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Mann bringt Kind zur Welt – und ist sauer, weil er „Mutter“ genannt wird

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Von: Bona Hyun

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Ein transsexueller Mann bringt ein Kind zur Welt: Für den Vater ein wahr gewordener Traum. Dass er als „Mutter“ bezeichnet wird, ist für ihn Diskriminierung.

Los Angeles – Bennet Kaspar-Williams kam als Frau zur Welt, wusste jedoch mit Ende zwanzig, dass er transsexuell ist. Erst einige Jahre später begann er mit dem Prozess der Geschlechtsumwandlung. Etwas später traf er seinen jetzigen Ehemann und die beiden heirateten 2019. Die zwei Väter wollten unbedingt ein gemeinsames Kind haben. Zu dem Zeitpunkt fing Bennet mit seiner Hormontherapie an und ließ sich seine Brüste entfernen. Dennoch entschied sich das Paar, auf natürlichem Wege ein Kind zu zeugen. Bennet wurde schwanger und trug das Kind aus. Er genießt das Vatersein – bis er im Krankenhaus als Mutter angeredet wird. Jetzt appelliert er an die Menschen.

Los Angeles:Stadt in Kalifornien
Fläche:1.302 Quadratkilometer
Gegründet:4. September 1781
Bevölkerung:3,967 Millionen (2019)

Transgender Mann trägt Baby aus – und will nicht als „Mutter“ bezeichnet werden

Vater Bennet und sein langjähriger Partner wollten ganz natürlich und ohne medizinische Eingriffe ein gemeinsames Baby zeugen. Der 37-jährige als Frau geborene Bennet entschloss sich, trotz laufender Geschlechtsumwandlung zu einer Schwangerschaft. Bennet hatte zum Zeitpunkt der Entscheidung nur die obere Körperhälfte angleichen lassen, die Brüste hatten Bennet lange Zeit unglücklich gemacht und umso erleichtert war er über die Entfernung. Seine Genitalien sowie sein gesamter Uterus waren weiter weiblich.

Zwei Männer stehen eng umschlungen und präsentieren den Babybauch.
Die Väter Bennet und Malik freuten sich schon lange auf das Baby Hudson. © hudsonsdads/instagram(screenshot)

Für den Baby-Wunsch stoppte Bennet kurzzeitig seine Hormontherapie, die er vor mehreren Jahren gestartet hatte. Im März 2020, nach einigen Versuchen innerhalb kurzer Zeit, wird Bennet schwanger. Das Paar konnte es kaum glauben. Bennet erinnert sich an die anfänglichen Bedenken vor der Entscheidung: „Ich wusste schon immer, dass es für mich die Möglichkeit gab, schwanger zu werden. Nachdem ich gelernt hatte, meinen Körper von jeglichen Geschlechtsvorurteilen zu trennen, wollte ich als Mann ein Kind zur Welt bringen“, berichtete Bennet der „Dailymail“.

Schwangerer Vater wird mit “Mutter“ angeredet und fühlt sich diskriminiert

Gerade deshalb sei es so wichtig, „Muttersein“ nicht nur auf weibliche Personen zu reduzieren. Nur, weil man ein weibliches Geschlechtsorgan hat, sei man lange nicht verpflichtet, schwanger zu werden, findet Bennet. Als er in seiner fortgeschrittenen Schwangerschaft ins Krankenhaus kommt, wird er als schwangerer Patient von dem Krankenhauspersonal mit „Mutter“ angesprochen – für ihn einfach falsch und furchtbar.

Bennet hatte bis zu dem Zeitpunkt keine negativen Gefühle zu seiner Schwangerschaft verspürt, obwohl er als Mann das Baby ausgetragen hatte. Ironischerweise, fühlte Bennet sich erst im Krankenhaus als schwangerer Mann diskriminiert und deplatziert: „Selbst mit meinem Vollbart, der flachen Brust und der Geschlechtsbezeichnung männlich in all meinen Dokumenten nannten mich die Menschen immer automatisch Mama, Mutter oder Frau. Das hat mich runtergezogen“, erzählt Bennet. Er betont die Relevanz der Thematik, da es besonders in Amerika ein zentrales Problem sei. Australien ist, was das angeht, ein wenig kulanter: Anstelle des Begriffs “Mutter“ soll es in Australien künftig “austragendes Elternteil“ heißen*. In Deutschland sollen nicht-binäre Menschen wenigstens nicht mehr aus der Sprache ausgeschlossen werden: Eine Rechtsexpertin meint aktuell, es bestünde gar eine gesetzliche Pflicht zum Gendern – die Anrede „Damen und Herren“ sei verfassungswidrig.* Hieße es zum Beispiel „Damen, Herren und andere Personen, wäre das zumindest ein erster Schritt Richtung gesellschaftliche Anerkennung von transsexuellen Eltern.

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Baby akzeptiert liebevoll beide Väter – „für ihn das natürlichste auf der Welt“

Der Transgender-Mann Bennet gebärt im Oktober 2020 einen gesunden Jungen. Bennet ist sehr stolz auf sich: „Nichts fühlt sich schöner an, als zu sagen: Ich als Vater erzeugte und brachte mein Kind zur Welt!“ Das Beste an der Schwangerschaft sei mitzuerleben, wie das gemeinsame Baby neue Sachen entdeckt – völlig vorurteilslos. Wenn der kleine Hudson dann was mitzuteilen hat, rennt er zu Bennet und ruft: „Dada!“ Hudson wächst in liebevoller Obhut von seinem Dada und seinem Papa auf – für ihn das natürlichste auf der Welt. Das wird auch so bleiben, da ist sich Bennet sicher: „Mein Sohn wird wissentlich akzeptieren, dass sein Vater ihn gebar und ihn versorgte – ohne Zweifel!“ Auf Instagram teilen die beiden Eltern ihre rührende Geschichte.

Nichts fühlt sich schöner an, als zu sagen: Ich als Vater erzeugte und brachte mein Kind zur Welt.

Bennet Kaspar-Williams, Transgender-Vater

Gender-Debatte erreicht auch Promis und TV

In der Vergangenheit wurden viele hitzige Diskussionen entfacht, die die deutsche Sprache oder Begrifflichkeiten neutralisieren sollten. An der Gender-Debatte beteiligten sich viele Promis, meistens mit kritischem Unterton: Dieter Hallervorden ätzte gegen Gendern* und Heinz Rudolf Kunze hält Gendern für idiotisch und barbarisch* und auch H.P. Baxxter hat kein gutes Wort übrig: Der Scooter Frontmann findet Gendern zum Kotzen*.

Um geschlechtsneutrale Sprache bemühte sich auch Lann Hornscheidt angeschlossen, der sich direkt an die Medien wandte: Der Sprachforscher forderte von den Tagesthemen, ihre Leser fortan mit „ens“ am Ende anzureden*. Hornscheidt erhielt allerdings eine Abfuhr, denn die Tagesschau plant nicht, die Anrede zu gendern*. Auch eine deutsche Airline mischte mit: Die Lufthansa strich in ihrer Anrede „Willkommen Damen und Herren“*, um alle Geschlechter zu berücksichtigen. *kreiszeiung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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