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Sprit zu teuer: Frau lässt Auto stehen – und reitet mit dem Pferd zur Arbeit

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Sie sparen Benzin: Maria Dluhosch auf Vandy sowie Stephanie Kirchner und ihr Mitarbeiter Thyson Saam im Planwagen, gezogen von Florus und Denny.
Sie sparen Benzin: Maria Dluhosch auf Vandy sowie Stephanie Kirchner und ihr Mitarbeiter Thyson Saam im Planwagen, gezogen von Florus und Denny. © Robin Klöppel

Stephanie Kirchner lässt das Auto wegen der hohen Spritkosten stehen. Stattdessen nutzt sie Pferde von ihrem Reiterhof für den Arbeitsweg und spart damit Geld.

Oberweyer/Schupbach – Die aktuellen Benzinpreise kann nicht mehr jeder Bürger so locker aus der eigenen Tasche bezahlen. Das geht auch Stephanie Kirchner aus Schupbach, Inhaberin des Oberweyerer Reiterhofes "3 D Reitspass", so. Die 33-Jährige wusste nicht mehr, wie sie die Tankfüllungen in der sowieso mit Veranstaltungen nicht reichen Coronazeit noch zahlen sollte. Da kam sie auf die Idee, ihr berufliches Know-how zu nutzen – und sie konnte so bisher nach eigener Rechnung schon im ersten Monat 450 Euro an Benzin einsparen, berichtet fnp.de.

Kirchner muss sowieso täglich ihre eigenen zehn Pferde sowie weitere 15 von Zahlgästen eingestellten Pferde bewegen. Da dachte sie sich, sie könne dann auch mit der Kutsche oder auf dem Pferderücken von daheim in Schupbach täglich zur Arbeit nach Oberweyer reiten und abends wieder zurück. Manchmal fährt sie auch mit dem E-Bike. Einen ähnlichen Gedanken hatte ein junger Mann in Frankreich: Der Kellner reitet ebenfalls täglich auf einem Pferd zur Arbeit – weil Sprit einfach zu teuer geworden ist.

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Eine Strecke ist 6,4 Kilometer lang. "Ich habe auch schon mit dem Planwagen meinen Praktikanten heim nach Wirbelau gefahren", erzählt Kirchner. Nur zwei Mal in der Woche muss sie doch noch das Auto nehmen, um zum Hof zu fahren. Denn dann muss sie Wasser für die Tiere dorthin transportieren. Aber auch das will sie künftig anders organisieren, denn ihr Wagen fresse auf 100 Kilometern 13,5 Liter Sprit. Das Auto braucht sie aber, um ihren zweieinhalbjährigen Sohn nach Schadeck zur Oma zu fahren.

"Natürlich macht es keinen Sinn, sich extra zum Benzinsparen ein Pferd zu kaufen", meint die Unternehmerin. Aber wenn man sowieso schon Pferde habe, dann könne man sie auch als Fortbewegungsmittel nutzen, betont sie. Mit einem Pony sei sie nicht wesentlich langsamer im Galopp daheim als mit dem Auto. Mit dem Auto braucht sie eine Viertelstunde. Im Galopp mit dem Pferd schaffe sie die Strecke in 40 Minuten. An kalten Tagen bevorzuge sie es, auf dem Rücken der Pferde zu reiten, denn dabei bleibe man, im Gegensatz zu der Fahrt mit dem Planwagen, warm.

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Kirchner ist nicht die Einzige auf ihrem Hof, die Benzin sparen will. Auch ihre Mitarbeiterin Maria Dluhosch reitet mittlerweile täglich heim nach Oberzeuzheim. Die Wahl-Schupbacherin Kirchner ist schon immer Pferdenärrin. Wie sie erzählt, sei sie schon als Kind oft nach der Schule von Arfurt nach Niedertiefenbach geritten, um mit ihrer Freundin die Hausaufgaben zu machen. Und später sei sie dann auf dem Pferd wieder heim. Einmal hat sie sich als Kind völlig verritten und musste dann ihre Eltern anrufen, die sie dann mit dem Pferd in Königstein abholten.

"Schade, dass es heute nicht mehr so viele echte Pferdemädels gibt", bedauert Kirchner. Die moderne Technik habe da vieles kaputtgemacht. Manche jungen Mädchen würden nur zu den Pferden kommen, um ein paar Bilder für ihr Instagram-Profil zu machen und dann wieder fahren.

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Die 33-Jährige dagegen hat auf ihrem Pferd schon viele verrückte Dinge gemacht. So ist sie auch schon bei Burger King im Obertiefenbacher Investzentrum mit dem Pferd in den Drive-in geritten. Als sie ein anderer Kunde aufgrund des Pferdegeruchs auf dem Parkplatz angemosert hat, habe sie ihm geantwortet, dass es ihm ja auch nichts ausmache, direkt an einer vielbefahrenen Straße zu essen. Kirchner sagt, dass es den Pferden gut tue und sie in Form halte, wenn sie sie täglich bewege. Bei Wanderritten sei sie schon mal 50 Kilometer pro Tag unterwegs.

Aber auch unter Pferden gebe es unterschiedliche Charaktere. Manche wollten sich ständig bewegen, andere sich lieber einen ruhigen Tag machen. Der niederländische Kaltbluthengst Florus zieht den Wagen mit seinem Kollegen Denny gerne von Oberweyer nach Schupbach, ist aber auch ein Internetstar. Denn er kann sich laut Kirchner auf Befehl schlafen legen oder lachen. Er zieht auch mühelos Skateboard- und Skifahrer. Florus hat ebenfalls kein Problem damit, wenn sich Kinder mit kreisenden Hula-Hoop-Reifen auf seinen Rücken stellen. Von daher gibt es von Florus viele lustige Bilder im Internet. (Robin Klöppel)

Pferde sind nicht nur nützlich, um mit ihnen eine Wegstrecke zurückzulegen. Sie können auch als Psychotherapeuten, Pädagogen und Physiotherapeuten eingesetzt werden, wie beim heilpädagogischen Reiten.

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