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Studie belegt: Höher gebildete Menschen fahren häufiger Fahrrad

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Von: Bjarne Kommnick

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Wer einen höheren Schulabschluss hat, fährt häufiger Fahrrad. Das geht aus einer Studie der Universität Köln hervor. Die Gründe sind vielfältig.

Köln – Wer höher gebildet ist, fährt durchschnittlich mehr Fahrrad. Zu dieser Erkenntnis kommt der Wissenschaftler und Soziologe Ansgar Hudde von der Universität Köln. Zu diesem Thema hat er zwei Studien in einem Fachmagazin veröffentlicht. Demnach hätten Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner im Jahr 2018 70 Minuten pro Woche auf dem Rad verbracht, Städterinnen und Städter ohne Abitur hingegen nur 42 Minuten.

VereinAllgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC)
Gründung27. September 1979 in Bremen
SitzBerlin
VorsitzRebecca Peters

Höher Gebildete fahren mehr Fahrrad – besonders in der Stadt

Die Grundlage für diese Erkenntnis würden repräsentative Daten aus dem deutschen Mobilitätspanel für die Jahre 1996 bis 2018 aus der Studie „Mobilität in Deutschland 2017“ des Bundesverkehrsministeriums bieten. Darin seien Daten von 55.000 Befragten mit einbezogen, das seien Informationen von über 800.000 Fahrradtouren.

Sommer in Niedersachsen - zwei Menschen auf dem Fahrrad.
Eine Studie zeigt, Fahrradfahren ist zum Statussymbol von intelligenten Menschen geworden. © dpa/Hauke-Christian Dittrich

Die Aussage, dass besonders Menschen mit höherem Bildungsgrad Fahrrad fahren würden, treffe jedoch besonders auf in der Stadt lebende Menschen zu, denn auf dem Land seien die Unterschiede nicht so signifikant wie in der Stadt. Doch insgesamt würden auch in ländlichen Regionen tendenziell eher Menschen mit höherem Bildungsgrad auf das Fahrrad steigen. Noch vor 25 Jahren war diese Kluft sowohl im deutlichen Ausmaße in der Stadt als auch im Geringerem auf dem Land noch nahezu nicht vorhanden gewesen, erklärt der Soziologe.

Studie: Gruppe mit höhere Bildung verdoppelt Fahrradzeit seit 1996

„Die Gruppe mit höherer Bildung hat ihre Fahrradzeit seit 1996 verdoppelt.“, erklärt Hudde. Einen der Hauptgründe dabei spiele der Klimawandel. Denn die Bedeutung von Fahrrädern habe sich in den letzten Jahren immer häufiger geändert. Mittlerweile gibt es viele Aktionen, die Städte sogar zu autofreien Zonen verwandeln wollen. So fordert eine Bürgerinitiative in Berlin nur noch 12 Autofahrten pro Jahr für alle* und eine autofreie Innenstadt. Damit sind Initiatoren jedoch nicht allein, in Bremen sind bereits erste autofreie Straßen in der Innenstadt beschlossen.

Frei nach dem Motto, der erste Eindruck zählt, könne man laut Soziologe Hudde bei einem Blind Date allein dadurch viel über sich aussagen, dass man mit dem Fahrrad komme – und nicht im dicken SUV. Für Menschen mit niedrigerem Bildungsabschluss sei es der Studie nach oft wichtiger ein Auto als Statussymbol zu fahren. Denn ein teures Auto stehe für viele immer noch für beruflichen Erfolg. Gebildete Menschen würden hingegen weniger in die Gefahr laufen, wegen eines Fahrrads als arm oder erfolglos wahrgenommen zu werden. „Wenn eine Professorin mit dem Fahrrad zur Uni kommt, denkt niemand ‚Oh, die kann sich wohl kein Auto leisten.‘ Sondern man denkt: ‚Cool, die ist umweltbewusst.‘“

Menschen mit Abitur fahren öfter Rad: Umweltschutz nicht der einzige Grund

Doch die Umwelt sei nicht der einzige Grund, warum gebildetere Menschen häufiger zum Fahrrad greifen würden. „Wer im Schichtdienst ist, fährt vielleicht nur deshalb seltener mit dem Fahrrad, weil das nachts zu ungemütlich ist.“ Dabei seien die Bedingungen fast egal, vieles lasse sich tatsächlich auf den Bildungsgrad zurückführen: „Aber auch wenn ich solche Faktoren wie zum Beispiel Weglänge, Alter, Einkommen und Wohnort statistisch berücksichtige, bleibt der Bildungsunterschied bestehen“, erklärt Hudde.

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Insgesamt halte sich das Gerücht, dass Fahrradfahren auf dem Land nicht zur Verkehrswende beitragen könne. Die Erkenntnisse Huddes scheinen das nur zu unterstreichen, jedoch zeigt der „Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club“ (ADFC)ein anderes Bild. Der Verein bezieht sich dabei auf eine KfW-Umfrage zur Verkehrswende. Demnach können sich auch viele Menschen auf dem Land vorstellen, auf das Fahrrad umzusteigen, wenn die Bedingungen wie ein geregelter Betrieb von öffentlichen Verkehrsmitteln stimmen würden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamt tendieren Berufs-Pendler jedoch wieder vermehrt zum Auto.

Umstieg auf das Fahrrad bei älterer Bevölkerung kein Thema

Doch auch laut der ADFC-Studie sei die Bereitschaft in der Stadt deutlich höher, auf das Fahrrad umzusteigen. „Lediglich bei Menschen, die das Auto als Statussymbol betrachten, sowie bei älteren Bevölkerungsgruppen gibt es geringe Bereitschaft zum Umstieg“, erklärt der Verein auf seiner Internetseite. Insgesamt würden Lieferengpässe und eine hohe Nachfrage dafür sorge, dass viele Fahrradkäuferinnen und Fahrradkäufer derzeit vor Zweirad-leeren Regalen stehen würden, egal ob normale Fahrräder oder in der Elektrovariante. In einem Naturschutzgebiet in Schleswig-Holstein soll eine Blitzerattrappe rasende Elektrofahrräder bremsen. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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