Aber noch viel Arbeit für Heuberger

Handballern glückt Revanche gegen Serbien

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Evgeni Pevnov war nur einer von mehreren Neulingen.

Rostock - Klarer Sieg gegen Serbien, dennoch viel Arbeit für Bundestrainer Martin Heuberger: Rund fünf Wochen vor Beginn der EM-Qualifikation haben die deutschen Handballer den zweiten Test gegen den Vize-Europameister gewonnen.

Damit revanchierten sich die deutschen Handballer erfolgreich für die Niederlage vom Samstag. Die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) besiegte die blutjunge serbische Mannschaft nach klarer Leistungssteigerung mit 32:23 (19:13). Michael Müller von der HSG Wetzlar war mit sechs Toren vor 3356 Zuschauern in der Rostocker Stadthalle am treffsichersten auf deutscher Seite. Einen Tag zuvor hatte die wacker kämpfende, aber unkonzentriert agierende DHB-Auswahl den ersten Vergleich mit Serbien 31:33 verloren und viele Baustellen offenbart.

Dabei steckte in den Trikots der Serben nicht die erfolgreiche Mannschaft aus dem Januar. Der EM-Zweite war ohne zahlreiche Stars angetreten, es fehlten unter anderem Momir Ilic und Marko Vujin vom deutschen Rekordmeister THW Kiel. Anfeuern, aufmuntern, abklatschen: Heuberger versuchte beim zweiten Test, viel Einfluss auf sein Team zu nehmen. „Man hat schon gemerkt, dass einige gestandene Spieler gefehlt haben“, hatte der Bundestrainer nach der Niederlage im ersten Test gesagt. Holger Glandorf, Adrian Pfahl und Martin Strobel, allesamt nach Verletzungen noch nicht wieder bei hundert Prozent, konnten auch die letzten 60 Minuten vor dem Beginn der EM-Qualifikation nicht absolvieren.

Die zehn besten deutschen Handballer der Geschichte

Die zehn besten deutschen Handballer der Geschichte

Joachim "Jo" Deckarm wurde 1978 Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft. Ein Jahr später verletzte sich der als bester Spieler der Welt geltende Rückraumriese bei einem Europapokalspiel des VfL Gummersbach in Ungarn. Nach einem Foul fiel Deckarm auf den Kopf und lag 132 Tage im Koma. Er kämpfte sich durch intensive Therapien zurück ins Leben, ist aber bis heute durch den Unfall gezeichnet. © dapd
Jochen "Scholle" Fraatz war einer der besten Linksaußen der Welt. Er spielte lange Jahre für TuSEM Essen, später für die HSG Nordhorn und den TBV Lemgo. 1984 gewann er mit der DHB-Auswahl die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Vor allem seine "Dreher" waren weltweit gefürchtet. Er ist mit 2.660 Toren Zweiter der ewigen Torschützenliste der Handball-Bundesliga. © getty
Florian Kehrmann wurde 2007 Weltmeister im eigenen Land. Der dynamsiche Rechtsaußen vom TBV Lemgo errang außerdem mit der "Goldenen Generation" um Daniel Stephan, Stefan Kretzschmar, Volker Zerbe und Christian Schwarzer 2004 den EM-Titel. 2003, 2005 und 2006 wurde er zu Deutschlands Handballer des Jahres gewählt. 2006 wurde er außerdem Zweiter bei der Wahl zum Welthandballer des Jahres. © dapd
Bernhard Kempa prägte den Handball in Deutschland wie kaum ein anderer Spieler. Der Feld- und Hallenhandballspieler errang mit seinem Heimatverein Frisch Auf Göppingen elf Meistertitel. Legendär ist der "Kempa-Trick", der nach "Monsieur Handball" benannt wurde. Nach seiner aktiven Karriere feierte er auch als Trainer große Erfolge und war Welt- und Europameister im Tennis der Senioren. © dpa
Vielen Handballfans ist Wieland Schmidt kaum ein Begriff. Der Torhüter feierte mit der olympischen Goldmedaille 1980 in Moskau seinen größten Erfolg. Der langjährige Nationaltorhüter der DDR galt in den 70er und 80er Jahren als einer der besten Keeper der Welt. Mit seinem Heimatverein SC Magdeburg feierte er u.a. sechs Meistertitel und und zwei  Europapokalsiege. Er wurde dreimal zum Handballer des Jahres der DDR gewählt. © dpa
Christian Schwarzer feierte mit der deutschen Nationalmannschaft seine größten Erfolge. Neben dem WM-Titel 2007 und dem Gewinn der Europameisterschaft 2004 wurde er 2003 bei der Weltmeisterschaft in Portugal als Kreisläufer zum wertvollsten Spieler gewählt. Während seines Engagements beim FC Barcelona wurde der überragende Abwehrspieler Champions-League-Sieger (2000). © dapd
Daniel Stephan gilt als "der Unvollendete". Er war 1998 der erste Welthandballer Deutschlands (2004: Henning Fritz). Der Rückraumspieler hatte während seiner Karriere mit etlichen Verletzungen zu kämpfen und spielte deshalb nie eine Weltmeisterschaft. 2004 errang der dreimalige Handballer des Jahres (1997-1999) mit der Nationalmannschaft den EM-Titel. Stephan war ein unglaublich vielseitiger Rückraumspieler. Neben seiner guten Übersicht zeichnete er sich als Spielmacher und Torjäger aus. © dapd
Andreas Thiel, genannt der "Hexer", gewann mit dem VfL Gummersbach fünf Deutsche Meisterschaften und zweimal den Europapokal der Landesmeister. Gefürchtet waren vor allem die Reflexe des siebenmaligen Handballer des Jahres. Er hielt in seiner Bundesligakarriere (528 Spiele) 430 Siebenmeterwürfe. © getty
Erhard Wunderlich ist Deutschlands "Handballspieler des Jahrhunderts". Im Alter von 21 Jahren gewann er mit der deutschen Nationalmannschaft 1978 den Weltmeistertitel. Mit dem VfL Gummersbach sicherte er sich alle nationalen und internationalen Titel. In seiner Karriere wurde er dreimal mit der höchsten sportlichen Auszeichnung der BRD, dem "Silbernen Lorbeerblatt", ausgezeichnet.  1981 und 1982 wurde er außerdem zum Handballer des Jahres gewählt. © getty
Volker Zerbe steht für außergewöhnliche Vereinstreue. Der 2,11 große Linkshänder spielte seine gesamte Karriere (1986-2006) beim TBV Lemgo. Zerbe galt als einer der weltbesten Abwehrspieler und zeichnete sich in der Nationalmannschaft vor allem durch sein blindes Verständnis mit Kreisläufer Christian Schwarzer aus. In der DHB-Auswahl feierte er mit dem Gewinn der Europameisterschaft 2004 seinen größten Erfolg. Den TBV Lemgo führte der langjährige Kapitän u.a. zu zwei deutschen Meisterschaften, drei Pokalsiegen und drei internationalen Titeln. © getty

