Eishockey-WM in Tschechien

Lob und Kritik: Cortina kämpft um seinen Job

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Pat Cortina sieht einer ungewissen Zukunft entgegen.

Prag - Für Bundestrainer Pat Cortina war die WM bisher eine Achterbahnfahrt, er wurde kritisiert und gelobt. Seine Zukunft entscheidet sich direkt nach dem Turnier.

Auf ihn prasselte schon so viel Kritik ein, da nahm Pat Cortina das Lob aus der Mannschaft lieber mit Vorsicht auf. „Spieler können auch lügen“, sagte der Eishockey-Bundestrainer nach dem starken WM-Auftritt der Nationalmannschaft beim knappen 3:4 gegen Titelanwärter Schweden. Mit einem Lächeln fügte er an: „Es war Team-Coaching. Vielleicht ist es das, was sie meinten: Ich höre auf meine Co-Trainer, deswegen mache ich meinen Job gut.“

Wer wollte, der könnte in diesen Satz bittere Ironie interpretieren. Viel zugetraut hatte man Cortina nicht mehr, er wurde in manchen Medien wegen seiner fast aussichtslosen Chancen auf eine Vertragsverlängerung sogar als „lame duck“ bezeichnet.

Über die Zukunft wird nach dem Turnier geredet

Klar ist: Verpasst die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) das Viertelfinale, ist die WM in Tschechien mit hoher Wahrscheinlichkeit Cortinas Abschiedsveranstaltung. Deswegen war das richtungsweisende fünfte Gruppenspiel am späten Freitagabend gegen Lettland für den gebürtigen Kanadier enorm bedeutend.

„Die Zukunft besprechen wir nach dem Turnier - das dann aber zügig“, sagte DEB-Präsident Franz Reindl in Prag. In der Trainerfrage sind auch das Kompetenzteam, das Direktorat und der Aufsichtsrat der Deutschen Eishockey Liga (DEL) eingebunden.

Sollten die Funktionäre das Aus für Cortina beschließen, müssen sie eine Grundsatz-Entscheidung treffen, ob künftig eine Doppellösung infrage kommt. Dann würden die Aktien von Ex-Bundestrainer Uwe Krupp, der zurzeit die Eisbären Berlin betreut, deutlich steigen. „Ich glaube schon, dass Uwe es machen würde“, sagte der Berliner Verteidiger Jens Baxmann.

Ergebnisse sprechen gegen Cortina

Doch noch kämpft Cortina um seinen Job. Und das tut er mit einer bewundernswerten Anständigkeit. Vorwürfe kommen ihm nicht über die Lippen, weder in Richtung der 23 Spieler, die vor der WM abgesagt hatten, noch in Richtung der Verbandsspitze, die ihn hinhält. „Der Bundestrainer“, sagte Ex-Nationalspieler Lorenz Funk senior der Berliner Zeitung, „der ist eine arme Sau.“

Die sportliche Bilanz spricht aber nicht für Cortina. In seiner dreijährigen Amtszeit verpasste die Nationalmannschaft zum ersten Mal überhaupt sportlich die Olympischen Spiele, sie belegte bei der WM 2014 einen desolaten 14. Platz und fiel in der Weltrangliste auf den 13. Rang ab. Die beiden Siege beim Deutschland-Cup (2012 und 2014) hübschen die Bilanz kaum auf.

Die WM in Tschechien war für Cortina eine Achterbahnfahrt. Er erntete von den Medien Anerkennung für seine reflektierte Einschätzung des 2:1-Zittersiegs gegen Frankreich, aber auch Kritik für sein emotionsloses Coaching beim 0:10-Debakel gegen Kanada. Nach dem offensiven Offenbarungseid beim 0:1 gegen die Schweiz beschwerte sich der Hamburger Thomas Oppenheimer öffentlich über die Taktik beim Überzahlspiel.

Gegen Schweden stellte Cortina die Angriffsreihen um, danach meinten Oppenheimer und Mannheims Meisterstürmer Matthias Plachta: „Der Trainer hat einen guten Job gemacht.“ Cortinas vorsichtiger Umgang mit dem Lob ist also nur verständlich.

SID

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