„Schrittweise abschaffen“

Politiker will große Hunde abschaffen: „So klimaschädlich wie SUVs“

Ein Politiker fordert, mittelgroße und große Hunde „schrittweise abzuschaffen“. Sie hätten die CO₂-Bilanz eines SUVs – und würden dem Planeten ernsthaft schaden.

Bournemouth – Gerade erst klagten Aktivisten gegen das zu lasche Klimaschutzgesetz, Grund: „Wir haben Angst um unsere Zukunft“. Zukunftsangst und Klimasorgen haben nun auch einen englischen Politiker bewogen, drastische Lösungsansätze zu fordern. Im Namen der Verringerung des CO₂-Ausstoßes soll es nun ausgerechnet Hunden an den Pelz gehen: Mittelgroße und große Fellnasen sollen nach dem Willen eines britischen Stadtrates „schrittweise abgeschafft“ werden, weil sie mindestens genauso klimaschädlich seien wie SUVs.

Seebad in England:Bournemouth
Einwohner:198.582
Größe:40,26 km²
Gründungsjahr:1810

Politiker fordert Abschaffung von großen Hunden, weil die so schädlich fürs Klima sind wie SUVs

Sie sind Freunde und treue Gefährten oder sogar Lebensretter, wie die Hündin, die nach Autounfall Hilfe holte und ihrem Herrchen das Leben rettet: Für Hundebesitzer sind die geliebten Vierbeiner aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Ein erstes Land erklärte Haustiere sogar per Gesetzes-Änderung zu Familienmitgliedern. Trotzdem fordert nun der englische Politiker Mark Howell, unabhängiges Mitglied des Stadtrats von Bournemouth, Christchurch und Poole, eine Begrenzung der Größe von Hunden und anderen Haustieren – aufgrund ihrer klimaschädlichen CO2-Bilanz.

Große Hunde abschaffen: „Methanemissionen dieser Tiere schaden dem Planeten ernsthaft“

Laut „Mydogguide“ wird die Population der Fellnasen in Großbritannien auf 21 Millionen geschätzt, rund 26 Prozent der Haushalte in Großbritannien besitzen einen Hund. Ebenso wie in Deutschland waren im Vereinigten Königreich neue Haustiere im Lockdown besonders nachgefragt. In einer Bürgerversammlung sagte der britische Stadtrat der Haltung von zumindest größeren Tieren nun den Kampf an. Der CO2-Abdruck von Labradoren und Deutschen Schäferhunde entspräche dem eines Geländewagens: „Die Methanemissionen dieser Tiere schaden dem Planeten ernsthaft“, zitiert die „Dailymail“ den Lokalplitiker.  

Politiker klagt an: Mittelgroßer Hund verursacht die gleichen Emissionen wie ein Landcruiser

„Haustiere sind der sprichwörtliche Elefant im Raum. Es ist ein wirklich ernstes Thema, das die Politiker anscheinend nicht anzusprechen bereit sind, da sie verständlicherweise Angst vor einer starken Gegenreaktion haben, aber es ist wichtig“ erklärt Howell. Und weiter: „Es wird geschätzt, dass Haustiere weltweit 20 Prozent des Fleisch- und Fischverbrauchs ausmachen. Ein mittelgroßer Hund verursacht die gleichen Emissionen wie ein Toyota Landcruiser, manche Schätzungen gehen sogar von der doppelten Menge aus.“

Klimaschutz: Ein Stadtrat schlägt vor, mittelgroße und große Hunde zu verbieten. Ihre CO2-Bilanz soll mit der eines SUVs vergleichbar sein. (Symbolbild)

Ein mittelgroßer Hund verursacht die gleichen Emissionen wie ein Toyota Landcruiser, manche Schätzungen gehen sogar von der doppelten Menge aus

Mark Howell, brittischer Stadtrat

Stadtrat fordert „Dog-Sharing“ als klimafreundliche Alternative zum eigenen Tier

Der Brite verlangt zwar kein vollständiges Verbot größerer Hunde, fordert aber, dass Tierhalter sich in Zukunft kleinere Hunde anschaffen sollten – und bringt sogar „Dog-Sharing“ als klimafreundliche Alternative ins Spiel: „Vielleicht könnte man Haustiere teilen, entweder das eigene Tier mit jemandem anderen oder man erfreut sich an dem eines anderen und ist damit zufrieden.“ Das Hauptproblem, mahnt Howell, sei das Methan, das Vierbeiner produzieren, sowie deren Fleischkonsum. Tatsächlich ist Großbritannien das Land, in dem Tierbesitzer mit bis zu 20.000 Euro Strafe rechnen müssen, wenn sie ihre Haustiere vegan ernähren*

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PETA kontert gegen Hundeverbot: „Erstmal auf den eigenen Teller als in den Napf des Hundes schauen“

Der „Kennel Club“, der Dachverband der britischen Hundezüchtervereine, reagierte prompt auf die provokanten Forderungen des Briten: „Viele mittelgroße und große Rassen werden als Assistenz-, Hilfs-, medizinische Spür- und Polizeihunde eingesetzt. Der Versuch, diese Hunde abzuschaffen, würde der Gesellschaft, in der wir leben, schweren Schaden zufügen.“ Und auch Eliza Allen, Direktorin der Tierrechtsorganisation PETA, springt für die Vierbeiner in die Bresche: „Wer es ernst meint mit der Reduzierung des CO2-Fußabdrucks seines Hundes – und damit auch seines eigenen –, der sollte auf jeden Fall auf seinen eigenen Teller schauen, bevor er in den Napf seines Hundes guckt und sich für eine gesunde und nahrhafte vegane Ernährung entscheiden.“

Forderung große Hunde zu verbieten – Netz ist empört: „Schmeißt ihn raus und behaltet die Hunde!“

Auch die Leser der „Dailymail“ toben: „Kümmern Sie sich um Ihren eigenen Kram, Herr Stadtrat! Wenn diese Aussage wahr ist, dann werden noch mehr Haustiere wegen dieses dummen Vorschlags auf die Straße gesetzt. Die Tierheime sind jetzt schon randvoll“, empört sich ein User. „Schmeißt ihn raus und behaltet die Hunde“, fordert ein anderer. „Mark Howell, ich glaube, die Welt wäre ein viel besserer und gesünderer Ort, wenn wir keine Platzverschwender wie Sie hier hätten. Ich bin sicher, dass Ihr CO₂-Fußabdruck mindestens dreimal so groß ist wie der meines geliebten Labradors! Hunde machen Menschen zu besseren Menschen, leider haben Menschen diese Wirkung auf andere Arten nicht.“

Aktion klimafreundlicher Hund: Englischer Verband rät zu umweltschonender Tierhaltung

Wohl die wenigsten werden also auf den Hunde-Kritiker hören. Aber, so der Vorschlag des britischen Verbandes „Kennel Club“, der viel bessere Weg sei ohnehin, einfach die Auswirkungen des geliebten Vierbeiners auf die Umwelt zu verringern – beispielsweise durch biologisch abbaubare Kotbeutel, nachhaltiges Futter und plastikfreies, haltbareres Hundespielzeug. Und vielleicht auch erstmal durch das Verbessern der eigenen Klimabilanz durch das Umsteigen vom SUV auf ein E-Auto, denn das Totschlagargument, sie seien auch nicht besser für die Umwelt, wurde gerade in einer Studie widerlegt. *kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © imago

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