„Falsches Deutsch“

Jürgen von der Lippe ätzt gegen Gendern: „Verhunzte Sprache!“

Jürgen von der Lippe wettert gegen das Gendern, weil es die Sprache verschandele. Er verteidigt das generische Maskulinum – und sieht sich dabei als Feminist.

Berlin – Die Gender-Debatte hatte in der Vergangenheit häufiger zu Meinungsverschiedenheiten geführt. Mehrere Prominente beteiligten sich an der hitzigen Diskussion und positionierten sich vermehrt gegen das Gendern. Nun äußerte sich auch TV-Moderator Jürgen von der Lippe dazu. Als „überzeugter Feminist“ setze er sich für Gleichberechtigung ein – auf geschlechtsneutrale Sprache kommt es ihm dabei scheinbar nicht an. Teilweise mit kruden Theorien mischt er die Diskussion um gendersensible Sprache in einem Interview mit t-online nun neu auf.

Jürgen von der Lippe: Deutscher Fernsehmoderator, Entertainer, Schauspieler
Geboren: 8. Juni 1948 (Alter 73 Jahre), Bad Salzuflen
Ehepartnerin: Margarethe Schreinemakers (verh. 1986–1988)
Partnerin: Anne Dohrenkamp

Jürgen von der Lippe zieht über die Gendersprache her: „Einfach lächerlich!“

„Ich finde diesen zwanghaften Veränderungswillen, nur damit sich alle angesprochen fühlen, einfach lächerlich.“ Zum Lachen ist dem TV-Moderator Jürgen von der Lippe bei dem Thema dennoch offenbar nicht: Er ist der Meinung, dass Menschen durch Gendern von der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Vor allem für Minderheiten wie Ausländern oder Behinderten wäre Gendern ein Problem: „Wie gehen wir mit ihnen um? Sollen wir für sie auch etwas einführen? Ein Emoji vielleicht? Das stimmt doch alles hinten und vorne nicht.“

Jürgen von der Lippe spricht sich klar gegen das Gendern aus. Für ihn verhunze Gendern willentlich die Sprache.

Jürgen von der Lippe geht das Gendern gegen den Strich: „Ich fühle mich persönlich angegriffen“

Jürgen von der Lippe will dabei am besten wissen, was Gendern für die Hauptbetroffenen bedeutet – warum auch immer: Wäre er selbst Teil der LGBTIQ-Community, wäre er beleidigt von einem kleinen Zeichen, dem Gendersternchen, repräsentiert zu werden. So gibt er es zum Besten. Für ihn sei es unverständlich, warum man nicht einfach weiterhin das generische Maskulin benutze. Damit würde sich „jeder zu Hause fühlen“. Tatsächlich streben Mitglieder vor allem gesellschaftliche Anerkennung an, denn auch nach stetigem Bemühen wird dies meistens umgangen: Ein Mann bringt ein Kind zur Welt und wird Mutter genannt*, obwohl er als Vater angesprochen werden will und diese transsexuelle Frau muss vor Gericht ziehen, weil ihr Nachbar sie beim männlichen Vornamen nennt und ihre weibliche Identität nicht zu respektieren weiß. Eine gendergerechte Sprachkultur wäre ein erster Schritt. Für von der Lippe allerdings nicht – im Gegenteil: „Ich fühle mich persönlich angegriffen, wenn man meine Sprache ganz bewusst und willentlich verhunzt“, befindet er. Und sieht sich offenbar auch körperlich angegriffen: „Ich kriege Ohrenschmerzen, wenn ich das höre.“ Oha.

Jürgen von der Lippes Argument gegen Gendern: Es „verhunzt Sprache“

Entertainer Jürgen von der Lippe bekennt sich selbst als „alter weißer Mann“, der klischeehaft gegen das Gendern wettert – und steht dabei voll dahinter. „Na und, ich bin ein alter weißer Mann. Nur wenn man es als Dreifach-Diskriminierung nutzt, ist es unzulässig.“ Er wolle gleiches Recht für alle: Einen „alten, weißen Mann“ dürfe man aufgrund seiner Hautfarbe auch nicht beleidigen. Für Jürgen läuft beides scheinbar auf dieselbe Diskriminierungsform hinaus.

Mit dem Gendern werde die Sprache „verschandelt und verhunzt“, wettert von der Lippe im Interview mit t-online. Dadurch fühle er sich persönlich angegriffen – schließlich werde seine Sprache bewusst und willentlich „verhunzt“. Voller Rage meint der Entertainer: „Obwohl es nachweislich grammatikalisch falsch ist, plädiert eine Minderheit dafür und will damit der breiten Mehrheit in unserer Gesellschaft eine unerträgliche Entstellung unserer Sprache aufzwingen.“ Jürgen von der Lippe zieht für den Vormarsch der Gendersprache Universitäten zur Verantwortung, die von Studierenden gegenderte Arbeiten im falschen Deutsch einfordern.

Gegen genderneutrale Sprache – Jürgen will trotzdem Feminist sein

Jürgen von der Lippe sieht sich trotz seiner Argumente gegen das Gendern als wahrer Feminist. Sexismus könne man ihm wirklich nicht vorwerfen, da er sich gegen Sexismus einsetze und öfter mal auch andere Männer zurechtweise. „Ich bin ja auch Feminist und finde es toll, was die Frauen in den letzten 70 Jahren alles erreicht haben und ganz ohne Gendern.“ Gendern würde weiterbestehende Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen allerdings nicht lösen, im Gegenteil: Die Mehrheit würde sich umso stärker abwenden.

Gender-Debatten: So äußerten sich andere Promis

In der Vergangenheit hatte die Gender-Diskussion zahlreiche Prominente erreicht. Eine Schriftstellerin hatte sich fast wortwörtlich genau wie Jürgen von der Lippe zum Gendern geäußert: Laut Elke Heidenreich sei Gender-Sprache verlogen und verhunze die Sprache*. Auch andere Berühmtheiten hatten sich gegen das Gendern ausgesprochen: Scooter-Frontmann H.P. Baxxter „findet es zum Kotzen“* und hetzte gegen das Gendern. Komiker Ingo Appelmann findet Gendern „furchtbar“* und möchte dem am liebsten ein Ende setzen.

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Trotz zahlreicher Gegenstimmen, wurde die Relevanz um Geschlechtsneutralität in der Sprache auf verschiedenen Ebenen durchgesetzt: Die Lufthansa strich in ihrer Anrede „Willkommen Damen und Herren“*, um alle gendergerecht zu begrüßen. Eine Rechtsexpertin erklärte die Ansprache „Damen und Herren“ als verfassungswidrig* und möchte eine gesetzliche Verpflichtung für das Gendern einführen. In Australien soll es anstatt „Mutter und Vater“ „Austragendes Elternteil“* heißen. Jürgen bekommt zumindest laut stern.de Ohrenschmerzen vom Gendern. Vielleicht sollte er sich dann ganz einfach bei der nächsten Diskussion die Ohren zuhalten. *kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Uwe-Jens Igel/imago

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