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Umfrage ergibt: Veganer verhalten sich im Internet zu aggressiv

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Von: Yannick Hanke

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Sind Veganer und Vegetarier auf Social Media übermäßig aggressiv? Das drückt zumindest das Stimmungsbild einer Umfrage aus. Die Werte im Detail.

Hamburg – An Veganismus scheiden sich die Geister. Die einen zeigen sich offen für eine Ernährung frei von tierischen Produkten. Die anderen können nur mit Unverständnis reagieren und pochen auf ihre Rostbratwurst vom Schwein, vor allem im Stadion. Eine Position dazwischen gibt es auch immer wieder, sozusagen das Beste aus beiden Welten. So harmonisch geht es aber nicht immer zu. Vor allem nicht, wenn auf das vermeintliche Verhalten von Veganern auf Social-Media-Plattformen geschaut wird.

Marktforschungsinstitut in Hamburg:APPINIO GmbH
Adresse:Große Theaterstraße 31, 20354 Hamburg
Telefon:040 41349710
Termine:appinio.com

Veganer auf Social Media sind zu aggressiv – findet die Mehrheit in einer Umfrage

Denn im Rahmen einer Umfrage vom Marktforschungsinstitut Appinio haben fast 60 Prozent der Befragten angegeben, sowohl die vegane als auch die vegetarische Bewegung auf Social Media als aggressiv wahrzunehmen. Demgegenüber stehen in etwa genauso viele Personen, die das Gefühl haben, sich für ihren Konsum von tierischen Produkten rechtfertigen zu müssen.

Eine Frau schaut mit aufgerissenem Mund und aufgerissenen Augen in die Kamera und hält Brokkoli in der Hand. Im Hintergrund ist das Logo von Facebook zu sehen.
Sind Veganer auf Social-Media-Plattformen wie Facebook übermäßig aggressiv? Die Mehrheit einer Umfrage hat das zumindest angegeben. (24hamburg.de-Montage) © Dominic Lipinski/dpa/imago

Für viele Nutzer, beispielsweise auf Facebook, hat das ganz konkrete Folgen, die in der von Appinio durchgeführten Umfrage zur Sprache kommen. So geben rund ein Drittel der Befragten an, sich daran gehindert zu fühlen, Beiträge über tierische Lebensmittel zu kommentieren. Die Erwartung und vor allem Angst, von Veganern auf digitalem Wege angegriffen zu werden, sei schlichtweg zu groß. Andere Motive verfolgt der Spitzenkoch, der Veganer als „Schnösel und Bobos“ abtut – und sie nicht in seinem Restaurant haben will.

Fronten zwischen Veganern und Fleischessern verhärtet? Negativer Tonfall in der Kritik

Zudem sind es fast 30 Prozent, die sich aus denselben Gründen nicht trauen würden, entsprechende Beiträge zu liken. Herrscht auf Social Media also wirklich eine solch große Kluft zwischen Vegetariern respektive Veganern auf der einen und Fleischessern auf der anderen Seite? Schenkt man den reinen Zahlen Glauben, dann sind die Fronten wohl tatsächlich verhärtet.

Sollten Veganer Beiträge zu Ernährungsthemen kommentieren, dann würde gut jeder zweite der Befragten (53 Prozent) den Tonfall als „eher negativ“ oder sogar „sehr negativ“ wahrnehmen. Dasselbe sagen aber auch 47,7 Prozent über den Tonfall von Fleischessern. Giftpfeile, wenn man so will, werden also in beide Richtungen abgeschossen. Heiß her geht es aber auch zwischen der Grundschule, die nur noch vegetarisches Essen anbietet, und den aufgebrachten Eltern.

Anerkennung für vegane Ernährung – und den Beitrag von Veganern für die Gesellschaft

Der Diskurs verläuft aber nicht ausschließlich negativ. Denn Veganer bekommen für ihre Entscheidung, einen Lebensstil frei von tierischen Lebensmitteln zu führen, auch Respekt und Anerkennung entgegengebracht. Mehr als die Hälfte der Frauen, nämlich 52 Prozent, und zumindest 39 Prozent der Männer erkennen die Entscheidung, sich vegan zu ernähren, an. Dazu gehören wohl nicht die KFC-Kunden, die das Vegan-Chicken-Angebot der Fast-Food-Kette als „erbärmlich“ bezeichnen.

Im Rahmen der Umfrage ging es aber auch um die Frage, ob Menschen mit veganer Ernährung einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Dem können zumindest 38 Prozent der weiblichen Befragten zustimmen. Anders verhält es sich bei den Männern. Hier sind nur gut ein Viertel (26 Prozent) der Meinung, dass Veganer einen gesellschaftlich wichtigen Beitrag leisten.

Facebook-Diskussion über Umfrage zu Veganern auf Social Media mit gespaltenem Ergebnis

Auf Facebook, also einer Social-Media-Plattform, die hier im Fokus steht, wird auf die entsprechende Umfrage ganz unterschiedlich reagiert. Manch ein Nutzer reagiert direkt mit Humor: „Die Mehrheit der Tiere nimmt Fleischesser als aggressiv und gewalttätig wahr“, heißt es beispielsweise von einer Person, die sich wohl vom Fleischkonsum losgesagt hat.

Oder aber: „Da wäre mir ja beinahe vor Schreck mein Frühstücksmettbrötchen mit Petersilie, Schnittlauch und viel Zwiebel aus der Hand gefallen.“ Doch nicht alle nehmen das Thema mit Humor, ein User ist der Meinung: „Genau wie die Kirche, versuchen Veganer ihren Glauben anderen Menschen aufzuzwingen. Lasst die Menschen einfach in Ruhe, wenn jemand was wissen will, wird diese Person schon nachfragen.“

Umfrage ruft auch zustimmende Kommentare hervor: „Kann ich bestätigen, zumeist“

Es finden sich auch Kommentare, die das Stimmungsbild aus der Umfrage offenbar unterstreichen: „Kann ich bestätigen, zumeist“, schreibt eine Userin und fährt fort: „Es gibt auch ganz, ganz, ganz wenige Ausnahmen, aber generell wird man quasi förmlich attackiert, bevormundet und beleidigt, wenn man Fleisch isst.“ Ein weiterer Nutzer findet: „Das mit der Akzeptanz müssen die Veganer noch lernen.“

Ein Facebook-Nutzer steht zwischen den Stühlen und kann für beide Seiten Partei ergreifen: „Wenn ein Veganer sagt, dass Stopfleber oder Gänse aus Massentierhaltung zu Weihnachten nicht sein muss, dann gebe ich ihm recht. Wenn man aber angegriffen wird bei einem Kauf von frei laufenden Gänsen aus regionaler Landwirtschaft, dann geht es eher um eine Weltanschauung.“ Und damit ist bereits recht viel gesagt.

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