Leichtathletik-WM in Moskau

Bolt rast zu Gold - deutsches Silber im Zehnkampf

+
Michael Schrader feierte in Moskau den größten Triumph seiner bisherigen Karriere.

Moskau - Usain Bolt war mit seinem Sieg über 100 m der König des ersten Wochenendes bei der Leichtathletik-WM in Moskau. Zehnkämpfer Michael Schrader bescherte dem deutschen Team mit Silber die erste Medaille.

Im Windschatten von Sprint-Dominator Usain Bolt hat Michael Schrader den Wettkampf seines Lebens abgeliefert und bei der WM in Moskau überraschend die Silbermedaille im Zehnkampf erobert. Während Bolt die erwartete One-Man-Show abzog und sich in 9,77 Sekunden seinen sechsten Weltmeistertitel sicherte, musste sich Schrader nur Weltrekordler Ashton Eaton geschlagen geben. Das erste deutsche Edelmetall in der russischen Metropole war die erste Medaille eines deutschen Zehnkämpfers seit 16 Jahren.

Der sechsmalige Olympiasieger Bolt setzte seinen Weg zur Leichtathletik-Legende unbeirrt fort. Im mit Spannung erwarteten 100-m-Finale von Moskau degradierte der schnellste Mann der Welt die Gegner im Luschniki-Stadion wieder einmal zu Statisten. Mit seinem insgesamt sechsten WM-Gold rehabilitierte sich Bolt zudem für das Fehlstart-Fiasko der Weltmeisterschaften in Daegu 2011.

Bolt erledigt Pflichtübung

Wie so oft musste der Jamaikaner auf der nach einem Regenguss nassen Bahn nicht einmal sein gesamtes Potenzial ausschöpfen, um Athen-Olympiasieger Justin Gatlin aus den USA (9,85) und seinen jamaikanischen Landsmann Nesta Carter (9,95) auf die Plätze zwei und drei zu verweisen.

Nachdem Bolts ärgster Kontrahent Tyson Gay (USA) und der gar nicht erst qualifierte Asafa Powell (Jamaika) im Vorfeld der WM positiv getestet worden waren und Titelverteidiger Yohan Blake (Jamaika) verletzt abgesagt hatte, geriet der Triumphzug auf der blauen Bahn des Olympiastadions von 1980 zu einer Pflichtübung.

Eaton im Zehnkampf nicht zu schlagen

Der 26 Jahre alte Schrader steigerte derweil seine Bestleistung nach einer ganz starken Vorstellung um 148 Zähler auf 8670 Punkte, nur Olympiasieger Eaton war noch eine Klasse stärker. Der US-Amerikaner sicherte sich mit 8809 Punkten souverän sein erstes WM-Gold. Dritter wurde Damian Warner aus Kanada (8512).

Schraders WG-Kumpel Rico Freimuth (Halle/Saale) sammelte 8382 Punkte und kam auf Rang sieben. Europameister Pascal Behrenbruch fand nie zu seiner Leistung und enttäuschte mit 8316 Punkten und Platz elf. Vor Schrader hatte 1997 Frank Busemann Bronze gewonnen, zehn Jahre zuvor holte Siegfried Wentz zuletzt Silber hinter DDR-Athlet Torsten Voss.

Die weiteren deutschen Medaillen-Hoffnungen am Auftaktwochenende platzten. Für Diskuswerferin Nadine Müller, die vor zwei Jahren in Daegu noch Silber gewonnen hatte, reichte es diesmal nur zum undankbaren vierten Platz mit 64,47 m, zu Bronze fehlten der Hallenserin 49 Zentimeter. Gold holte einmal mehr Sandra Perkovic aus Kroatien mit (67,99). 2012 hatte die 23-Jährige bei der EM und den Olympischen Spielen triumphiert - kurz nach Ablauf einer Dopingsperre.

Enttäuschung im Weitsprung der Damen

Im Weitsprung erlebte Sosthene Moguenara eine herbe Enttäuschung. Die 23-Jährige war mit neuer Bestleistung von 7,04 m als Nummer zwei der Welt nach Moskau gereist, kam im Finale aber nicht über 6,42 m und den zwölften und letzten Platz hinaus. Geschichte schrieb Olympiasiegerin Brittney Reese aus den USA. Die Olympiasiegerin gewann mit 7,01 m als erste Springerin den dritten WM-Titel in Serie.

