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„Die Sendung mit der Maus“ setzt auf Klimaschutz – und kassiert dafür Shitstorm

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Von: Yannick Hanke

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Shitstorm gegen „Die Sendung mit der Maus“. Die WDR-Kindersendung kündigt an, sich mit dem Thema Klimaschutz zu beschäftigen. Der Ärger ist groß.

Köln – Sie ist eine feste Institution im deutschen Fernsehen. Die Rede ist von der „Sendung mit der Maus“, einem vom WDR produzierten Format für Kinder. Seit mehr als fünf Jahrzehnten bekommt der Nachwuchs hier Zeichentrick- und Wissensfilme, aber auch Lach- und Sachgeschichten präsentiert. Da die Macher der „Sendung mit der Maus“ auch mit der Zeit gehen wollen, wird sich sechs Wochen lang mit dem Umwelt- und Klimaschutz beschäftigt. Das gefällt längst nicht allen.

Sendung:Die Sendung mit der Maus
Musik:Hans Posegga
Idee:Gert Kaspar Müntefering
Erstausstrahlung:7. März 1971 auf Deutsches Fernsehen
Länge:30 Minuten
Episoden:2300+
Genre:Wissens- und Unterhaltungssendung für Kinder

Großer Shitstorm für „Die Sendung mit der Maus“ – weil Kinderformat über Klimaschutz berichtet

Wie das Onlinemagazin „dwdl.de“ berichtet, widmet sich „Die Sendung mit der Maus“ ab Sonntag, 24. Juli 2022, jeweils am letzten Tag der Woche dem Klima-Schwerpunkt. Das Format läuft dabei unter der Rubrik „Sommer-Sachgeschichten-Reihe“ und soll Kinder quasi spielerisch an den Umwelt- und Klimaschutz heranführen. Vielleicht wird ihnen sogar erklärt, warum sich Klima-Aktivisten auf Autobahnauffahrten festkleben – und anschließend mit Olivenöl losgelöst werden.

Im kleinen Bild dreht sich ein einzelnes Windrad vor den dampfenden Kühltürmen eines Braunkohlekraftwerks. Im großen Bild schwingt die namensgebende Titelfigur der WDR-Produktion „Die Sendung mit der Maus“ auf einem Dreirad durch eine kahle Landschaft.
Die WDR-Institution „Die Sendung mit der Maus“ widmet sich sechs Wochen lang dem Klima- und Umweltschutz. Dafür kassiert das Format für Kinder einen Shitstorm auf Facebook. (24hamburg.de-Montage) © Patrick Pleul/dpa/Allstar/imago

Die aktuellen Moderatoren der „Sendung mit der Maus“, namentlich Clarissa Corrêa da Silva, Ralph Caspers, Laura Kampf und Johannes Büchs berichten dabei über „gute Ideen, die zum Klimaschutz beitragen“. So heißt es zumindest in einer offiziellen Mitteilung. Generell sei ein multimedialer Schwerpunkt geplant, der auch das Radio mit „MausLive“, den Podcast „Die Maus zum Hören“ sowie diverse Social-Media-Kanäle umfasst. Den Klimaschutz erachtet übrigens auch eine Diplom-Pädagogin als wichtig und empfiehlt in diesem Kontext, dass Kinder alles machen sollten.

„Das Ganze von zwangsmäßig eingetriebenen Gebühren“: Viel Spott für „Die Sendung mit der Maus“

Allem Anschein nach zu viel des Guten für den ein oder anderen, vermeintlichen Fan der „Sendung mit der Maus“. Das beliebte Format für Kinder wird einmal in der Woche am Sonntag ausgestrahlt. Dass die vergleichsweise geringe Sendezeit von 30 Minuten pro Folge sechs Wochen lang mit Klima- und Umweltschutzthemen gefüllt werden soll, stößt bei Facebook auf reichlich Kritik. Wie übrigens auch die Forderung einer Umweltschützerin, dass Reiche „höchstens zwei Kinder bekommen“ sollten.

„Also von den ehemaligen Sach- und Lachgeschichten jetzt zur indoktrinativen Klimaesoterik?!“, lautet nur einer der gehässigen und negative Kommentare. Oder aber: „Und das Ganze von zwangsmäßig eingetriebenen Gebühren. Super. Praktische Durchführung des Arsch-Experiments“. Damit wird auf ein Experiment aus den 1950er-Jahren angespielt, bei dem die Beeinflussung der Meinung oder des Urteils einer Einzelperson durch die Meinung oder das Urteil einer Gruppe untersucht wurde.

„Die Sendung mit der Maus“ berichtet über Klima- und Umweltschutz – Kritik folgt direkt

Schwer zu glauben, dass „Die Sendung mit der Maus“ solch einen Plan verfolgt. Vielmehr soll ein informativer Pfad verfolgt werden, um unterschiedliche Themen rund um den Klima- und Umweltschutz, dessen Werbung in Hamburg „mehr Energie als ein Stadtteil“ verbraucht, zu vermitteln. Zum Start der Sommerreise 2022 geht es beispielsweise auf die Zugspitze, wo sich die große Umweltforschungsstation Schneefernerhaus genauer angeschaut wird.

Danach kommt der sechswöchige Intensivlehrgang `Die Sendung mit der Maus*in`.

Ein gehässiger Facebook-Kommentar spielt auf die Klima- und Umweltschutzwochen bei der „Sendung mit der Maus“ an

Was ist überhaupt das Klima? Wer zeichnet für den Treibhauseffekt verantwortlich? Und woraus besteht eigentlich „grüner Wasserstoff“? Fragen, welche die Redaktion und die Moderatoren von der „Sendung mit der Maus“ umtreiben. Das ist aber nun mal nicht für jeden verständlich. Ein Kommentar wie „Alleine schon die Verwendung des Wortes Klimakrise lässt vermuten, dass es mehr um Alarm machen geht als um eine Erklärung. Frei nach dem Motto: Hilfe, wir werden alle am Klima sterben“, zeugt davon. Auch der Kommentar „Da wird dann nicht das Wahre, sondern die Ideologie von Geisteskranken eingetrichtert“ spricht Bände.

Shitstorm gegen „Sendung mit der Maus“ schon für Bericht über Transfrau

Da bleibt nur zu hoffen, dass die Netz-Reaktionen während der Ausstrahlung der „Sommer-Sachgeschichten-Reihe“ von der „Sendung mit der Maus“ nicht zu sehr ausarten. Traurigerweise ist dies nicht die erste Diskussion, welche die Kindersendung in jüngster Vergangenheit über sich ergehen lassen musste. Der „Sendung mit der Maus“-Beitrag über eine Transfrau hatte im Netz zu einer hitzig geführten Debatte geführt.

ARD und ZDF wurde gar vorgeworfen, dass sie die Kinder „umerziehen“ wollen. Im „Spiegel“ setzte sich WDR-Kinderprogrammchefin Brigitta Mühlenbeck dagegen zur Wehr. „Dass es so viele Reaktionen geben würde, hat uns überrascht. In unserer Wahrnehmung hat das Thema längst seinen Platz in der Öffentlichkeit – und auch schon länger in unserem Kinderprogramm“, hieß es von ihr. Man wolle lediglich „zu fortführenden Gesprächen in Familien anregen“ – wie auch beim Thema Klimaschutz. Oder hätten Sie gedacht, dass die Astronomie über 20 Millionen Tonnen Klimagase freisetzt?

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