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Hass-Plakate „Kartoffeln statt Döner“: Dönermann kontert genial

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Von: Anika Zuschke

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Auf einer Pegida-Demo forderten Rechte „Kartoffeln statt Döner“. Dönermann Hani Alhay reagiert genial – und erfindet den ersten Kartoffeldöner Deutschlands.

Oldenburg – Der Dönermann Hani Alhay ist heute nahezu deutschlandweit bekannt. Begonnen hat seine Geschichte aber weniger schön: Mit einem fremdenfeindlichen Hassplakat bei einer Pegida-Demo, auf dem die Worte „Kartoffeln statt Döner“ geschrieben standen. Den gebürtigen Libanesen mit einem Dönerladen in Oldenburg haben diese Worte so getroffen, dass er sich kurzerhand zu einer genialen Aktion entschieden hat: Ganz in dem Sinne, Ausgrenzung entgegenzutreten und stattdessen Kulturen zu verbinden, hat Alhay den ersten Kartoffeldöner Deutschlands erfunden – der nun überall auf große Begeisterung stößt!

Kebabimbiss:ALHAY
Adresse:Nadorster Straße 72, 26123 Oldenburg
Menü:kartoffeldöner.de
Telefon:0441 9602424

Dönermann Hani Alhay aus Oldenburg macht aus einem Hassplakat Liebe – in Form eines Kartoffeldöners

Dönermeister Hani Alhay ist selber Flüchtling. Ende der 1980er-Jahre flohen seine Eltern mit ihren Kindern aus dem Libanon, der damals vom Bürgerkrieg zerrissen war. Über Ostberlin landete die Familie schließlich im Westen Deutschlands. Inzwischen lebt Alhay bereits seit vielen Jahren in Oldenburg, betreibt dort seinen eigenen Dönerladen und ordnet sich laut NDR selbst als ziemlich norddeutsch ein. Doch aufgrund seines Hintergrundes kam das fremdenfeindliche Plakat, das Alhay bei einer Pegida-Demonstration im Fernsehen entdeckt hatte, bei dem gebürtigen Libanesen gar nicht gut an.

„Als ich dieses Schild gesehen habe, habe ich gesagt: ‚Kartoffeln statt Döner? Nein! Kartoffeln und Döner zusammen!‘ Ich schwöre, das schmeckt besser. Und dann habe ich angefangen, zu tüfteln“, erzählt Hani Alhay gegenüber „Galileo“ euphorisch. Seine Mission war dabei, Ausgrenzung und Rassismus entgegenzutreten und Kulturen zu verbinden. Denn: „Ohne Döner kann Deutschland nicht leben und ohne Kartoffeln können wir auch nicht leben. Wir brauchen uns gegenseitig“, weiß der Oldenburger Dönermeister. Kartoffeln gelten schließlich als die Lieblingsknolle der Deutschen und sind eigentlich in fast jedem Haushalt vorrätig – das sollten Sie aber beim Aufbewahren beachten*.

Kartoffeldöner bei Alhay kommt bei den Kunden in Oldenburg extrem gut an – bei Geimpften und Ungeimpften

Doch die kulinarische Besonderheit ließ sich gar nicht so leicht umsetzen. Ganze sechs Monate musste Alhay an der Technik tüfteln, bis Kartoffeln und Dönerfleisch überhaupt erst an dem Döner-Drehspieß kleben blieben. Der Spieß ist nämlich mit Kartoffeln belegt, dazwischen liegt das Fleisch. Die Kombination wird wie bei einem herkömmlichen Döner vom Spieß heruntergeschnitten und anschließend mit Saucen und Gemüse im Fladenbrot vereint. Mit dem Ergebnis ist der gebürtige Libanese inzwischen sehr zufrieden: „Das war ein Hassplakat – und daraus habe ich Liebe gemacht“, äußert Alhay gegenüber NDR glücklich. Gegen unschöne Ausgrenzung setzte sich auch eine Biker-Gang in Pennsylvania ein, die einen jungen Mann mit Down-Syndrom zur Schule eskortierte*.

Hani Alhay vor seinem Imbiss in Oldenburg (Niedersachsen) mit einer Kartoffeldöner-Pita
„Kartoffeln statt Döner“: Dönermann Hani Alhay reagiert auf rechte Forderungen mit einer kreativen Idee. © Ingo Wagner/dpa

Auch die Kunden des Oldenburgers sind begeistert. Ein Stammkunde des Dönerladens ist der Meinung: „Schmeckt sehr gut, einzigartig. Mit Abstand der beste Döner in Oldenburg.“ Während der Corona-Pandemie gibt es die Döner-Variation aufgrund der Covid-Regeln zwar nur zum Mitnehmen, aber auch da besteht Alhay auf Gleichberechtigung: Kartoffeldöner gibt es für Ungeimpfte und Geimpfte nämlich gleichermaßen. Auf ein gleiches Recht für alle in Zeiten der Pandemie setzte auch eine Friseurin in Mülheim, die das Ordnungsamt nicht in ihren Salon ließ, da der Kontrolleur seinen 3G-Nachweis nicht vorzeigen wollte*.

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Dass Hani Alhay der einzige Kartoffeldöner-Berechtigte Deutschlands ist, hat er sogar amtlich bestätigt bekommen. Denn das deutsche Patentamt in München hat dem Wirt per Gebrauchsmusterschutz bescheinigt, dass er der alleinige Erfinder des multikulturellen Gerichts ist. Deswegen darf niemand außer ihm einen Kartoffeldöner unter diesem Namen auf den Markt bringen.

Dönermann Alhay macht inzwischen auch Kartoffeldöner-Bratwurst – gibt‘s in 4000 Supermärkten zu kaufen

An dieser Stelle würden sich andere Menschen auf ihrem durchschlagenden Erfolg wahrscheinlich ausruhen – doch nicht so Hani Alhay. Der Dönermeister bringt im Winter nämlich noch eine neue, eingedeutschte Kebab-Variation an den Mann: Den Grünkohl-Döner. Der innovative Imbisswirt erklärt seine Idee gegenüber NDR mit den Worten: „Ich greife keine Kultur an, sondern mache daraus etwas Neues. Ich mache das, damit die Kulturen auch erhalten bleiben. Jugendliche heutzutage essen viel Döner, eher als Grünkohl.“ Eltern in ganz Oldenburg werden ihm diese gesunde Variante sicherlich danken! Und auf ihre Grünkohl-Saison sind Oldenburger zur Herbst- und Winterzeit schließlich besonders stolz.

Doch auch bei Grünkohl-Döner hört es nicht auf: Inzwischen hat Hani Alhay – vom Kartoffeldöner inspiriert – sogar eine Kartoffeldöner-Bratwurst auf den Markt gebracht. Denn nach einem Fernsehbeitrag von Galileo wurde der deutsch-libanesische Kebab deutschlandweit bekannt, alle wollten die kulinarische Erfindung probieren. Da Alhay sich in Oldenburg jedoch sehr wohlfühlt und bisher nicht in andere Städte expandieren möchte, brachte er den Kartoffeldöner in Form einer Bratwurst in deutsche Großstädte. Diese wird nun in fast 4000 Supermarktfilialen in ganz Deutschland verkauft. Aus einem fremdenfeindlichen Plakat hat Dönermeister Hani Alhay also nicht nur Liebe, sondern auch ein ziemliches Geschäft gemacht. Wir gönnen es ihm auf jeden Fall von ganzem Herzen! * kreiszeitung.de, 24hamburg.de und 24garten.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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