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Unzertrennlich: Hai und Taucher werden beste Freunde – und „kuscheln“ täglich miteinander

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Von: Yannick Hanke

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Liebe auf den ersten Blubb: Seit der 1,80 Meter große Hai Tauchlehrer Rick Anderson kennenlernte, kommt das Tier täglich zum Kuscheln vorbei.

Nobbys Beach, New South Wales/Australien – Die Verbindung zwischen Mensch und Tier erstaunt immer wieder. Mal rührt sie zu Tränen, wie als ein Hund einem kleinen Jungen das Leben rettete, der sich an Bahngleisen verwirrt hatte, mal zaubert sie ein Lächeln aufs Gesicht: Schwangere Hündin gerettet – Feuerwehrstation zieht ihre acht Welpen auf. Und nicht selten ist sie etwas ganz Besonderes. Davon kann auch Tauchlehrer Rick Anderson ein Lied singen. Denn seine beste Freundin ist ein 1,80 Meter großer Port Jackson-Hai. Damit Anderson sie besuchen kann, muss er sich eine Sauerstoffflasche umschnallen, einen Atemregler in den Mund stecken und ins Meer tauchen. Doch ihm ist kein Weg zu weit.

Unzertrennlich: Hai kommt seit 7 Jahren täglich zum Kuscheln bei Taucher vorbei

Vor der Küste von Nobbys Beach im australischen New South Wales steigt Rick Anderson ins Wasser herab, um seine tierische Freundin zu besuchen. Einen Namen hat sie zwar nicht, aber an ihrer Zeichnung würde er sie immer wieder erkennen. Umgekehrt gilt das Gleiche, den menschlichen Besuch erkennt der Port Jackson-Hai nur zu gut.

Der Tauchlehrer Rick Anderson posiert mit seiner „Freundin“, einem kleinen Port Jackson-Hai, für die Kamera.
Tauchlehrer Rick Anderson aus Australien und ein 1,80 Meter großer Port Jackson-Hai sind beste Freunde. © Rick Anderson

Beste Freunde unter Wasser: Taucher gibt Port Jackson-Hai regelmäßig Streicheleinheiten

„Ich habe vor etwa sieben Jahren angefangen, mit ihr zu spielen, als sie noch ein Baby war und nur etwa 15 Zentimeter lang war“, hieß es schon 2017 von Rick Anderson gegenüber „The Dodo“. Seit 12 Jahren währt also die innige Freundschaft bereits. Er habe sich dem weiblichen Port Jackson-Hai damals vorsichtig genähert, um sie nicht zu erschrecken. Dann hätte Anderson aber auch schon begonnen, sie sanft zu streicheln. Beim ältesten Hai der Welt, der auf fast 400 Lenze kommt, hätte er sich das wohl nicht getraut.

Tauchlehrer Rick Anderson freundet sich mit Port Jackson-Hai an – Kuscheln ausdrücklich erlaubt

„Sobald sie sich an mich gewöhnt hatte, habe ich sie in meiner Hand gewiegt und beruhigend mit ihr durch meinen Regler gesprochen“, erzählt Anderson. Das hätte er in der ersten Saison, in der sie da war, permanent gemacht.

In der folgenden Saison erkannte sie mich dann und schwamm zu mir, um sich streicheln und kuscheln zu lassen.

Tauchlehrer Rick Anderson gegenüber „The Dodo“

Schon bald sollte sich der Port Jackson-Hai an den Taucher gewöhnt haben. Und zwar sogar soweit, dass sie „zu mir hoch schwimmt, wenn ich vorbei tauche, und mir auf die Beine tippt, bis ich meine Arme ausstrecke, damit sie sich zum Kuscheln darauf legen kann“. Kuscheln lässt es sich hingegen mit dem 300 Kilogramm schweren Urzeit-Fisch, den ein Angler fast gefangen hätte, wohl eher weniger.

„Ich behandle sie im Grunde wie einen Hund“: Taucher Rick Anderson über seine Hai-Begegnungen

Selbstverständlich ist solch eine enge Verbindung zu einem Hai natürlich nicht und gewöhnlich mit Sicherheit auch nicht. Deswegen seien die meisten Taucher, die dem „Zusammenspiel“ von Anderson und dem Meerestier zum ersten Mal beiwohnen, auch sichtlich irritiert und überrascht. Verblüfft war sicher auch der große, weiße Hai, der von einem Megalodon verschlungen worden sein soll.

Der weibliche Port Jackson-Hai und Tauchlehrer Rick Anderson umarmen sich und schauen unter Wasser in Richtung Kamera.
Schön brav lächeln für die Kamera: Der weibliche Port Jackson-Hai und Tauchlehrer Rick Anderson sind ein Herz und eine Seele. © Rick Anderson

„Ich füttere weder sie noch einen der anderen Haie, mit denen ich spiele – ich behandle sie im Grunde wie einen Hund“, geht Rick Anderson auf seinen Umgang mit dem Hai ein. Dazu muss man wissen, dass Port Jackson-Haie zwar deutlich kleiner als Weiße Haie sind, im Grunde aber jede Haiart dazu neigt, Panik auszulösen. Denn fälschlicherweise werden die Tiere häufig als Gefahr für den Menschen dargestellt. Umgekehrt aber sind Menschen für Haie extrem gefährlich, etwa 100 Millionen der Meeresbewohner werden nach Angaben des WWF jährlich durch den Menschen getötet.

Tauchlehrer will Menschen die Angst vor Haien nehmen

Für Rick Anderson, der seine Tauchschule seit mehr als 30 Jahren betreibt, ist das schwer zu verstehen. Er hofft, dass seine veröffentlichten Geschichten und Bilder der innigen Freundschaft mit dem weiblichen Port Jackson-Hai dazu beitragen, vielen Menschen die Angst vor Haien zu nehmen. Berichte über den Megalodon, der das Boot einer australischen Familie attackiert haben soll, bewirken da natürlich Gegenteiliges.

Das größte Missverständnis über Haie ist, dass sie alle hirnlose Killer sind, die darauf lauern, dass Menschen ins Wasser gehen, damit sie verschlungen werden können.

Tauchlehrer Rick Anderson im Gespräch mit „The Dodo“

Anderson taucht auch mit anderen Haiarten, darunter Banjo-Haie, Graue Ammenhaie, Tiger-, Bullen- und Hammerhaie. Selbst der ein oder andere Weiße Hai war schon dabei. Beim Schwimmen mit diesen Tieren hätte sich der Tauchlehrer aber immer wohlgefühlt. Die bewegenden Unterwasser-Bilder der Kuscheleinheiten mit seiner Freundin sprechen auf jeden Fall Bände.

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