Karl Geiger im Interview

Skispringen: "Ich habe mit der Vierschanzentournee noch eine Rechnung offen"

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Skispringen: Karl Geiger bejubelt seine Silbermedaille bei der WM Seefeld

Vor dem Start in den Weltcup 2019/20 im Skispringen spricht Karl Geiger über seine Saisonziele, den neuen Bundestrainer und sein persönliches Saison-Highlight.

Oberstdorf - Karl Geiger aus Oberstdorf feierte in der Vorsaison seine ersten Weltcupsiege im Skispringen. Zudem gewann er bei der Weltmeisterschaft in Seefeld die Silbermedaille von der Großschanze, Gold mit dem deutschen Team und Gold im Mixed-Wettbewerb.

Vor dem Start in die neue Weltcup-Saison im Skispringen spricht der 26-Jährige im Interview mit chiemgau24.de über seine Saisonziele, das deutsche Team, den neuen Bundestrainer Stefan Horngacher und sein Verhältnis zur Vierschanzentournee.

Der Weltcup 2019/20 im Skispringen beginnt am 23. November, am 24.11 steht der erste Einzelwettbewerb an. Karl Geiger ist Teil des deutschen Teams und gehört zu den Geheimfavoriten im Kampf um den Gesamtweltcup.

Das sieht auch der ehemalige Weltklasse-Springer Sven Hannawald in seinem Interview mit chiemgau24.de so.

Skispringen: Karl Geiger im Interview

chiemgau24.de: Herr Geiger, was haben Sie sich für die neue Saison vorgenommen? Was sind Ihre Saisonziele?

Karl Geiger: Ich will mich weiterentwickeln und mein gesamtes System weiter optimieren. Insgesamt will ich konstanter werden, das hat zunächst einmal nichts mit Platzierungen zu tun.

Wie bekommt man mehr Konstanz in seine Leistungen?

Das ist schwer zu greifen und hängt von vielen Faktoren ab. Im Positiven wie auch im Negativen. Macht man schon im Anlauf einen kleinen Fehler, kommt oft ein Fehler im Absprung dazu und das zieht sich dann durch den ganzen Sprung durch. Daraus kann sich schnell ein negativer Trend entwickeln, der dann auch das Selbstvertrauen beeinflusst. Umgekehrt kann, wenn alles gut funktioniert, aber auch ein positiver Trend entstehen, der dann die entsprechende Konstanz in die Leistungen bringt.

Wie gehen Sie mit Rückschlägen um?

Ich habe mit der Zeit gelernt, damit besser umzugehen. Ganz freimachen kann ich mich von schlechten Ergebnissen aber nicht. Ich beschäftige mich dann sehr intensiv mit den Punkten, die nicht gut gelaufen sind, und versuche über die detaillierte Fehleranalyse wieder in Form zu kommen.

Und wie gehen Sie mit positiven Erlebnissen um? Wie war denn das Gefühl nach ihrem ersten Weltcup-Sieg in Engelberg?

Da waren sehr viele Emotionen im Spiel. Man trainiert das ganze Jahr, ja eigentlich ein ganzes Leben, hart dafür, ganz oben auf dem Podest zu stehen. Wenn das dann passiert, muss man das auch genießen, ohne aber die Bodenhaftung zu verlieren.

Sie haben die erfolgreichste Saison Ihrer Karriere hinter sich. Was hat sich dadurch für Sie persönlich verändert?

Die Aufmerksamkeit ist gestiegen, aber alles in einem angenehmen Rahmen. Ich freue mich natürlich über die Anerkennung, aber weiß das auch gut einzuschätzen. Die Saison geht wieder bei Null los, jetzt gilt es für mich, die gezeigten Leistungen zu bestätigen.

Wie ist die Vorbereitung auf die neue Saison gelaufen?

Insgesamt bin ich gut durch den Sommer gekommen. Klar ist in so einer langen Trainingsphase immer mal wieder ein schlechterer Sprung dabei, aber grundsätzlich bin ich gut in Form, mein Grundsystem passt.

Haben Sie Änderungen im Sommer vorgenommen?

Ein paar Kleinigkeiten im technischen und materiellen Bereich habe ich verändert, gravierende Eingriffe sind das aber nicht. Vieles passt man ohnehin im Laufe der Saison an, wenn der entsprechende Bedarf bestehen sollte.

