Vierschanzentournee-Sieger

Thomas Diethart: Der Kanzler gratuliert

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Tournee-Sieger Thomas Diethardt.

Bischofshofen - Youngster Thomas Diethart hat die Weltspitze düpiert und im ersten Anlauf die Vierschanzentournee gewonnen. Dem 21-Jährigen wird eine goldene Zukunft vorausgesagt.

Cheftrainer Alexander Pointner verneigte sich ehrfurchtsvoll, der geschlagene Thomas Morgenstern zog seinen Hut - und sogar der Bundeskanzler reihte sich in die lange Schlange der Gratulanten ein. Thomas Diethart hätte nach seinem sensationellen Triumph bei der Vierschanzentournee wohl am liebsten die ganze Welt umarmt, stattdessen suchte der Youngster händeringend nach den richtigen Worten.

„Es wird noch eine ganze Zeit dauern, bis ich realisiert habe, was da passiert ist“, sagte Diethart, der die Angriffe des dreimaligen Olympiasiegers Morgenstern und des viermaligen Olympiasiegers Ammann beim großen Finale eiskalt abwehrte. Mit gerade mal 21 Jahren ist dem Österreicher der große Coup gelungen, der ihn plötzlich auch zum Favoriten auf Olympia-Gold bei den Winterspielen im Februar in Sotschi macht.

Sogar Österreichs Kanzler Werner Faymann ließ sich da nicht zweimal bitten und gratulierte. „Als Nachwuchstalent ist Thomas Diethart in diese Bewerbe gestartet, und als Sieger hat er sie abgeschlossen. Eindrucksvoll und mit Nervenstärke meisterte er diese 62. Vierschanzentournee. Ich gratuliere ihm recht herzlich dazu“, sagte der Bundeskanzler.

In Bischofshofen feierte der ehemalige Turner Diethart den zweiten Weltcupsieg innerhalb weniger Tage - und den überlegenen Tourneesieg dazu. „Ich würde sagen, das zeigt, wie schnell es im Skispringen gehen kann“, sagte Diethart ganz locker: „Es gibt genug körperlich gute Leute, aber es kommt nur drauf an, dass man es mental umsetzt.“

Diethart tauchte vor der Tournee wie aus dem Nichts auf, sprang in Engelberg nur deshalb im Weltcup mit, weil sich Morgenstern bei einem Sturz verletzt hatte. Drei Wochen später nahm er den 20 Kilogramm schweren Siegerpokal in Empfang, wurde von Zehntausenden Zuschauern bejubelt und genoss unter dem Nachthimmel von Bischofshofen das bunte Siegerfeuerwerk.

„Vor dem letzten Sprung war es richtig geil. Ich habe das total genossen“, sagte Diethart. Österreichs Nationaltrainer Pointner meinte: „Ich habe gewusst, dass er die Nerven behält, er war so cool. Ich habe richtig Gänsehaut bekommen.“

Dietharts Aufstieg in nicht einmal einem Monat verlief kometenhaft, dabei hätte es mit der Karriere fast nicht geklappt. „Uns ist das Geld ausgegangen“, erzählte Vater Gernot vor der Tournee. Nun standen die Eltern mit feuchten Augen an der Schanze, als für ihren Sohn auf dem Podium die Nationalhymne der Alpenrepublik gespielt wurde. „Die Familie ist für mich total wichtig. Ich bin richtig stolz auf meine Eltern, ihnen widme ich den Sieg“, sagte Diethart.

Das hat einen Grund. Diethart stammt aus Michelhausen in Niederösterreich, die nächste Sprungschanze ist etwa zwei Stunden mit dem Auto entfernt. Deswegen mussten ihn die Eltern immer fahren, sie gaben jeden Cent für die Karriere des „Flachland-Tirolers“ aus. Das brachte nun den ersten, wahrscheinlich aber nicht letzten Erfolg.

„Ich habe so eine Geschichte in der Form im Skispringen noch nie erlebt“, sagte Bundestrainer Werner Schuster. Er konnte wieder mal nur aus der Ferne zusehen, als die Siegerpokale übergeben wurden, würdigte Dietharts Leistung aber neidlos: „Respekt. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.“ Damit ist Schuster wahrlich nicht alleine.

sid

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