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Frech: Wer sein E-Auto zu voll oder zu schnell lädt, verliert Garantie

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Von: Bjarne Kommnick

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Viele E-Auto-Hersteller werben mit langen Garantien für Akkus. Was sie dabei nicht sagen: Den Anspruch verliert man schon, nur weil man regelmäßig volllädt.

Berlin – Den Akku eines E-Autos zu tauschen, das kann eine teure Angelegenheit sein. Häufig werben Hersteller deshalb mit langen Garantien auf die Batterien ihrer Fahrzeuge. Nicht selten sorgt das für den entscheidenden Impuls bei Verbraucherinnen und Verbraucher sich für elektronische Mobilität zu entscheiden. Doch in vielen Fällen greift dieser Käuferschutz gar nicht. Nicht selten lassen sich die Produzenten im Kleingedruckten ihrer Bedienungsanleitungen Hintertüren offen, um Reparatur-Kosten vollständig auf ihre Kunden abzuwälzen.

AutoherstellerTesla
Gründung1. Juli 2003, San Carlos, Kalifornien, Vereinigte Staaten
CEOElon Musk
HauptsitzAustin, Texas, Vereinigte Staaten

E-Auto: Hersteller versprechen lange Garantieren auf Akkus – aber nur, wenn man „richtig“ lädt

Denn ist der Akku erstmal defekt, kann eine Garantie auf Elektroautos den Unterschied machen: Bis zu 20.000 Euro kann der Tausch eines Elektroauto-Akkus kosten, ein Großteil von Elektroauto-Preisen ist also ausschließlich auf den Akku zurückzuführen. Ist die Leistung erstmal eingeschränkt oder die Batterie defekt, ist der Wertverlust enorm. Tesla kündigte zuletzt sogar einen Akku mit 100 Jahren Lebensdauer an, die Garantiefrage wäre dann wohl sowieso erstmal wieder hinfällig.

Elektroauto an der Ladesäule
Viele Hersteller von E-Autos machen die Garantie auf den Akku vom „richtigen“ Laden abhängig: Das Elektroauto zu voll oder zu schnell zu laden, kann dann schon den Garantie-Anspruch kosten. © dpa/Julian Stratenschulte

Häufig werben die Hersteller jedoch mit vielen Jahren oder vielen Kilometern Garantie. Ein Großteil aller Produzenten verspricht acht Jahre oder 160.000 gefahrene Kilometer Sicherheit für Kundinnen und Kunden. Wenn die Leistung eines Elektroauto-Akkus, die häufig noch alles andere als nachhaltig seien, vor den genannten Daten auf rund 70 Prozent gesunken ist, versprechen viele E-Autobauer, dass sie einen kaputten oder leistungsschwachen Akku kostenlos austauschen würden. Spitzenreiter ist bisher Lexus mit 10 Jahren Garantie oder einer Millionen Kilometer für eine Akkuleistung von über 70 Prozent.

Wer Hinweise zu Pflege und Laden des E-Autos nicht beachtet, verliert Garantie-Anspruch

Doch bereits ein „falsches“ Ladeverhalten führt dazu, dass viele der Garantieansprüche verloren gehen. Worauf müssen E-Auto-Fahrer und -Fahrerinnen achten – und handelt es sich dabei nur um Scheingarantien? Insbesondere seien insgesamt zu schnelles, zu langes und zu geringes Laden Gründe, dass Kundinnen und Kunden ihre Qualitätsansprüche verlieren. Mit Blick auf die einzelnen Hersteller wird schnell klar, was gemeint ist.

Porsche schreibt beispielsweise in ihrer Bedienungsanleitung für Elektroautos, dass der Garantieanspruch verloren gehe, wenn der Fahrer „Hinweise zur Pflege und zum Laden“ nicht befolgt hätten. Auch Tesla schreibt: „Wenn Sie diese empfohlenen Wartungs- und Ladeverfahren nicht einhalten, erlischt die Batterie- und Antriebseinheitsgarantie.“ Nahezu zu jedem Elektroauto gibt es entsprechende Tipps in der Betriebsanleitung.

Schnellladesäulen gefährden Garantie-Ansprüche für Elektroautos

Häufig heißt es deshalb auch, wer sein Akku zu voll lädt, verliert an Leistung. Es klingt also nicht abwegig, dass Kundinnen und Kunden ihre Ansprüche auf Garantie bei falscher Nutzung verlieren könnten, Problematisch scheint es jedoch mit Blick auf den Alltag von Elektroauto-Besitzern zu werden. Denn bereits das häufige Nutzen einer Schnellladesäule sei für viele Hersteller ein Grund, die Garantie auszusetzen.

Angesichts der ohnehin schon mangelhaften Ladestruktur, müssten Fahrerinnen und Fahrer für den vollständigen Schutz auf Schnellladesäulen verzichten, in der Realität scheint das jedoch oft gar nicht möglich zu sein, den E-Fahrer klagen über zu wenig Lademöglichkeiten. Deshalb forschen Wissenschaftler auch ein einem Elektroauto mit 15.000 Kilometer Reichweite dank Solarpanels. Insgesamt kämpfen Verbraucherinnen und Verbraucher mit der Reichweite, wie ein Test zeigte, kein E-Auto schafft mehr als 440 Kilometer bei Tempo 130.

Elektroauto ganz voll laden? Schon falsch: Hersteller empfehlen Höchstladestand von 70 bis 90 Prozent

Neben zu schnellem Laden sei auch das zu volle Aufladen ein Problem in Sachen Garantie. Die Hersteller empfehlen in der Regeln ein Höchstakkuladestand von 70 bis 90 Prozent. Den Akku auf 100 Prozent zu laden würde hingegen ebenfalls die Qualität einschränken und Garantien gefährden.

Hersteller haben vollen Zugriff auf Informationen von Elektroauto-Akkus

Falls die Garantie doch mal in Anspruch genommen werden will, scheinen eigene Argumente wenig zu zählen. Denn der Kontrollfaktor sei äußerst hoch bei Elektroautos, die Hersteller könnten genau nachvollziehen, wann das Auto wie geladen wurde. Denn die Daten von Elektroauto-Akkus werden minütlich online an die Hersteller übermittelt und dokumentiert.

Zu niedriger Akku gefährdet E-Auto-Leistung nachhaltig – und führt zu Verlust der Garantie

Sogar ein zu niedriger Akkustand fällt laut vielen Betriebsanleitungen von Elektroautoherstellern schon unter schlechter Pflege eines Akkus. Bei mehr als 12 Stunden Standzeit empfiehlt Volkswagen beispielsweise, das Auto mit einem Akkustand von 30 bis 80 Prozent abzustellen. Darunter und darüber würde der Akku schneller altern und somit auch schneller an Leistung verlieren.

Bei einer ordnungsgenmäßen Nutzung müssen sich Verbraucherinnen und Verbraucher jedoch keine Gedanken über ihre Garantie-Ansprüche machen. Also gilt es zu langes, zu geringes und zu schnelles Laden zu verhindern. In der Praxis scheint das nur für wenige wirklich vollständig umzusetzen zu sein. Zuletzt zog ein Mann sogar vor Gericht, weil sein Tesla-Neuwagen wie ein „Unfallwagen“ bei ihm angekommen sei. Besser traf es einen Mann, der mit seinem gebrauchten Elektroautos lebenslang kostenlos aufladen kann.

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