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„Nein zum Krieg“: Komplettes TV-Team von russischem Sender schmeißt live hin

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Von: Ulrike Hagen

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Ukraine-Krieg: Gesamtes Team eines russischen TV-Senders tritt vor laufender Kamera zurück und erklärt „Nein zum Krieg“. Spezialeinheiten stürmen den Sender.

Moskau – Während sie „live on air“ waren, ist die gesamte Belegschaft eines russischen Fernsehsenders zurückgetreten, nachdem sie vorher in ihrer letzten Sendung „Nein zum Krieg“ skandierten. Die spektakuläre Aktion wurde von den Mitarbeitern von „TV Rain“ (auf Russisch: „Dozhd“) gestartet, nachdem russische Behörden den Betrieb des Senders wegen seiner Berichterstattung über den Ukraine-Krieg* stilllegen wollten.

Unabhängiger russischer TV-Kanal:Dozhd
Internationale Bezeichnung:TV Rain
Sendestart:27. April 2010
Sitz:\tMoskau, Russland
Gründerin:Natalja Sindejewa

„Nein zum Krieg“: Gesamte Belegschaft des russischen TV-Senders tritt live auf Sendung zurück

Nach dem dramatischen Abgang der Mitarbeiter spielte der Sender das Video des Balletts „Schwanensee“, das schon nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991 im russischen Staatsfernsehen gezeigt wurde. Das Video vom spektakulären Abdanken des kompletten Fernsehteams hat sich inzwischen weltweit in den sozialen Medien verbreitet.

Zwei Leute im Studio des russischen Senders TV Rain (Dozhd) und ein russischer Panzer
Ukraine-Krieg: das komplette Team des russischen Fernsehsenders TV Rain (Dozhd) kündigt vor laufenden Kameras mit den Worten „No to war“. (Symbolfoto/kreiszeitung.de-Montage) © Sergei Chirikov/dpa

„Nein zum Krieg“ – nach dem dramatischen Rücktritt muss das TV-Team vor Spezialkräften fliehen

Anschließend floh das Team von „TV Rain“ aus dem Studio. Sie hatten erfahren, dass Spezialeinheiten bereits auf dem Weg waren, um das Gebäude zu stürmen. Wladimir Putin* nimmt seit Kriegsbeginn Einfluss auf die Medien-Berichterstattung. Russlands Hacker und die Trollfabrik Putins arbeiten auf Hochtouren*. Vergangene Woche dann wurde ein Gesetz verabschiedet, das Haftstrafen von bis zu 15 Jahren und hohe Geldbußen für die Veröffentlichung von „Fake News“ über die russischen Streitkräfte* vorsieht. Ein Dekret, das den Weg frei machte für das harte Vorgehen gegen den Sender.

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TV-Team schmeißt vor laufender Kamera geschlossen hin – nachdem der Sender verboten wurde

Auf Basis der neuen Gesetze war die komplette Belegschaft also bereits entlassen worden, da die Einstellung des Senders wegen „antirussischer Propaganda“ – also de facto ein Ausstrahlungsverbot – schon beschlossene Sache war. Der Rücktritt war somit ein letzter beispielloser Akt des Widerstandes gegen die massiven Zensuren der Meinungsfreiheit in ihrem Land. Das Wort „Krieg“ ist verboten, staatliche russische Medien spielen die Invasion als „Sonderoperation“ herunter.

Ukraine-Krieg: Russland sperrt Nachrichtensender und blockiert Facebook, Twitter und YouTube

Mit „TV Rain“ ist in Russland nun das letzte unabhängige Medienunternehmen vom Netz gegangen. Die russische Regulierungsbehörde hatte das Programm bereits Anfang der Woche blockiert, weshalb die letzte Show nur noch auf YouTube ausgestrahlt werden konnte. Natalya Sindeyeva, die Frau, die den Sender ins Leben gerufen hatte und leitet, erklärt darin: „Wir hoffen wirklich, dass wir eines Tages wieder auf Sendung sein werden.“

„Nein zum Krieg!“ – dann verlässt das gesamte Team das russische TV-Studio

Der TV-Korrespondent Vasily Polonsky fügt hinzu: „Ich denke, Freunde, in diesem Sinne sollten wir unsere Sendung beenden, für die kleine Pause, die ‚TV Rain‘ einlegt.“ Dann skandiert er: „No Pasaran!“, „Sie werden nicht durchkommen!“ – ein internationaler Schlachtruf des Widerstandes – und: „No to war!“ (deutsch: Nein zum Krieg). Anschließend ist zu sehen, wie das gesamte Team das Studio verlässt. Wie die „Times“ berichtet, sind viele der Angestellten des Senders inzwischen aus Angst um ihre eigene Sicherheit aus dem Land geflohen.

Nicht nur Nachrichtensender, auch Facebook, Twitter und YouTube werden inzwischen in Russland blockiert und sollen sogar bald ganz abgeschaltet werden. All diese Maßnahmen werden die Sympathien für die russische Invasion nicht mehren. Die Welle der Solidarität mit der Ukraine ist ohnehin riesig, selbst Bars verbannen inzwischen weltweit russischen Wodka* und weltweit häufen sich die Proteste, allein auf der Demo in Hamburg gingen 30.000 Menschen auf die Straße und verfolgten einen bewegenden Auftritt von Natalia Klitschko*.

Firmen, die wie etwa McDonalds trotz des Ukraine-Krieges Geschäfte in Russland machen, geraten in den Shitstorm. Und der Internationale Strafgerichtshof ermittelt inzwischen gegen Putin wegen Kriegsverbrechen* und Völkerrechtsvergehen. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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