Am Samstag hatten zwei Topstars der Langstrecke die ersten Titel von Mskau geholt. Mo Farah stürmte mit seinem unnachahmlichen Finish wie schon bei Olympia in London zu Gold über 10.000 m (27:21, 71 Minuten), zuvor hatte sich im schwül-heißen Glutofen der russischen Haupstadt die Kenianerin wie schon 2011 den Sieg im Marathon gesichert. Als erste Marathonläuferin konnte sie einen WM-Titel erfolgreich verteidigen. Am Sonntag bescherte Olympiasiegerin Tirunesh Dibaba über 10.000 m Äthiopien in 30:43,53 Minuten die ersehnte Goldmedaille, nachdem die Läufernation im Marathon ein Desaster erlebt hatte.

Geher Alexander Iwanow bescherte Ausrichter Russland derweil die erste Goldmedaille. Der 20-Jährige überraschte auf dem Rundkurs im Olympiapark von 1980 die arrivierten Starter und ließ sich nach 20 km (1:20:58 Stunden) im Luschniki-Stadion von den Zuschauern feiern. Christopher Linke aus Potsdam kam mit 1:38 Minuten Rückstand auf Platz neun.

Licht und Schatten gab es bei den deutschen Sprintern Martin Keller und Julian Reus eine Woche nach den Glanzzeiten von Weinheim. Keller enttäuschte in 10,32, Reus in 10,27 - acht Tage zuvor waren sie 10,07 und 10,08 gelaufen. Über 110 m Hürden verpasste Erik Balnuweit nach indiskutablen 13,68 Sekunden das Halbfinale deutlich.

Deutschlands Top-Sprinterin Verena Sailer zog hingegen nach einer starken Vorstellung ins Halbfinale über 100 m ein. Die frühere Europameisterin gewann ihren Vorlauf in sehr guten 11,11 Sekunden und hat nun Montag die Chance, erstmals in ihrer Karriere ins Finale einer Weltmeisterschaft einzuziehen. Ebenfalls eine Runde weiter ist Tatjana Pinto. Die 21-Jährige, Dritte der U23-EM, rutschte in 11,38 Sekunden als eine der sechs Zeitschnellsten ins Semifinale.

Geschlossen und souverän qualifizierte sich das deutsche Stabhochsprung-Trio für die Medaillenentscheidung am Montag. Dem Olympiazweiten Björn Otto reichten ebenso wie seinen Kollegen Raphael Holzdeppe (Zweibrücken) und Malte Mohr (Wattenscheid) übersprungene 5,55 m, um die Grundlage für einen großen Schlagabtausch mit Frankreichs Überflieger Renaud Lavillenie zu schaffen: „Renaud ist keine Maschine. Dass er zu schlagen ist, haben wir schon bewiesen. Wenn wir ihn früh unter Druck setzen, ist er zu knacken“, sagte Otto.

sid

Wunderschöner Winter: Das sind die besten Leserfotos 

Wunderschöner Winter: Das sind die besten Leserfotos 

Unfall an Stauende: Lkw-Fahrer tödlich verletzt

Unfall an Stauende: Lkw-Fahrer tödlich verletzt

Bericht: Amri war nahezu wöchentlich Thema bei Behörden

Bericht: Amri war nahezu wöchentlich Thema bei Behörden

Florian Grillitsch: Sein Weg bei Werder

Florian Grillitsch: Sein Weg bei Werder

Meistgelesene Artikel

Sigurdsson holt WM-Held Glandorf zurück

Sigurdsson holt WM-Held Glandorf zurück

Nowitzki verliert trotz persönlicher Saisonbestleistung

Nowitzki verliert trotz persönlicher Saisonbestleistung

Tennisspieler wegen Spielmanipulation gesperrt

Tennisspieler wegen Spielmanipulation gesperrt

Sigurdssons emotionale WM-Mission

Sigurdssons emotionale WM-Mission

Kommentare