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Tschüss, E-Auto? Verkaufszahlen von Wasserstoff-Autos steigen deutlich

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Von: Yannick Hanke

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E-Autos gelten als Fortbewegungsmittel der Zukunft. Doch auch Fahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb sind beliebt. Großes Wachstum beim weltweiten Absatz.

Berlin – Durch den Ukraine-Krieg sind die Kraftstoffpreise in ungeahnte Höhen geschossen. Wenn ein Liter Diesel oder Benzin weit über zwei Euro kostet, wird sich jede Strecke zuvor gründlich überlegt. So manch einer fragt sich: Muss ich tatsächlich mit dem Auto einkaufen fahren – oder kann ich nicht lieber auf mein Fahrrad zurückgreifen? Wer nicht auf den Komfort eines Pkw verzichten möchte, kann aber auch Alternativen nutzen. E-Autos gewinnen immer mehr an Beliebtheit, Fahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb holen indes aber auch stark auf.

Weltweiter Absatz von Wasserstoff-Autos steigt – sind E-Autos bald Geschichte?

Wie „insideevs.de“ unter Berufung auf JATO Dynamics, einen globalen Anbieter von „Automotive Business Intelligence“, berichtet, waren die Verkaufszahlen 2021 zwar noch bescheiden. Dafür könne sich aber das Wachstum von Wasserstoff-Autos beim weltweiten Absatz mehr als sehen lassen. Nach Daten von JATO Dynamics wurden 2021 immerhin 15.500 wasserstoffbetriebene Autos auf dem globalen Markt verkauft.

Zu sehen ist ein Hyundai Nexo, ein Brennstoffzellen-Fahrzeug, im Berliner Straßenverkehr.
In Berlin wird mitunter schon auf Fahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb gesetzt. Der Hyundai Nexo, ein Brennstoffzellen-Fahrzeug, gilt als Marktführer. © Jochen Eckel/imago

Gemeint sind hiermit sogenannte Brennstoffzellen-Fahrzeuge (FCEVs), bei denen elektrische Energie aus den Energieträgern Wasserstoff, niedermolekularen Alkoholen oder Ammoniak durch eine Brennstoffzelle erzeugt wird. Diese elektrische Energie wird durch den Elektroantrieb entweder direkt in Bewegung umgewandelt oder aber zeitweise in einer Antriebsbatterie zwischengespeichert.

Nachfrage für Wasserstoff-Autos steigt – doch Verkaufszahlen haben viel Luft nach oben

Die Anzahl der verkauften Autos mit Wasserstoff-Antrieb muss jedoch auch in Relation zu den Absatzzahlen bei anderen Antrieben betrachtet werden – und da haben die mit Wasserstoff betriebenen Autos noch deutlich das Nachsehen. Doch würden die Zahlen stetig steigen. Im Gegensatz zu 2020 hätte die Nachfrage um 84 Prozent zugelegt. Damals, im ersten Jahr der Corona-Pandemie, fanden „nur“ 8400 Wasserstoff-Modelle einen Abnehmer.

Mit Blick auf 2019, also dem letzten Jahr vor der Pandemie, wäre die Nachfrage für Wasserstoff-Autos sogar um 103 Prozent gestiegen. Macht sich das auch auf den Straßen bemerkbar? Bislang noch nicht. Denn hier sind Wasserstoff-Autos noch eher selten zu sehen. Wie es von JATO Dynamics heißt, wurden seit 2011 auf den globalen Märkten erst rund 41.700 Modelle abgesetzt. Luft nach oben ist also noch deutlich gegeben.

Hyundai Nexo und Toyota Mirai bisher die beliebtesten Wasserstoff-Autos

Zur Einordnung: 41.700 Autos würde Volkswagen (VW) allein in China in nur vier Tagen verkaufen. Woran hapert es bislang aber, dass sich Wasserstoff-Autos noch keiner größeren Käuferschaft erfreuen können? Als Hauptgründe gelten vor allem die hohen Preise sowie eine fehlende Infrastruktur. Hinzu kommt eine bisher kleine Auswahl an unterschiedlichen Fahrzeugmodellen.

