1. Startseite
  2. Stories

Händler zocken bei E-Auto-Prämie ab – 300.000 Autos ins Ausland verkauft

Erstellt:

Von: Bjarne Kommnick

Kommentare

Deutsche Autohändler kassieren für den Ankauf von E-Autos ordentlich Prämie – damit die E-Mobilität in Deutschland vorangeht. Doch die Wagen landen im Ausland.

Berlin – Staatliche Prämien für Elektroautos sollen eigentlich dafür sorgen, dass die Verkehrswende im Sinne der Umwelt vorangetrieben wird. Doch die Förderungen sorgen auch für Ärger, denn in vielen Fällen würden sie nicht ihren Zweck erfüllen. Wie Recherchen der „Wirtschaftswoche“ zeigen, werden die Zuschüsse in vielen Fällen nicht so genutzt, wie sich das Bundeswirtschaftsministerium die staatliche Prämie vorgestellt habe. Denn Autohändler würden die staatlichen Prämien als Geschäftsmodell verwenden, um daran Geld zu verdienen – und das insgesamt bereits in einer Höhe von 240 Millionen Euro. Nun greift die Regierung ein und möchte das mit einem neuen Gesetz verhindern.

MinisteriumBundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
BehördenleitungRobert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen)
Bedienstete2187
HauptsitzBerlin

Händler kassieren deutsche E-Auto-Prämie, aber verkaufen jeden achten Wagen ins Ausland

Die Methode, um an Elektroauto-Prämien zu verdienen, ist simpel: Autohändler kaufen Elektroautos für den Vertrieb, der Staat bezuschusst den Ankauf mit einer Prämie. In Deutschland gilt bisher eine sechsmonatige Mindesthaltepflicht. Sobald diese abgelaufen sei, würden Autoverkäufer genau diese Modelle unmittelbar nach Ablaufen der Frist meist nach Skandinavien weiterverkaufen, ohne den Zuschuss zu verlieren. Da es in vielen europäischen Ländern keine E-Autoprämien gebe, seien bezuschusste Wagen aus Deutschland sehr gefragt, so die Recherchen der „Wirtschaftswoche“.

Ein Autohändler steckt sich Geld in die Tasche und ein E-Auto
Viele Autohändler verkaufen E-Autos nach kurzer Haltedauer ins Ausland und streichen sich die Prämie ein. (kreiszeitung.de-Montage) © Artus Budkevics/Bernd Feil/imago

Autohändler zocken Staat bei E-Auto-Prämie ab: bereits 240 Millionen Euro zweckentfremdet

Stefan Bratzel, Automobilwirtschaftsprofessor und Direktor am Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach erklärte gegenüber der „Wirtschaftswoche“, dass etwa 30.000 Elektroautos mit einem Wert von über zwei Milliarden bereits in den ersten neun Monaten ins europäische Ausland verkauft worden seien. Mit dieser Methode sollen bis zu 240 Millionen Euro Fördergelder nicht zweckgemäß verwendet worden seien, das geht aus einer Studie des Center of Automotive Management hervor.

Autohändler missbrauchen E-Auto-Förderung: Regierung ändert Gesetz

Laut Bundeswirtschaftsministerium sei das „nicht Sinn der Förderung, dass geförderte Autos nach Ablauf der Mindesthaltedauer regelmäßig ins europäische Ausland weiterverkauft werden und dies zu einem Geschäftsmodell für Händler und Käufer wird“. Deshalb greift die Regierung nun ein. Nachdem die Prämien für private Käufer von Elektroautos 2021 abgelaufen waren*, hatte Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck bereits neue Pläne für die Innovationsprämie vorgestellt. Sie steht Käufern von Elektroautos weiter zu.

Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden

Nun soll eine weitere Anpassung für die Innovationsprämie erfolgen: Die Mindesthaltedauer für die Förderung soll von 6 Monaten auf 12 Monate erweitert werden. Wer das Auto dann bereits vor Ablaufen dieser Frist wieder verkaufen möchte, muss auch die Prämie an den Staat zurückzahlen. Für Autohändler scheint dieses Geschäftsmodell damit deutlich unattraktiver zu werden, denn der Wertverlust sei nach 12 Monaten bereits deutlich höher als nach sechs Monaten. Damit würde die Rechnung für Autohändler nicht mehr aufgehen. Tatsächlich gibt es bei Elektroautos einen enormen Werteverlust schon nach kurzer Zeit: Sie stehen sich die Reifen oplatt – Priese für gebrauchte E-Autos sind im freien Fall*.

Neues Elektroauto-Gesetz: Neue Mindesthaltedauer von zwölf Monaten kommt– doch erst 2023

Doch die neuen Regeln gelten nicht per sofort. Noch bis 2023 ist es Autohändlern also möglich, auf dieses Geschäftsmodell zu setzen, denn erst ab dem kommenden Jahr soll die mindest-Haltedauer von zwölf Monaten gelten. Erst danach entfällt wohlmöglich für die meisten dieser Geschäftszweig. Doch Geld verdienen in dieser Branche geht auch anders, wie das Geschäftsmodell eines Autohauses in Schleswig-Holstein zeigt, bei dem der Autohändler seine Kunden beleidigt und Geld fürs Auto-Angucken verlangt. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare