Erster Einzel-Titel seiner Karriere

Freund nach Wind-Absage Skiflug-Weltmeister

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Severin Freund ist mit 203,5 und 191,5 Metern zu seinem ersten Einzel-Titel gesprungen.

Harrachov - Severin Freund ist neuer Skiflug-Weltmeister. Der 25-Jährige gewann im tschechischen Harrachov nach einer Absage des dritten und vierten Durchgangs aufgrund von zu starkem Wind.

Severin Freund wusste gar nicht, wie ihm geschah, als die ersten Gratulanten auf ihn zustürmten. Der 25-Jährige erfuhr beim leichten Aufwärmprogramm vor den Teamcontainern von seinem Gold-Triumph bei der Skiflug-WM in Harrachov. „Ein norwegischer Techniker hat mir von der Absage erzählt. Im ersten Moment habe ich das gar nicht geglaubt“, sagte der Bayer überglücklich nach der Siegerehrung.

Doch es war kein Traum, sondern Realität: Am tschechischen Teufelsberg gewann Freund nach der Absage der beiden letzten Durchgänge den ersten Einzel-Titel seiner Karriere und beendete einen jahrelangen Fluch. Bei Großereignissen war Deutschlands bester Skispringer dreimal undankbarer Vierter geworden - zuletzt bei Olympia in Sotschi.

Severin Freund: Da "ist verdammt viel Genugtuung dabei"

Seit Samstag ist das alles vergessen. „Nach den vielen vierten Plätzen ist verdammt viel Genugtuung dabei, auch wenn ich es heute gerne auf der Schanze ausgemacht hätte. Aber ich habe schon am Freitag deutlich gezeigt, dass ich der Beste war. Neben Team-Gold bei Olympia war das heute das Größte, was ich bisher erreicht habe“, sagte Freund.

Ein Sturm im Riesengebirge ließ am Samstag auch nach zahlreichen Verschiebungen keinen Wettkampf zu, nur die Sprünge vom Vortag kamen in die Wertung. Dort war Freund auf 203,5 und 191,5 Meter gesegelt, seine 391,0 Punkte reichten zum Sieg vor dem Norweger Anders Bardal (379,9) und Topfavorit Peter Prevc aus Slowenien (375, 6). Freund ist der erste deutsche Skiflug-Weltmeister seit Sven Hannawald, der 2002 ebenfalls in Harrachov triumphiert hatte.

"Severin wird sich nie wieder rechtfertigen müssen"

„Das war eine grandiose Vorstellung. Severin wird sich nie wieder rechtfertigen müssen. Er hat hier gezeigt, dass er absolut ein Mann für große Medaillen ist“, sagte Bundestrainer Werner Schuster, der Freund nach der Siegerehrung lange in den Arm nahm.

Nur 26 Tage nach dem Gewinn der Goldmedaille im olympischen Teamwettbewerb krönte Freund mit seiner Flugshow die mit Abstand erfolgreichste Saison seiner Karriere. Zuletzt hatte der Überflieger drei Weltcup-Siege in nur zwei Wochen gefeiert. „Er springt seit Wochen extrem stark und konstant“, lobte nicht nur Superstar Gregor Schlierenzauer (Österreich) den Dritten des Gesamtweltcups.

Seine Topform hatte Freund auch in Harrachov von Beginn an unter Beweis gestellt. Schon in der Qualifikation am Donnerstag gelang ihm die zweitbeste Weite, am Freitag lag er nach dem ersten Durchgang ebenfalls auf Rang zwei. Eine Stunde später überholte er bei schwierigeren Bedingungen den höher eingeschätzten Prevc und legte den Grundstein zu Gold.

"Was für ein Tag, was für eine Chance für Severin"

„Was für ein Tag, was für eine Chance für Severin“, brüllte der Stadionsprecher nach der Landung in sein Mikrofon. 24 Stunden später nutzte Freund diese Chance, ohne überhaupt vom Bakken zu gehen. Insgesamt ist Freund der fünfte deutsche Skiflug-Weltmeister nach Hans-Georg Aschenbach (1973), Klaus Ostwald (1983), Dieter Thoma (1990) und Hannawald (2000, 2002).

Andreas Wellinger (Ruhpolding) landete als zweitbester Deutscher auf dem 13. Platz. Routinier Michael Neumayer (Berchtesgaden) und WM-Debütant Markus Eisenbichler (Siegsdorf) waren auf den Rängen 34 und 38 bereits nach dem ersten Durchgang ausgeschieden.

Wetterprognosen auch für Sonntag schlecht

Auch andere große Namen gingen leer aus. Der 41 Jahre alte Japaner Noriaki Kasai und Doppel-Olympiasieger Kamil Stoch aus Polen landeten auf den Plätzen vier und fünf. Noch weiter hinten reihte sich Superstar Gregor Schlierenzauer (Österreich) ein, der Weltmeister von 2008 wurde nur 24. Überhaupt erlebten die Austria-Adler ein Fiasko, bester Österreicher war Vierschanzentournee-Gewinner Thomas Diethart als Neunter.

Beendet ist die WM in Harrachov noch nicht: Für Sonntag (14.00 Uhr/ARD und Eurosport) ist ein Teamwettbewerb geplant. Dabei gilt das DSV-Quartett, in Sotschi noch Olympiasieger, nach den wechselhaften Leistungen der vergangenen Wochen allerdings nicht als Favorit. Die Wetterprognosen sind indes erneut schlecht. Severin Freund: „Wir müssen hoffen und beten.“

dpa/SID

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