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„Überlastet“: Ganze Abteilung kündigt und geht zur Konkurrenz

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Von: Bjarne Kommnick

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Ein Mann berichtet von seinen miserablen Arbeitsbedingungen. Deshalb kündigen er und seine Kollegen. Der Schaden für die Firma: 100 Millionen Dollar.

San Francisco – Auch bei äußerst schlechten Arbeitsbedingungen fällt es vielen Menschen schwer, die Reißleine zu ziehen und ihren Job zu kündigen. Verständlich, immerhin kann unter Umständen damit die ganze Lebensexistenz einer Person zusammenbrechen. Davon ist auch der Arbeitgeber einer großen US-Firma ausgegangen. Doch diese Rechnung hat er nicht mit einem seiner Angestellten gemacht: Wie dieser auf Reddit.com berichtet, hat er gekündigt – und gleichzeitig seine ganze Abteilung davon überzeugt, das Gleiche zu tun. Auch in Kalifornien kündigte ein gesamtes Team, weil eine Kollegin gefeuert wurde: „Wir sind wie eine Familie“, begründeten sie die Aktion. Unternehmen unterschätzen offenbar immer wieder den Zusammenhalt ihrer Mitarbeiter. Mit teuren Folgen – dem Ex-Arbeitgeber des Reddit-Users entstand ein Schaden in großer Millionenhöhe.

Websitereddit Inc.
HauptsitzSan Francisco, Kalifornien, Vereinigte Staaten
Gründung23. Juni 2005, Medford, Massachusetts, Vereinigte Staaten
CEOSteve Huffman 

Ganzes Team kündigt: 80 Stunden Arbeit pro Woche und mieses Gehalt

Auf Reddit verfasst der Mann einen Beitrag, in dem er sein Leiden beschreibt. Er habe für eine äußerst große Immobilien-Investment-Firma aus den USA gearbeitet, die er namentlich jedoch nicht nennt. Der Mann habe in einer Abteilung für Übernahme und Fusionsgeschäfte gearbeitet, die ohnehin das „schwarze Schaf“ der Firma sein soll und als äußerst unbeliebter Arbeitsplatz gelten würde. Auch bei einem bekannten Fastfood-Riesen waren die Arbeitsbedingungen so schlecht, dass ein ganzes McDonalds-Team noch während der Schicht gekündigt hat und abgehauen ist.

Niedergeschlagener Geschäftsmann am Arbeitsplatz.
Ein Mann hat auf Reddit von seinen katastrophalen Arbeitsbedingungen und seiner anschließenden Kündigung berichtet. (Symbolbild) © Antonio Guillem / imago

Das Arbeitsklima in der Abteilung des Reddit-Users sei wegen der dortigen Führungskräfte ebenfalls miserabel gewesen. Auf der anderen Seite hätten die Angestellten dennoch pro Person rund 80 Stunden die Woche gearbeitet, was einer doppelten Vollzeitjobstelle entsprechen würde – bei einem Gehalt von rund 52.000 US-Dollar im Jahr.

Büro-Team kündigt geschlossen: Durch unbezahlte Überstunden verdienten sie gerade so Mindestlohn

Zwar scheint ein Monatsgehalt von 4.300 US-Dollar alles andere als gering zu sein und sogar der Stundenlohn bei 80 Stunden die Woche von umgerechnet rund 13 Euro würde gerade noch dem Mindestlohn in Deutschland entsprechen. Anders als in einem Laden in Maine, dort hat schmiss ein ganzes Supermarkt-Team hin, „das Gehalt reicht nicht zum Überleben“ lautete die eindeutige Begründung. Jedoch hätten die Angestellten der Immobilien-Firma keine Chance gehabt, weniger Stunden zu arbeiten und immerhin gehen Experten davon aus, dass bereits über 40 Stunden Arbeit die Woche gesundheitsschädlich seien.

Lange hätten die Angestellten diesen Zustand auf sich sitzen lassen, wohl auch in der Hoffnung, dass neue Gehaltsforderungen berücksichtigt werden würden. Bei einer jährlichen Konferenz sollten die rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma dann die Chance bekommen, anonym Fragen an die Geschäftsleitung zu stellen. Auch der Reddit-User habe demnach eine Frage eingeworfen, er wollte wissen: Wie stellte sich der Arbeitgeber vor „Talente zu halten und gleichzeitig schlecht zu bezahlen und Mitarbeiter zu überlasten“?

„Letzter Nagel im Sarg“: Mitarbeiter kündigt nach respektloser Aussage vom Chef

Als der CEO auf einer Konferenz mit dieser Frage konfrontiert wurde, antwortete er darauf nur ironisch: „Der CEO entschied, dass diese Frage urkomisch war, las sie lachend vor und antwortete: ‚Wenn Sie diesen Job finden, nehmen Sie ihn besser an, auf Wiedersehen!“

„Nachdem ich die letzten 1,5 Jahre ziemlich schrecklich behandelt wurde, entschied ich, dass dies der letzte Nagel im Sarg war“, erklärt der Mann. Also habe er sich mit einem Kollegen ausgetauscht, der erst kurz davor gekündigt hätte. Er habe mit ihm über dessen neuen Arbeitgeber gesprochen und dabei wurde ihm erklärt, dass dieser noch auf der Suche nach neuem Personal sei und deutlich mehr zahlen würde. Doch nicht immer liegen die Gründe für eine Kündigung im Finanziellen begründet: Im Sommer kündigte ein gesamtes Supermarkt-Team, weil es im Laden zu heiß war: „Unerträglich“ soll es gewesen sein.

Mann findet direkt nach Kündigung neuen Arbeitsplatz – und seine gesamte Abteilung folgt ihm

Daraus hätte sich ergeben, dass er sich dazu entschlossen habe, den Job endgültig zu kündigen, den Arbeitgeber zu wechseln und seine Kollegen davon zu überzeugen, ihm zu folgen. Mit der Gewissheit, dass alle den Arbeitgeber ohne Probleme wechseln könnten, habe letztendlich die gesamte Abteilung bei ihrem alten Arbeitgeber gekündigt.

Unternehmen vergrault eine gesamte Abteilung – und verliert nun 100 Millionen Dollar

Und das offensichtlich mit Erfolg. Nicht nur die Arbeitsbedingungen und Zeiten hätten sich beim neuen Arbeitgeber deutlich verbessert, zudem würden alle Mitarbeiter, die gemeinsam gekündigt haben, nun mehr als das doppelte verdienen. „Das alte Unternehmen bemüht sich jetzt, unsere geplanten Deals im Wert von über 100 Millionen Dollar zu ersetzen, die durch unseren Abschied zum Erliegen kommen werden“, berichtet der „Hinschmeißer“ auf Reddit.

„Ist verrückt“: Mitarbeiter bekommmen bei Konkurrenten „30-40-prozentige Gehaltserhöhung“

In den Kommentaren bestätigt eine ebenfalls anonyme Mitarbeiterin des Unternehmens die Vorwürfe: „Wie oft ich persönlich Geschichten gehört habe, in denen ein aktueller Mitarbeiter um eine Gehaltserhöhung von 10 bis 20 Prozent bittet und abgelehnt wird, ist verrückt“, erklärt sie. „Fast jeder von ihnen geht zu einem Konkurrenten und bekommt eine 30-40-prozentige Gehaltserhöhung“. Sie fragt sich: „Was sind ein paar zehntausende Dollar gegenüber 100 Millionen?“

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