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Tesla-Mitarbeiter deckt Schwäche der E-Autos auf – und wird dafür gefeuert

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Von: Christian Einfeldt

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Ein YouTube-Video zeigt die Gefahren des autonomen Fahrens auf: Tesla-Mitarbeiter John Bernal wollte aufklären – und verlor dadurch seinen Job.

San José – Trotz des fortschrittlichen Denkens, besonders in Bezug auf das Umweltbewusstsein, umgeben die Elektromobilität nach wie vor Herausforderungen und Hindernissen. Dass Tesla E-Autos im Wert von 125 Millionen Euro schrotten musste* oder ein brandneuer Tesla nicht heizte, fördert weiterhin eine kritische Haltung gegenüber Tesla und weiteren Herstellern von Elektroautos. Einen weiteren Anlass zur Kritik bietet auch das autonome Fahren, das Tesla seiner Kundschaft verspricht. Tesla und der US-Amerikaner John Bernal gingen einst gemeinsame Wege und arbeiteten Hand in Hand an dem „Full Self Drive“-Feature. Weil Bernal allerdings auf YouTube diesbezüglich über Systemfehler aufklärte, die bereits Unfälle verursacht hatten, ist er nun seinen Job los.

Autohersteller:Tesla, Inc.
Gründung:Juli 2003, San Carlos, Kalifornien, Vereinigte Staaten
CEO:Elon Musk (Okt. 2008–)
Umsatz:53,82 Milliarden USD (2021)

Tesla-Mitarbeiter wird rausgeschmissen – nachdem er über Systemfehler der E-Autos aufklärte

Das „Full Self Drive“-System von Tesla steht in der Kritik. Ein YouTube-Video dokumentiert Schwachstellen, an denen es dringend zu arbeiten gilt: Der Autofahrer biegt rechts ab. Doch statt wenig später sicher weiterzufahren, lenkt das E-Auto unmittelbar Richtung Fahrbahnrand. Der Wagen wird in dem Video nur leicht beschädigt, doch ganz ausgereift scheint das System des autonomen Fahrens von Tesla eben noch nicht zu sein. Der Clip zeigt einmal mehr: Auch im Jahre 2022 bleibt autonomes Fahren Zukunftsmusik – und sollte zum Schutz aller noch kein Teil des Straßenverkehrs sein.

In die Kritik geriet das von Elon Musk gegründete Unternehmen bereits dadurch, dass ein 19-Jähriger aus Deutschland problemlos 25 Tesla E-Autos gehackt hatte. Nun macht Tesla erneut Schlagzeilen, weil das US-amerikanische Unternehmen einen ihrer Mitarbeiter entlassen hat. Es handelt sich dabei um niemand geringeren als den Eigentümer des besagten YouTube-Channels. Tesla-Mitarbeiter John Bernal wollte über die Grenzen und Gefahren des autonomen Fahrens aufklären. Dadurch hat er seinen Job verloren.

Tesla.
Tesla-Mitarbeiter wird gefeuert: Sein YouTube-Account hätte einen „Interessenskonflikt“ dargestellt. (Symbolbild) © IMAGO/Imaginechina-Tuchong

Tesla: YouTube-User geben Mitarbeiter recht – doch von seiner Firma wird er für kritische Videos gefeuert

Konkret geht es um den YouTube-Channel „AI Addict“. John Bernal wusste bereits im März 2021 über die Tesla-Technologie zu berichten. Seine öffentlichen Review-Clips, die auch Tesla-Produkte thematisieren, gefielen schon damals der Social-Media-Abteilung des Unternehmens nicht besonders. Vor rund einem Monat wurden ihm seine Videos dann zum Verhängnis. Dieses Mal blieb es nicht bei einer Ermahnung, keine kritischen Videos über die Assistenzsysteme mehr zu veröffentlichen — dieses Mal wurde er gefeuert.

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Dabei sind die Kommentare seiner geteilten Videos stets durchzogen von Danksagungen und ähnlichen Erfahrungsberichten. Die systematischen Schwachstellen bei Tesla schüren offenbar Unmut, aber nicht nur das: Dieses Mal ist es vor allem die Entlassung von Mitarbeiter John Bernal, der sich angesichts der potenziell folgenschweren Systemfehler an die Öffentlichkeit gewandt hatte, die übel aufstößt.

Tesla nennt „Interessenskonflikt“ als Grund für die Entlassung des Mitarbeiters

Wie CNBC berichtet, würde die Social-Media-Politik Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern keineswegs verbieten, an Tesla-Produkten öffentlich Kritik zu äußern. Das Unternehmen müsse sich jedoch „auf den gesunden Menschenverstand und das gute Urteilsvermögen seiner Mitarbeiter“ verlassen können. Mit anderen Worten fordert Tesla ein, „sich an verantwortungsvollen Social-Media-Aktivitäten zu beteiligen“.

Was das genau bedeutet, bleibt ungeklärt. Fest steht jedoch, dass John Bernal wenig später seinen Job verlor. Nach Berichten von CNBC heißt es, seine Videos hätten gegen die Tesla-Richtlinien verstoßen. Zwischen Tesla und seinem YouTube-Account gebe es einen „Interessenskonflikt“, heißt es weiter. Dass Bernals Berichterstattung über reale Gefahren eines Systems, an dessen Entwicklung er selbst beteiligt war, derart abgestraft wird, wirft jedoch kein gutes Licht auf den vermeintlichen Branchenprimus der E-Mobilität. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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