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Norderstedter soll 1,6 Millionen Euro für Wärme zahlen – im Einfamilienhaus

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Von: Bjarne Kommnick

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Die Stadtwerke Norderstedt verlangen von Timo Sievert ein Fernwärmeabschlag in Millionenhöhe. Dem platzt der Kragen und das Video geht viral.

Norderstedt – Die Strompreise sind in der Energiekrise enorm gestiegen, das ist längst kein Geheimnis mehr. Doch die Stromrechnung von Timo Sievert aus Norderstedt, der sich auf Social Media bereits seit einigen Jahren als „der Sievi“ einen Namen macht, dürfte dann wohl doch noch eher aus der Reihe tanzen. Die Stadtwerke Norderstedt fordern demnach 1,6 Millionen Euro an Fernwärmekosten: für einen einzigen Haushalt und lediglich für einen Jahreszeitraum.

StadtNorderstedt
Bevölkerung77.932
Fläche58,1 km²
Höhe29 m

Stadtwerke Norderstedt fordern 1,6 Millionen für Heizkosten – für Einfamilienhaus

„Ich habe Post bekommen“, erklärt Sievert einen einem TikTok-Video auf seinem Account mit mehr als 30.000 Followern: „Und zwar von den Stadtwerken Norderstedt, das wollte ich euch einmal vorlesen“, heißt es weiter. Er führt fort: „Aufgrund der bundesweit gestiegenen und weiter steigenden Kosten zur Wohnraumbeheizung hat der Gesetzgeber alle Energieversorgungsunternehmen dazu verpflichtet, ihren Kunden nachfolgende Information zur Realisierung des möglichen Einsparpotenzials für ihren Wärmeverbrauch zur Verfügung zu stellen“.

Der YouTuber „Der Sievi“ zeigt den Stadtwerken Norderstedt in seinem TikTok-Video wütend den Vogel
Der YouTuber „Der Sievi“ bekommt von den Stadtwerken Norderstedt eine Stromrechnung über 1,6 Millionen Euro. Darüber platzt ihm im TikTok-Video wortreich der Kragen – der Clip geht viral. © Screenshot TikTok @dersievi

So weit also nichts Ungewöhnliches, doch dann kommt das Unerwartete. „Ihr auf Basis der letzten Abrechnung erwarteter Fernwärmejahresverbrauch liegt bei 9.840.000 Kilowattstunden“, liest Sievert aus dem Brief der Stadtwerke vor und erklärt, dass er in seinem Haus in Norderstedt auf 150 Quadratmeter gerade erst seit zwei Monaten wohnen würde.

Norderstedter stinksauer: Stadtwerke wollen 1,6 Millionen Euro für Fernwärme

„Unter Berücksichtigung dieses Jahresverbrauches und der für ihren Vertrag aktuellen gültigen Arbeitspreis werden die verbrauchsabhängigen Werbekosten ohne Grund und Verrechnungspreis für ihre Kundennummer 1.647.620,33 Euro pro Jahr brutto betragen“, heißt es im Brief der Stadtwerke. Er erklärt ironisch, dass er für das Geld gleich ein eigenes Kraftwerk in seinen Garten stellen könnte, ähnlich wie ein Rentner aus Leipzig, der ein höchst effektives Windrad erfunden hatte.

„Ein nur geringer Verzicht auf den gewohnten Wärmekomfort könnte in Summe einen großen Beitrag für die Gasversorgungssicherheit im bevorstehenden Winter leisten und somit einer drohenden Gasmangellage hier entgegenwirken“, so die Stadtwerke.

TikToker könnte laut Stadtwerke mit einem Grad geringerer Raumtemperatur 98.857,22 Euro sparen

So würde bereits ein Grad geringere Raumtemperatur den Energieverbrauch um sechs Prozent mindern. „Dieses entspricht bei ihrem Jahresverbrauch einer Verbrauchsreduzierung von 590.400 Kilowattstunden beziehungsweise einer Kostenreduzierung von 98.857,22 Euro pro Jahr brutto“. Auch die geplante Gaspreisbremse der Bundesregierung hätte bei einer so hohen Summe wohl wirklich eine große Auswirkung.

„Meint ihr, dass ich die Stadt beheize?“: TikToker platzt im Video der Kragen

Bei so einem Verbrauch, wären sechs Prozent in der Tat eine große Summe, die eingespart werden könnte, jedoch ist ihm auch bewusst, dass es sich dabei nicht um seinen wirklichen Verbrauch handelt: „Meint ihr wirklich, dass ich die gesamte Stadt beheize, oder was?“

Weiter wendet er sich an seine Follower: „Nein Leute, ich verarsche euch nicht, hier steht es schwarz auf weiß“ und hält den Brief mit verdeckter Adresse in die Kamera. An die Stadtwerke adressiert fragt er: „Jetzt mal ganz im Ernst, wie könnt ihr solche Schreiben verschicken?“ Mittlerweile hat das Video mehr als 65.000 Likes und wurde fast 5.000 Mal kommentiert (Stand 23.11.2022). Zuletzt ist auf TikTok ein Mann mit einem Lifehack viral gegangen, der „genial“ zeigt, wie man die berüchtigten Aldi-Kassierer im Supermarkt langsamer machen kann. Auch ein sprechender Husky eroberte vor kurzem die Herzen auf TikTok.

„Arbeiten bei Euch nur dressierte Affen?“: TikToker will Stadtwerke Norderstedt zur Rede stellen

Weiter wütet Timo Sievert: „Das ist auch nicht witzig, wenn so ein Schreiben eine 90-jährige Oma bekommt, die fällt tot von ihrem Sofa runter“, platzt dem YouTube und TikTok affinen HSV-Fan der Kragen. Er macht darauf aufmerksam, dass es durchaus Menschen geben könnte, die solche eine Mitteilung ernst nehmen würden. „Arbeiten bei euch nur dressierte Affen, die bunte Knöpfe drücken?“, rastet weiter aus: „Das ist unfassbar, ich rufe morgen erstmal da an und frag, ob ich das in Raten zahlen kann“. „Stadtwerke Norderstedt, das kann man viel, viel besser machen“. Ob man sich dort den Rat zu Herzen nimmt, bleibt indes fraglich.

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