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Solardächer über Autobahnen: Schweiz startet neue Energiegewinnung

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Von: Ulrike Hagen

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Solardächer über Autobahnen für nahezu endlos Energie: Die Schweiz setzt den Vorschlag deutscher Forscher bereits um – hierzulande „ist noch nichts passiert“.

Bern – Die Strompreise sind auf Rekordhoch, ob Deutschland noch die Kurve im Energierennen kriegt, ist fraglich. Und während der Ausbau erneuerbarer Energien derzeit stockt, sorgt der EU-Plan, Atomkraft und Gas als nachhaltig einzustufen für Empörung in Deutschland. Könnte Sonnenenergie von der Straße die Lösung in der verfahrenen Situation sein? Deutschland übt sich hier in einem entschiedenen „vielleicht“. Und bastelt an einem 10 Meter langen – oder besser kurzen – Testabschnitt, während die „kleine“ Schweiz nun beschloss, konkret in die Umsetzung von Solardächern über der Autobahn zu gehen.

Departement der Schweizer Landesregierung:Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK)
Vorsteherin:Simonetta Sommaruga, Sozialdemokratische Partei
Hauptsitz:\tBern
Mitarbeiter:2.378

Überdachte Autobahnen mit Solar-Paneelen: Schweiz startet neuartige Energiegewinnung

Die Idee ist so einfach wie genial: Die Flächen über den in der Regel völlig unbeschatteten Autobahnen soll mit Solar-Dächern versehen werden, um auf zehntausenden Quadratmetern hocheffektiv Sonnenenergie zu gewinnen. Und auch wenn in Niedersachsen eine Solardachpflicht für Wohnhäuser kommen soll: Es sind nun ausgerechnet unsere eidgenössischen Nachbarn, die den ambitionierten Plan auf den Weg bringen – obwohl die Schweiz nur über ein Zehntel der Autobahnkilometer verfügen, die Deutschland durchziehen, macht sie sich nun an die Umsetzung der Solarnutzung dieser Strecken. Die Schweizer Energieministerin Simonetta Sommaruga lässt derzeit vom Bundesamt für Straßen (ASTRA) konkret prüfen, welche Abschnitte zur Solarbedachung geeignet sind, berichtet die „Neue Züricher Zeitung“.

Eine mit Solarpaneln überdachte Autobahn.
Solardächer für die Autobahn: Die Schweizer Regierung lässt prüfen, welche Autobahnabschnitte für die Stromerzeugung geeignet sind. © Swiss EnenergyPier

Autobahnen mit Solardach: Die Schweiz macht Nägel mit Köpfen und prüft alle Strecken

Sind die geeigneten Strecken gefunden – und das sind theoretisch alle, die nicht durch Tunnel verlaufen, also etwa 1.300 von circa 1.500 schweizer Autobahn-Kilometern – soll das Amt die Bebauung mit Solaranlagen öffentlich ausschreiben, schreibt die „NZZ“. Und auch wenn der Plan dem neuen Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck, der bereits eindringlich vor der Verfehlung der Klimaziele für 2030 warnte, und seinem Klimaschutz-Sofortprogramm bereits auf Solardachpflicht für alle Wohnhäuser drängt, schmecken würde. Ein Solardach auf Deutschlands Autobahnen*, dem mit mehr als 13.0000 Kilometern viertlängsten Netz der Welt, liegt dennoch in weiter Ferne.

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Auch Deutschland prüft Solardach-Konstruktion über Autobahnstrecken – auf gerade mal 10 Metern

Ein Pilotprojekt des Bundesverkehrsministeriums in Zusammenarbeit mit den Forschungsinstituten Fraunhofer ISE, Forster FF und dem Austrian Institute of Technology, das bereits im Frühjahr 2021 vorgestellt wurde, sieht zwar ein Solardach über der A81 bei Hegau-Ost vor. Aber: Seine Maße sind 10 Meter mal 17 Meter. Es handelt sich also eher um ein Solardächlein, dessen gesamte Projektkosten dennoch mit knackigen zwölf Millionen Euro kalkuliert werden. Obendrein ist ein Baubeginn noch lange nicht absehbar: „ Dort ist noch nichts passiert. Es hängt am Genehmigungsverfahren“, erklärt der Leiter der Unternehmenskommunikation der Autobahn GmbH Südwest, Wolfgang Grandjean, dazu gegenüber kreiszeitung.de.

Solardach über der Autobahn: Pilotprojekt des Bundesverkehrsministeriums: Solardach über der A81 bei Hegau-Ost.
Pilotprojekt des Bundesverkehrsministeriums: Solardach über der A81 bei Hegau-Ost. ©  Austrian Institute of Technology

Solar-Offensive in der Schweiz: Photovoltaik-Anlagen für Autobahnen und auf Lärmschutzwänden  

In der Schweiz ist man weiter. In Fully im Kanton Wallis plant das Schweizer Unternehmen EnergyPier einen 1,6 Kilometer langen Abschnitt der Autobahn A9 mit 40.000 Solarpaneelen zu überdachen. Die Konstruktion könnte Strom für 12.500 Haushalte liefern. Baubeginn ist hier bereits 2023. Wie die „NZZ“ berichtet, sind darüber hinaus Solaranlagen auf bestehenden Lärmschutzwänden und Galerien, die ohne größere Baumaßnahmen mit Panels ausgestattet werden können, geplant.

Panorama-Montage der Autobahn A9 in der Schweiz: Links ohne, rechts mit Solardach.
Sonnen-Kraft: Der 1,6 Kilometer lange Abschnitt der Schweizer Autobahn A9 wird mit 40.000 Solarpanels überdacht, die Strom für 12.500 Haushalte liefern können. © Swiss EnergyPier

Solarstrom von Dächern über Autobahnen könnten auch Energie für E-Autos liefern

Die Regierung der Schweiz scheint sich parteiübergreifend einig zu sein: „Alle Flächen, die verfügbar sind und sich für die Stromproduktion eignen, sollen auch dafür genutzt werden. Auch eine Überdachung von gewissen Autobahnstrecken kann sinnvoll sein, zumal der Verkehr in einigen Jahren weitgehend elektrisch fahren wird und damit auch der Strombedarf für Ladestationen entlang der Autobahnen steigt“, zitiert die „NZZ“ Jürg Grossen, Mitglied des Schweizer Nationalrats und Vorsitzender der Grünliberalen.

Eine ziemlich groß gedachte und weitsichtige Planung für ein ziemlich kleines Land, von der man sich angesichts dessen, dass die E-Auto-Branche boomt, und dennoch viele Menschen, die sich ein E-Auto zulegen, feststellen müssen, dass es weit und breit keine Lademöglichkeit gibt, eine Scheibe abschneiden kann. *kreiszeitung.de , fr.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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