Auch Polizeisprecher äußert sich

Video: Neureuther über Unfall - Diagnose da

München - Felix Neureuther ist nach seinem Unfall am Freitagmorgen mit dem Schrecken davon gekommen. Die deutsche Medaillenhoffnung startet am Samstag nach Sotschi.

Felix Neureuther geht es nach seinem Autounfall, den er am Freitagmorgen hatte, so weit gut. "Ich werde wahrscheinlich morgen nach Sotschi fliegen", sagte der Skifahrer am Freitagmittag. Auch ein Antreten der Medaillenhoffnung ist offenbar nicht in Gefahr: "Ich gehe in Sotschi an den Start."

+++ Aktuell +++ Felix Neureuther: Olympia-Training in Sotschi nach Unfall abgebrochen

Zu dem Unfallhergang sagte die deutsche Goldhoffnung, dass er das Glatteis nicht habe sehen können. "Für den Schaden, der an den Leitplanken entstanden ist, werde ich selbstverständlich aufkommen", so Neureuther.

Der Slalomspezialist hat bei seinem Autounfall ein Schleudertrauma und eine Zerrung des Bandapparates erlitten. Das teilte der Deutsche Skiverband am Freitag mit. Nach dem Aufprall spürte er geprellte Rippen. Die Untersuchungen in München ergaben aber keinen Hinweis auf knöcherne Verletzungen.

Hier verlässt Neureuther nach seinem Unfall die Praxis

Hier verlässt Neureuther nach seinem Unfall die Praxis

Nicht nur Neureuther hatte am frühen Freitagmorgen Probleme mit Glatteis auf der Autobahn. Wie einige User auf der Homepage merkur-online.de bestätigten, war die Strecke bei Wolfratshausen immer wieder von plötzlichen Eisstellen belegt.

Der deutsche Chef de Mission Michael Vesper zeigte sich nach der Diagnose erleichtert: „Wir freuen uns, dass der Unfall von Felix Neureuther glimpflich ausgegangen ist und er am Samstag in Sotschi zu unserer Mannschaft stößt“, sagte er am Freitag. „Seinem Start bei den vorgesehenen Wettbewerben steht aus gegenwärtiger Sicht nichts entgegen.“ Felix Neureuther könne seinen Traum, an den Olympischen Winterspielen in Sotschi teilzunehmen, „aller Voraussicht nach wahr machen“.

Neureuther soll in der kommenden Woche in Riesenslalom und Slalom starten und ist eine große deutsche Medaillenhoffnung der deutschen Skirennfahrer. „Es sollte mit dem Start dann hoffentlich funktionieren“, meinte er in München. „Wir sind relativ optimistisch“, sagte der deutsche Alpindirektor Wolfgang Maier der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings könne man erst am zweiten oder dritten Tag sagen, wie die Auswirkungen des Schleudertraumas seien. „Aber Felix fährt immer gute Rennen, wenn eine Vorgeschichte da ist“, betonte Maier. „Es geht ihm den Umständen enstprechend ganz gut“, sagte der deutsche Herren-Cheftrainer Karlheinz Waibel.

Unfall auf dem Weg nach Sotschi

Ein Autounfall hatte Neureuther auf dem Weg zu den Olympischen Winterspielen jäh gestoppt und dem Skirennfahrer auch noch Ärger mit der Justiz eingebracht. Statt nach Sotschi zu fliegen, musste die deutsche Medaillenhoffnung am Freitag zur Untersuchung zum Arzt. Der 29-Jährige war am frühen Morgen auf dem Weg zum Münchner Flughafen mit seinem Wagen auf der Autobahn ins Rutschen gekommen und gegen eine Leitplanke geprallt. Sohn Felix habe selbst weiterfahren können, berichtete Vater Christian Neureuther. Auch daraus zog der frühere Skirennfahrer die Hoffnung, dass sein Sohn körperlich einigermaßen glimpflich davon gekommen ist.

Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf Unfallflucht

Folgenlos aber blieb der Unfall keineswegs. Die Staatsanwaltschaft München II leitete noch am selben Tag ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf Unfallflucht ein. Das Verfahren richte sich gegen den Fahrer des Unfallwagens, hieß es aus dem Polizeipräsidium Oberbayern Süd.

Der WM-Zweite im Slalom erlitt nach erster Diagnose ein Schleudertrauma. Schnell suchte er die Praxis von FC-Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt auf. „Er will alle therapeutischen und diagnostischen Möglichkeiten abklären“, erklärte der deutsche Herren-Cheftrainer Karlheinz Waibel. „Wir können froh sein, dass wir drüber diskutieren, ob er einen Tag später kommt“, betonte der Coach in der ARD. Neureuther wurde geröntgt und eine Kernspintomographie wurde vorgenommen.

Unfall auf dem Weg zum Münchner Flughafen

Der Unfall geschah auf der Autobahn 95 bei Starnberg auf dem Weg zum Münchner Flughafen. Von dort wollte der Skirennfahrer zu seinen dritten Winterspielen starten. „Er ist auf schneeglatter Autobahn in der Nähe von Starnberg gegen die Leitplanke gefahren. Er konnte die Fahrt selbst fortsetzen und ist jetzt in Behandlung“, bestätigte DOSB-Sprecher Christian Klaue.

Ebenfalls mit im Auto war seine Freundin, die Biathletin Miriam Gössner. „Uns ist Gott sei Dank nichts Schlimmes passiert“, sagte sie der „tz“.  Gössner, die wegen ihrer Rückenverletzung in Sotschi nicht starten kann, rief die Polizei in Garmisch-Partenkirchen an, um den Unfall zu melden. „Das Glatteis kam aus dem Nichts“ sagte sie. „Das war nicht vorherzusehen. Zum Glück war es noch so früh und keine weiteren Autos waren unterwegs.“

Dass sein Sohn auf dem Weg zum Olympia-Flieger nicht auf die Polizei habe warten können, sei verständlich, betonte Christian Neureuther im Gespräch mit der dpa. Kein anderes Fahrzeug sei beteiligt gewesen. „Es geht hier nicht um Fahrerflucht, wichtig ist doch nur, dass er gesund ist und kein anderer beteiligt war“, meinte Vater Neureuther.

"Sieh zu, dass du rasch fit wirst"

Sofort Anteil nahm selbst der große Slalom-Konkurrent aus Österreich. „Felix Neureuther, was machst du für Sachen?! Sieh zu, dass du rasch fit wirst. Ich drücke dir die Daumen!!! Alles Beste, freue mich auf dich“, postete Weltmeister Marcel Hirscher. Daumen drückte auch WM-Torschützenkönig Thomas Müller. „Hoffentlich ist es nicht so schlimm und es klappt mit der Medaille in Sochi. Der Herminator hat`s damals auch geschafft... Kopf hoch, Felix und GUTE BESSERUNG!“, schrieb der Fußball-Nationalspieler in einem sozialen Netzwerk.

Neben Maria Höfl-Riesch, die Gold in der Super-Kombination gewann, ist Neureuther die größte Medaillenhoffnung der deutschen Alpinen bei den Wettbewerben im „Rosa Chutor“-Alpinzentrum. Dort soll er in der kommenden Woche Mittwoch im Riesenslalom und nächsten Freitag im Slalom an den Start gehen. Drei Weltcupsiege und insgesamt fünf Podestplätze stehen beim Technik-Ass in dieser Saison zu Buche.

In der Olympia-Saison hatte Neureuther schon vor dem Unfall vom Freitag viel Pech. Nach einer Operation Anfang Juni am linken Sprunggelenk hatte er große Probleme mit der Wundheilung. Statt zwei Wochen dauerte der Genesungsprozess mehr als vier Monate. Das obligatorische Trainingslager in Neuseeland musste er daher absagen. Erst im September kehrte er wieder ins Schneetraining zurück. Beim Konditionstraining Anfang Oktober knickte Neureuther um und erlitt einen Bänderanriss im rechten Sprunggelenk. Diese Blessur handicapte ihn jedoch nicht weiter.

Weiter gebremst wurde der achtmalige Weltcupsieger im Dezember. Im Slalomtraining erlitt der Partenkirchener Rückenprellungen und einen knöchernen Kapselausriss am rechten Daumen. Danach fuhr er mit einer Schiene dennoch überaus erfolgreich.

Am Vorabend postete Neureuther in einem sozialen Netzwerk noch ein Foto mit einem Hund und den Worten „Noch träum ich von Olympia! „Morgen um 7 Uhr geht der Flieger nach Sotchi, good night“. Am nächsten Morgen war die Vorfreude zumindest vorerst dahin.

dpa/mm/tz

Rubriklistenbild: © dpa

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