Das lässt sich auch an Zahlen festmachen. 2021 seien 98 Prozent des Absatzvolumens von Wasserstoff-Autos auf lediglich zwei Modelle zurückzuführen gewesen: den Hyundai Nexo und den Toyota Mirai. Die restlichen zwei Prozent würden sich auf die letzten Exemplare des Honda Clarity und einige wenige Testfahrzeuge von Marken wie Renault, BMW, Peugeot und Maxus verteilen.

Auch BMW und VW: Autohersteller setzen verstärkt auf wasserstoffbetriebene Fahrzeuge

Doch trotz der bislang kleinen Stückzahlen schmieden die Hersteller hinsichtlich Wasserstoff große Pläne – um den E-Autos den Kampf anzusagen. Beispielsweise wurde erst 2021 die zweite Generation des Toyota Mirai eingeführt. Nun entwickeln auch renommierte Autohersteller wie BMW oder der Volkswagen-Konzern wasserstoffbetriebene Fahrzeuge.

BMW hat seine Pläne bereits forciert. 2022 sollen insgesamt 100 Wasserstoff-Fahrzeuge auf Basis des X5 gebaut werden. Indes hat Kia für 2028 ein Wasserstoff-Fahrzeug angekündigt. Auch der VW-Konzern bleibt nicht untätig und gibt die gesamte Wasserstoff-Forschung in die Hände seine Premiummarke Audi. Hier sollen mehr als 100 Mitarbeiter daran arbeiten. Auf die Wasserstoff-Technologie für Trucks setzen wiederum Daimler und Volvo.

Südkorea ist der größte Markt für Wasserstoff-Autos – Hyundai Nexo steht an der Spitze

Den größten Markt für Wasserstoff-Autos stellt bisher aber Südkorea – noch vor großen Staaten wie den USA oder China. So war es zumindest 2021. Südkorea hält einen Anteil von 55 Prozent am weltweiten Absatz von mit Wasserstoff betriebenen Autos. Dies resultiert vor allem aus der marktbeherrschenden Stellung von Hyundai und der bereits gut ausgebauten Infrastruktur in Korea.

2020 wurden rund 5800 Brennstoffzellen-Autos in Südkorea verkauft, 2021 waren es bereits mehr als 8500 Stück. Dabei wurde jedoch lediglich ein Modell verkauft: der Hyundai Nexo. Das fünfsitzige Wasserstoff-Brennstoffzellen-Fahrzeug wird seit 2018 in Südkorea produziert und erfreut sich vor allem auf dem Heimatmarkt großer Beliebtheit. Laut JATO Dynamics werden 92 Prozent der weltweiten Nexo-Verkäufe im Produktionsland getätigt.

Europa hinkt hinterher: Bisher erst weniger Wasserstoff-Autos zugelassen

Zum Vergleich: Laut dem Kraftfahrt-Bundesamt wurden im ersten Verkaufsjahr 2018 in Deutschland lediglich 41 Hyundai Nexo neu zugelassen. Der bisherige Höhepunkt wurde 2020 mit 212 Exemplaren erreicht, ein Jahr später wurden lediglich 152 Hyundai Nexo neu zugelassen. Der Nexo wird also hauptsächlich in Südkorea gekauft. Anders verhält es sich mit der zweiten Generation des Toyota Mirai.

Hier liegt der Hauptmarkt nicht etwa in Japan, sondern in den USA. 2021 konnten in den Staaten 2629 Einheiten vom Toyota Mirai abgesetzt werden. Auf Platz zwei folgte dann aber bereits Japan (2438 Einheiten). In ganz Europa wurden im vergangenen Jahr hingegen nur 730 der Fahrzeuge verkauft. Ein Trend hinsichtlich der Nutzung von Wasserstoff-Autos zeichnet sich also ab, doch ist der globale Markt aktuell wohl noch nicht ganz für die Innovation bereit. Und E-Autos, die laut Greenpeace bis 2030 die Hälfte der weltweit genutzten Autos ausmachen sollen, werden somit vorerst wohl nicht abgehängt.

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