Vor allem aber hatte sich bei der Niederlage am Samstag der kurzfristige Ausfall von Regisseur Michael Haaß (Trauerfall) bemerkbar gemacht. Heuberger suchte daher in Rostock immer wieder den Kontakt zu Ersatz-Regisseur Sven-Sören Christophersen, um der Offensive Ordnung und Zielstrebigkeit zu verleihen. Und um nicht wieder so viele leichte Gegenstoß-Tore der Serben hinnehmen zu müssen. „Wir müssen mehr Ruhe und eine bessere Chancenverwertung haben“, hatte der Bundestrainer vor dem zweiten Duell gefordert. Die deutsche Mannschaft war folglich von Anfang an im Spiel, Michael Müller traf in der 20. Minute zum 11:8, mit dem Halbzeitpfiff traf Uwe Gensheimer sogar zum 19:13.

Auch nach der Pause blieben die Deutschen dominant und hielten die Serben lange auf Distanz. Heuberger wechselte in beiden Begegnungen viel durch, brachte auch die Neulinge Kai Häfner (HBW Balingen-Weilstetten), Tobias Reichmann (HSG Wetzlar), Evgeni Pevnov (Füchse Berlin) und Felix Danner (MT Melsungen). Die Debütanten zeigten wie am Sonntag die gesamte Mannschaft gute Ansätze, doch vor dem Duell mit Montenegro in der EM-Qualifikation am 1. November in Mannheim muss noch viel passieren. Denn die Südosteuropäer haben auf dem Weg zur WM 2013 in Spanien immerhin Olympia-Finalist Schweden ausgeschaltet.

„Wir brauchen Zeit, aber es ist immer der Anspruch einer deutschen Mannschaft, gute Ergebnisse zu verzeichnen“, sagte Heuberger auch schon im Hinblick auf die im Januar stattfindende Weltmeisterschaft. Doch bei dem Vorhaben, langsam aber sicher in die Weltspitze zurückzukehren, muss die DHB-Auswahl die Politik der kleinen Schritte verfolgen. Der nächste heißt Montenegro. „Wir haben die Quali für Spanien geschafft, wir wollen beide Spiele gegen Montenegro und dann in Israel gewinnen“, sagte Heuberger selbstbewusst. Doch bis dahin wartet noch jede Menge Arbeit auf den Bundestrainer.

sid

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