„Betroffene“ können Geld wohl behalten

Santander Bank überweist versehentlich 150 Millionen Euro zu viel

Die Santander Bank überweist durch einen Fehler insgesamt 150 Millionen zu viel. Das Geld landet auf Tausenden Konten – und ist für das Geldinstitut wohl futsch.

Boston – Das ist teuer geworden. Aufgrund eines „technischen Fehlers“ ist der Santander Bank ein Millionen schwerer Fauxpas unterlaufen. Im Namen von Firmenkundinnen und -kunden der Bank hatte das Kreditinstitut kurz nach Weihnachten versehentlich 130 Millionen Pfund zu viel an private Kundinnen und Kunden überwiesen, also umgerechnet rund 150 Millionen Euro. Nun will das Unternehmen den Fehler so weit es geht beheben.

KreditinstitutSantander Bank
HauptsitzBoston, Massachusetts, Vereinigte Staaten
Gründung8. Oktober 1902, Wyomissing, Pennsylvania, Vereinigte Staaten
Anzahl der Beschäftigten10.000 (2020)

Santander Bank überweist „aus Versehen“ 150 Millionen zu viel: Geld kommt auf 77.000 Konten an

Demnach seien zehntausende Unternehmen und Privatpersonen von den Fehlüberweisungen betroffen. Die Bank habe monatliche Daueraufträge von 2000 Unternehmen, wie beispielsweise Gehälter auf insgesamt 75.000 Konten von Privatpersonen doppelt überwiesen. Deshalb wurden insgesamt 300 Millionen Euro gezahlt, obwohl nur 150 Millionen Euro fällig gewesen wären. Zunächst hatte die New York Times über den Vorfall berichtet.

Santander Bank zahlt Daueraufträge doppelt aus – und verliert 150 Millionen Euro

Gegenüber der US-Zeitung erklärte eine Sprecherin des Unternehmens: „Die doppelten Zahlungen waren das Ergebnis eines Terminproblems, das wir schnell identifiziert und behoben haben“. Ein bestimmtes Muster für die doppelten Fehlüberweisungen habe es dabei nicht gegeben: „Die Empfänger und der Zweck der Zahlung werden je nach Kunde unterschiedlich sein, es könnten aber auch Löhne oder Lieferantenzahlungen betroffen sein.“

Die Santander Bank zahlte im Namen ihrer Kunden versehentlich 150 Millionen Euro zu viel an andere Kunden.

Nun versuche die Santander Bank, die doppelte Zahlungen zurückzubekommen. Die meisten Personen, die das Geld doppelt erhalten hätten, würden jedoch Kundinnen und Kunden bei anderen Kreditinstituten seien. Das mache es besonders kompliziert, denn erste Banken hatten bereits angekündigt das Geld nicht zurückzuzahlen, wenn Kundinnen und Kunden durch die Rückzahlung auf ihrem Konto ins Minus rutschen würden.

Santander zahlt 150 Millionen zu viel – Empfänger müssen Geld nicht zwingend zurückgeben

Zudem vermuten einige Banken, dass Kundinnen und Kunden das Geld als Weihnachtsbonus verstanden haben könnten. Demnach würden einige ihre finanzielle Situation überschätzen, weshalb viel nun bereits viel mehr ausgegeben haben dürften, als hätte es die Fehlüberweisung nicht gegeben. In Deutschland würde in so einem Fall Herausgabeanspruch gelten, in dem Falle müssten Privatpersonen das Geld zurückzahlen, unabhängig davon, ob es bereits ausgegeben ist oder bereits damit geplant wurde.

Santander Bank-Fehlüberweisungen: Bank haftet selbst – kein Verlust für Kunden

Für die betroffenen Firmenkunden gehe durch den Fehler laut der Bank jedoch keine Gefahr aus. Niemand habe zu irgendeinem Zeitpunkt davon etwas aus eigener Tasche zahlen müssen – außer die Santander Bank selbst. Demnach wurde die Summe von den Reserven der Bank gedeckt. Dass die Überweisungen im Namen der Unternehmen getätigt wurden, spiele dabei keine Rolle.

Santander Bank: Dritter Fehler bei Zahlungen und Überweisungen innerhalb eines Jahres

Es ist der dritte Vorfall, mit dem die Bank im vergangenen Jahr auf sich aufmerksam gemacht hatte. Bereits im Mai haben die Kundinnen und Kunden aufgrund eines IT-Fehlers keine Zahlungen vornehmen können, später im August war zudem tagelang das Online-Banking offline und dann kam es noch zu den Fehlüberweisungen.

Ein Fehler wie in diesem Fall scheint jedoch nicht einmalig zu sein. Bereits 2018 hatte die Deutsche Bank 21 Milliarden Euro zu viel überwiesen. Damals war der Fehler jedoch auf das Versagen eines Mitarbeiters zurückzuführen. Mit Absicht hingegen plünderte eine Bank-Mitarbeiterin aus Hildesheim hunderte Tausend Euro von Kundinnen und Kunden. Auch der Finanzdienstleister Citigroup hatte ähnlich wie Santander bereits 2020 versehentlich 500 Millionen Euro zu viel überwiesen. Ein Gerichtsurteil aus dem vergangenen Jahr entschied zudem, dass Citigroup das Geld nicht zurückfordern darf. Das Geld ist weg.

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Anders lief es als die Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 2017 fünf Milliarden Euro auf falsche Konten überwiesen hatte. Das Geld kam dank des Herausgabeanspruches nämlich zurück. Auch in der Bremer Finanzbehörde kam es zu einem Skandal, als 11 Millionen Euro der Behörde auf einem fremden Konto entdeckt wurden. Wie viel Geld die Santander Bank nach ihrem Überweisung-Fehler wiederbekommt, bleibt abzuwarten. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Andy Rain

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