Wie schätzen Sie Ihr derzeitiges Formlevel ein?

Ich fühle mich gut. Bei den Deutschen Meisterschaften lief es sehr gut für mich und auch der Lehrgang danach in Garmisch-Partenkirchen war erfolgreich. Vom Grundprinzip bin ich gut sortiert und fühle mich gut vorbereitet. Was das dann im Vergleich zur internationalen Konkurrenz Wert ist, wird der Saisonstart zeigen.

Mit Stefan Horngacher hat das deutsche Skispringen einen neuen Bundestrainer. Wie groß ist die Veränderung?

Die ist schon spürbar. Neben Stefan haben wir auch ein neues Trainerteam und neue Physiotherapeuten. Dadurch ändern sich natürlich einige Abläufe, neuer Input kommt ins Team. Die Zusammenarbeit läuft sehr gut bislang, wir haben uns gut aufeinander eingestellt.

Haben Sie mit Stefan Horngacher schon vor seinem Wechsel nach Polen zusammengearbeitet?

Als er noch Co-Trainer von Werner Schuster war, sind wir uns immer wieder begegnet. Ich war zu dieser Zeit noch nicht fest im Weltcup-Team, bin aber immer wieder im Weltcup mitgesprungen und hatte so auch entsprechend Kontakt mit ihm. Über eine ganze Saison hinweg haben wir bislang aber noch nicht zusammengearbeitet.

Der Weltcup beginnt im polnischen Wisla. Kommt Ihnen die Schanze entgegen?

Die Schanze in Wisla hat ihren ganz eigenen Charakter und ist sehr selektiv. Ich habe dort schon gute Sprünge gezeigt. Wenn aber schon Kleinigkeiten nicht passen, kann es schnell in eine andere Richtung abdriften. Wenn man gut in Form ist, bietet die Schanze viele Möglichkeiten.

Das deutsche Team war in der vergangenen Saison qualitativ und quantitativ gut aufgestellt. Wie sehr pusht ein starkes Team einen Individualathleten?

Eine starke Mannschaft ist ein ganz wichtiger Faktor. Einerseits erhöht sich so das Niveau im Training und spornt mich an, mit meinen Teamkollegen mithalten zu können. Andererseits nimmt es auch Druck von dem einzelnen Athleten. Wenn man mal einen schlechten Tag erwischt, ist meistens einer der Teamkollegen da, der dann für das deutsche Skispringen noch ein gutes Ergebnis einfährt. Das gibt ein Gefühl von Sicherheit.

Wie schätzen Sie den Leistungsstand der Mannschaft vor dem Weltcup-Auftakt ein?

Die Eindrücke aus dem Training sind gut. Wir arbeiten hart an uns und sind als Mannschaft geschlossen aufgestellt. Ob sich das dann gleich in Wisla in positive Ergebnisse ummünzen lässt, müssen wir abwarten. Grundsätzlich müssen wir uns vor den anderen Nationen aber nicht verstecken.

Apropos. Wer sind die härtesten Konkurrenten für die deutschen Skispringer in der neuen Saison?

Oh, da gibt es einige Kandidaten. Die Teams aus Polen, Norwegen und Österreich muss man immer auf dem Zettel haben. Und auch bei den Japanern hat sich viel getan. Angeführt vom Zugpferd Ryoyu Kobayashi hat sich eine starke Mannschaft aus vielen jungen und motivierten Springern gebildet. Man muss abwarten, wie sich die Saison entwickelt. Die letzte Saison hat ja gezeigt, dass auch immer wieder Überraschungen möglich sind. Kobayashi beispielsweise ist nicht wirklich als Favorit in die Saison gegangen und hat dann überragende Leistungen abgeliefert.

Was sind Ihre Saiso-Highlights?

Das sind die üblichen Verdächtigen, die Vierschanzentournee und die Skiflug-WM in Planica. Vor allem mit der Vierschanzentournee habe ich noch eine Rechnung offen. Dort habe ich im letzten Jahr meine guten Leistungen aus den Springen vor der Tournee nicht bestätigen können. Das soll in diesem Jahr anders laufen.

Herr Geiger, vielen Dank für das Gespräch und Ihre Zeit!

Quelle: chiemgau24.de

*chiemgau24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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