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„Fehlender Respekt“: Edeka lässt keine Teenager unter 16 mehr rein

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Von: Ulrike Hagen

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Edeka-Markt sperrt wegen schlechten Verhaltens rigoros Kinder unter 16 Jahren aus. Die Aktion entfacht wilde Debatten über „gute“ Pädagogik und Sippenhaft.

Neubrandenburg – Ein Edeka-Markt sperrt gezielt eine bestimmte Personengruppe aus. Und nein, es geht ausnahmsweise mal nicht um ausufernde Hamsterkäufe im Supermarkt, gegen die auch die Verbraucherzentrale wettert – und rät, Alternativen zu nutzen. Um gegen „belegte Einkaufswagen“ und „fehlenden Respekt“ vorzugehen, ist es allen Kindern und Jugendlichen bis um 14:30 Uhr verboten, ohne die Eltern einen Edeka-Supermarkt in Neubrandenburg zu betreten.

Kreisstadt in Mecklenburg-Vorpommern:Neubrandenburg
Landkreis:Mecklenburgische Seenplatte
Fläche:85,65 km²
Einwohner:65.353
Oberbürgemeister:Silvio Witt (parteilos)

Edeka sperrt Jugendliche aus: „Zutritt unter 16 Jahren nur mit einem Erziehungsberechtigten“

„Zutritt unter 16 Jahren nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten“, verkündet das Aufstellschild vor dem Discounter, in dem wie überall im Supermarkt radikale Änderungen der Corona-Regeln und der Maskenpflicht kommen werden. Wie der „nordkurier“ berichtet, reagiert der Edeka-Markt mit dem Hausverbot „während der Schulzeit von 7:30 Uhr bis 14:30 Uhr“ – so der Aufsteller – auf „einfallende Schülerhorden“ der nahe gelegenen Gesamtschule.

Ein Jugendlicher steht vor einem Edeka-Supermarkt
Hausverbot: zwischen 7:30 und 14:30 dürfen Jugendliche nur in Begleitung eines Erwachsenen eine Edeka-Filiale in Neubrandenburg betreten. (Symbolbild, kreiszeitung.de-Montage) © Björn Vogt/dpa/imago

Kein Zutritt für Kinder und Teenager bei Edeka: „Belegen hordenweise Einkaufswagen“

„Weil die Schüler hordenweise ankommen, belegen sie auch die Einkaufswagen. Aber am Ende kauft dann nur einer von ihnen etwas. Währenddessen stehen die älteren Leute, die alle etwas kaufen möchten, draußen und müssen auf einen Wagen warten“, berichtet Marktleiterin Tina Hohenstein gegenüber dem „nordkurier“. Auf Facebook kocht nun eine Debatte darüber hoch, wie schlimm die Jugend von heute wirklich ist, und ob man Teenager pauschal in „Sippenhaft“ nehmen darf – und damit diskriminieren.

Im Netz wüten Kritiker des Teenager-Hausverbots: „Die Älteren sind doch viel schlimmer!“

„Wer schon einmal Jugendliche dieses Alters erlebt hat, die während der Schulpause in einen Supermarkt eingefallen sind, versteht den Betreiber“, verteidigt ein Nutzer die „pädagogische“ Maßnahme – und gehört damit wahrscheinlich zu den Befürwortern des Neusser Pädagogen, der die heutige Kinder-Erziehung zerreißt.

Eine andere kontert: „Dann sollten Sie auch die Älteren aussperren. Die sind oft schlimmer als die Jugend. Ein Schwachsinn!“. Dem pflichtet der nächste bei: „Das ist schon diskriminierend. Vermutlich ist der Gedanke dahinter wohl eher, dass Rentner mehr Geld in die Kasse spülen, indem sie ihre Körbe füllen, als die Schüler mit ‘ner Kleinigkeit.“ Eine meint: „Also ALLE unter 16 Jahren? Ich dachte doch wirklich, Sippenhaft gäbe es nicht. Dieser Markt gehört verklagt, finde ich.“

Userin wütet: „Ihnen wurden schon zwei Jahre ihrer Kindheit genommen – schämt euch“

Mit Bezug auf die Coronavirus-Pandemie, unter der Kinder und Jugendliche besonders leiden, mahnt eine Userin zornig: „Seit zwei Jahren sollen Kinder und Jugendliche mehr denn je zu obrigkeitshörigen und gehorsamen Menschen ‚erzogen‘ werden. Zwei Jahre ihrer Kindheit wurden ihnen genommen... und hier wird noch geklatscht. Schämt euch... mir tun die Kinder nur noch leid.“

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Die Marktleiterin aber bleibt bei ihrem Entschluss: „Meine Mitarbeiter sagen, es sei ein sehr ruhiges Arbeiten, seitdem das Schild da ist.“ Aufgrund ihres Hausrechts dürfe sie so ein Schild aufstellen, erklärte sie gegenüber der Lokalzeitung.

Edeka-Verbot für Teenager: Antidiskriminierungsstelle äußert sich: „Schießen über das Ziel hinaus“

Zu dem Zutrittsverbot für Jugendliche in dem Neubrandenburger Edeka hat sich inzwischen sogar die Antidiskriminierungsstelle des Bundes geäußert, wie der „nordkurier“ berichtet: „Maßnahmen, wie sie hier beschrieben werden, schießen über das Ziel hinaus“, stellte die Berliner Behörde gegenüber der regionalen Tageszeitung fest. Es sei sogar ein Verstoß gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) zu vermuten. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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