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Neues Homeoffice-Gesetz: Geldstrafe, wenn sich Chef nach Feierabend meldet

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Von: Ulrike Hagen

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Neue Gesetze in Portugal geben klare Homeoffice-Regeln vor und verbieten die Kontaktaufnahme zu Arbeitnehmern nach Feierabend. Bei Verstößen drohen hohe Geldstrafen.

Lissabon – In Zeiten der Corona-Pandemie hat sich das Arbeiten zu Hause stark verbreitet, mit all seinen positiven wie negativen Auswirkungen. Und ein Zurück in die Vor-Corona-Zeit kann und wird es nicht geben. Für viele sind die Übergänge zwischen Arbeit und Freizeit fließend geworden, weil fast jeder potenziell rund um die Uhr erreichbar ist. Völlig verwirrt fragen sich da viele bloß noch: Homeoffice oder Officehome? Portugal, das als Vorreiter in Sachen Digitalisierung gilt, hat das Problem erkannt und im Januar neue Gesetze erlassen: Arbeit und Freizeit sollen auch in Homeoffice-Zeiten klar voneinander getrennt sein. Verstoßen Arbeitgeber gegen die Vorgaben, drohen harte Geldstrafen.

Land in Europa:Portugal
Hauptstadt:Lissabon
Einwohner:10,31 Millionen
Größe:92.212 km²
Premierminister:António Costa

Neues Homeoffice-Gesetz: Striktes Kontaktverbot für Chefs nach Feierabend – Bußgeld droht

Die vierte Corona-Welle wütet derzeit mit voller Härte in Deutschland und viele Experten haben die Rückkehr der Homeoffice-Pflicht wegen der Corona-Notlage* längst wieder empfohlen. Darüber hinaus ist von vielen Unternehmen sowie Arbeitnehmern das Zurück zum „Business as usual“ auch gar nicht erwünscht. Das gilt auch für andere Länder in Europa. Als Reaktion auf die Zunahme der Heimarbeit seit Beginn der Pandemie hat Portugal nun ein neues Gesetz eingeführt, das es Chefs strikt verbietet, Arbeitnehmer außerhalb der vertraglich vereinbarten Arbeitszeiten zu kontaktieren. Nach den neuen Vorschriften, die bereits im vergangenen November vom Parlament verabschiedet wurden, müssen Unternehmen mit hohen Strafen rechnen, wenn sie ihre Angestellten abends oder am Wochenende anrufen oder ihnen E-Mails schicken.

Eine junge Frau sitzt am Abend in ihrer Wohnung und arbeitet
In Portugal gilt seit Januar das Kontaktverbot für Angestellte im Homeoffice nach Feierabend. (kreiszeitung.de-Montage) © Hans Lucas/imago

Rechtliche Grundlage für Homeoffice soll „Vorteile nutzen, Nachteile reduzieren“

Im Januar ist das neue Homeoffice-Gesetz nun in Kraft getreten. Die portugiesische Ministerin für Arbeit und soziale Sicherheit, Ana Mendes Godinho, erklärt dazu, dass die Pandemie zwar die Fernarbeit beschleunigt habe, aber auch die Notwendigkeit einer staatlichen Reglementierung deutlich mache: „Die Pandemie hat die Notwendigkeit der Regulierung dessen, was geregelt werden muss, beschleunigt. Telearbeit kann ein ‚game changer‘ sein, wenn wir die Vorteile nutzen und die Nachteile reduzieren.“

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Neue gesetzliche Bestimmungen zu Homeoffice verbietet die Überwachung von Heimarbeit in Portugal

Das neue portugiesische Arbeitsrecht regelt auch weitere Bereiche, um das Privatleben der „Heimwerker“ zu schützen. So ist ab sofort jede Form der Überwachung des Homeoffice verboten, etwa durch Kameraaufzeichnungen oder andere elektronische Mittel. Das betrifft allerdings keine Technik zur reinen Dienstzeiterfassung. Zuvor war es legal, Software einzusetzen, die regelmäßig „heimlich“ Screenshots von den Bildschirmen der Arbeitnehmer machte – so konnten Chefs theoretisch jederzeit einsehen, ob und wie gearbeitet wurde. Das misslang in einem aktuellen Fall offenbar gründlich: Ein Mann täuscht seit einem Jahr lediglich vor, zu arbeiten – keiner merkte es, er kassierte volles Gehalt.

Neues Gesetz für Homeoffice: Arbeitgeber muss sich an Kosten beteiligen, Heimarbeitsrecht für Eltern

Nach den neuen Erlassen in Portugal werden darüber hinaus die Unternehmen nun auch in die Pflicht genommen, sich an den Kosten zu beteiligen, die ihren Angestellten durch die Arbeit von zu Hause aus entstehen, wie etwa Strom- und Internetrechnungen. In Zeiten explodierender Strompreise, in denen Kunden bei Pleite der Anbieter auch noch extra blechen müssen, ein echter Segen. Gute Nachrichten auch für Eltern: Mütter und Väter haben jetzt in Portugal grundsätzlich das Recht, von zu Hause aus zu arbeiten. Bis ihr Kind das achte Lebensjahr vollendet hat, müssen sie dies nicht einmal im Voraus mit ihrem Arbeitgeber vereinbaren. Die genannten Änderungen gelten jedoch nur für Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten.

Homeoffice-Recht und Arbeitnehmerrechte 2022 auch in Deutschland geändert

Auch in Deutschland ist für Arbeitnehmer einiges neu ab 2022, unter anderem gibt es mehr Geld für bestimmte Arbeitnehmer, aber höhere Preise für alle. Weitere Änderungen zu Homeoffice und 3G am Arbeitsplatz mit Corona-Regeln setzt die Ampel gerade um. Der Entwurf von SPD, Grünen und FDP sieht vor, dass Beschäftigten mit Büroarbeiten oder vergleichbaren Tätigkeiten Arbeit im Homeoffice ermöglicht werden muss. Ausnahmen sind demnach nur dann möglich, wenn die Arbeit von Zuhause aus betrieblichen Gründen nicht umsetzbar ist.

Ruhezeiten im Homeoffice regelt auch Deutschland: Kontaktverbot nach Feierabend gilt auch hierzulande – theoretisch

Doch wie sieht es mit den Arbeitszeiten aus? Auch im Homeoffice gilt das deutsche Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Arbeitgeber müssen sich daher auch bei der Arbeit ihrer Angestellten von zuhause aus an die Regelungen zu Höchstarbeitszeit, Ruhepausen und Ruhezeiten sowie das Verbot von Sonn- und Feiertagsarbeit halten. Geldstrafen wie in Portugal sieht der Gesetzgeber jedoch bei Verstößen nicht vor. Da hat Portugal definitiv erstmal vorbildlich vorgelegt. *kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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