Vater mithilfe eines Störsender „nur“ das Mobilfunknetz seiner Kinder abschalten. Doch stattdessen geht eine ganze Gemeinde offline. Dabei handele es sich jedoch nicht um einen einmaligen Vorfall, wie die ANFR (L‘Agence nationale des fréquences also die Nationale Frequenzagentur Frankreichs) berichtet. Gleich mehrere Wochen soll er das Internet immer im gleichen Zeitraum von 0 bis 3 Uhr morgens in ganz Messanges unbewusst abgeschaltet haben.

GemeindeMessanges
Fläche34 km²
Bevölkerung961
RegionNouvelle-Aquitaine

Vater will Kindern das Internet abschalten – und schickt ganze Gemeinde offline

Zunächst habe die ANFR eine„ klassische“ Internetstörungs-Meldungen erhalten, mit den Tagen habe sich Anzahl immer weiter angehäuft, heißt es auf der Internetseite. Diese Störungen betrafen demnach alle Telefon- und Internetdienste in allen Mobilfunkfrequenzbändern der Gemeinde Messanges. Zunächst habe die ANFR die Ursache laut eigenen Angaben vergeblich gesucht: „Aber ein Detail faszinierte unsere Ermittler: Die Störung trat nie vor Mitternacht auf und hörte meistens gegen 3 Uhr morgens auf, ausnahmslos jeden Tag der Woche!“, erklärte die ANFR. Kein Netz gab es zeitweise auch bei Vodafone in Achim bei mindestens 4000 Haushalten, jedoch wurde dieses Problem deutlich schneller erkannt und behoben als in der 961-Einwohner-Gemeinde Messanges.

Eine verzweifelte Frau vor dem Laptop mit ausgefallenem Internet und ein Router mit Lankabeln
Hohe Strafe für einen Vater: sein illegaler Störsender für das Internet der Kinder legt eine komplette Stadt in Frankreich lahm. (kreiszeitung.de-Montage) © Andrey Popov/imago

Zunächst hätten die Ermittlerinnen und Ermittler deshalb den Fehler intern gesucht. „Was könnte zu Zeiten, in denen die ganze Stadt schläft, eine solche Unruhe auslösen?“, fragte sich auch die ANFR zunächst. Der einzige Weg das herauszufinden: Die Störung direkt vor Ort und in der Nacht zu untersuchen. Dafür seien Mitarbeiter der Agentur in einem Laborfahrzeug – ausgerüstet mit einem sogenannten Spektrumanalysator – nach Messanges an die Atlantik-Küste gefahren und sammelten die nötigen Daten.

Kein Internet in einer ganzen Gemeinde: Vater droht hohe Strafe

Schnell seien alle Zweifel beseitigt gewesen, erklärt ein Mitarbeiter: „Plötzlich nahm der Graph eine charakteristische Form an. Die Interpretation der Messergebnisse ließ kaum Zweifel zu“. Diagnose: Störsender. „Es war die Unterschrift eines Wellenstörers, einer Ausrüstung, deren Besitz und Gebrauch in Frankreich verboten sind“, so die ANFR. Nur wenig später gelang es der Agentur zudem, den verantwortlichen Störsender ausfindig zu machen – nämlich in der Wohnung des Vaters.

Der Störsender hätte sich im Verlaufe der Ermittlungen sogar als Mulitband-Störsender entpuppt, der sowohl Mobilfunk als auch WLAN neutralisieren könne. Als die Polizei den Mann mit dem Vorwurf konfrontiert hatte, habe der alles direkt zugegeben. Vor Gericht könnte ihm das zu mindestens das zugutekommen, denn dem Vater droht nun eine hohe Strafe. Bis zu 30.000 Euro und eine sechsmonatige Haftstrafe könnten im schlimmsten Fall geltend gemacht werden. Im italienischen Bergamo hatte ein Gericht zuletzt eine Mutter verurteilt, die ihr Kind vegan ernährt haben soll* – ihr „Strafe“ besteht aber lediglich darin, nun dreimal pro Woche Fleisch zu kochen.

Vater will Mobilfunk abschalten – seine Kinder seien seit Corona Internet-abhängig

Der Vater erklärte, dass seine Kinder besonders während der Corona-Pandemie Internet-abhängig geworden seien und er deshalb zu mindestens vor dem Schlafen gehen etwas dagegen tun wollte. Doch leider ging sein Plan nach hinten los. Dennoch zeigte der Vater sich äußert kooperativ, was wohl eine Höchststrafe unwahrscheinlich werden lasse. Sofort übergab er der Polizei das Störgerät. Und auch eine Interventionsgebühr von 450 Euro an dir ANFR entrichtete er ebenfalls unmittelbar, nachdem er aufgeflogen war. Zudem beteuert er, nicht gewusst zu haben, dass er die gesamte Gemeinde damit offline stelle. Das Gerät habe er zuvor im Internet gekauft. Auf eine besondere Erziehungsmethode setzt auch eine Mutter aus England, die Miete von ihrer Tochter verlangt*. Ebenfalls Stiff für Debatten: Eine Mutter verwandelt das Zimmer ihrer Tochter in ein „Mini-Gefängnis“, weil sie nicht aufräumt.

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Ein Störsender ist ein Funksender, der entwickelt wurde, um Funkkommunikationssignale oder -dienste zu stören, zu unterbrechen oder zu blockieren. Im Allgemeinen wirkt es, indem es auf dem Zielfrequenzband stärkere Signale als die Nutzsignale aussendet. Die Nutzsignale werden dann von den Empfängern nicht mehr erkannt. „Das Angebot an Störsendern ist oft größer als man denkt oder der Verkäufer vermuten lässt“, so die ANFR. Die Verwendung eines Störsenders stellt eine vorsätzliche und anstößige Störung des Funkspektrums dar. Erst vergangenes Jahr endzürnte sich ein Bassumer Unternehmer über den Netzempfang von Vodafone, doch seit 2022 sorgt Glasfaser an 19 Standorten im Landkreis Diepholz für schnelles Internet. Zumindest so lange, bis auch dort jemand mit einem Störsender durch die Gegend fuchtelt. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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