Ullrich: Kommt jetzt das Doping-Geständnis?

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Jan Ullrich.

Lausanne - Jan Ullrich will den Schlussstrich. Der Ex-Radprofi steht nach den Worten seines neuen Managers Falk Nier vor dem "Neustart in die zweite Karriere", der von einem Geständnis flankiert werden könnte.

An diesem Mittwoch will der 37-Jährige die unrühmlichen Teile seiner sportlichen Vergangenheit endlich zu den Akten gelegt wissen - so oder so. Fast fünf Jahre nach seinem Rücktritt.

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat bei seiner Entscheidung zur Causa Ullrich vor dem Hintergrund der Doping-Affäre Fuentes drei Möglichkeiten. Entweder er bestätigt die Entscheidung des Schweizer Verbandes, die Ermittlungen gegen dessen ehemaligen Lizenznehmer aus Deutschland einzustellen oder fordert ihn auf, sie wieder aufzunehmen. Dritte Variante: Der CAS beschließt die Affäre als letzte Instanz mit einem Urteil, Ullrich auf Lebenszeit zu sperren oder das Verfahren einzustellen.

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Sprinter Dennis Mitchell nutzte seinen positiven Dopingbefund, um sich als Sexprotz zu outen. Das viele Testosteron komme von einer wilden Partynacht, in der er seine Frau verwöhnt habe. „Fünf Flaschen Bier und mindestens vier Mal Sex mit seiner Frau. Es war ihr Geburtstag. Die Lady hatte es verdient“, so lautete sein Statement. © Getty
Der Klassiker: Wer hat die Dopingmittel in Dieter Baumanns Zahnpastatube deponiert? © ots/dpa/Getty
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Adrian Mutu: Der rumänische Fußballspieler sagte 2004 nach einer positiven Dopingprobe, er habe lediglich ein Mittel zur “Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit“ genommen. Zuvor hatte er zugegeben, Kokain genommen zu haben, dieses Geständnis wenige Tage später jedoch widerrufen. © Getty
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Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
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Die wohl abgefahrenste Ausrede für Blutdoping hatte Radsportler Tyler Hamilton: “Ich bin ein Mischwesen. Die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." © Getty
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Gefährliche Mitbringsel: Die aus Südamerika importierten Bonbons sollen mit Koks verseucht gewesen sein, meint Straßenrad-Star Gilberto Simoni. © Getty
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Johann Mühlegg soll eine Spezial-Diät gemacht haben, wegen der in seinem Kreislauf eine EPO-ähnliche Substanz nachgewiesen wurde... © Getty
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Auf den Hund gekommen: Frank Vandenbroucke behauptete, als bei ihm Anabolika und EPO sichergestellt wurden, die Mittel seien für seinen asthmakranken Hund bestimmt gewesen. © Getty
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Justin Gatlin gab einem Masseur die Schuld. Der soll ihn nämlich mit einer testosteronhaltigen Salbe bearbeitet haben. Es soll sich sogar um eine fiese Retourkutsche des Profikneters gehandelt haben, meint Gatlin. © Getty
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Christian Henn, ehemals Radprofi, wollte eigentlich nur der eigenen Libido auf die Sprünge helfen. Ein Spezialtee wurde ihm zum Verhängnis. © Getty
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Ex-T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler nahm angeblich Präparate zu sich, auf denen chinesische Schriftzeichen standen. Nur doof, dass er kein Chinesisch kann. © Getty
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Zu tief ins Glas geschaut und damit den Testosteronspiegel erhöht. Floyd Landis schiebt‘s auf den Whiskey  © Getty
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Keiner war über einen positiven Dopingtest so verwundert wie Patrik Sinkewitz: "Ich? Das kann nicht sein", wunderte er sich. Und das ist noch nicht mal eine Ausrede...  © Getty
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Martina Hingis, die Schweizer Version von Zahnpasta-Dieter Baumann: Jemand soll ihr Koks in den Fruchtsaft gemischt haben. Sieht ja auch aus wie Süßstoff... © Getty
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Ex-Radprofi Rolf Aldag gibt dem System die Schuld. Ohne EPO-Missbrauch hätte er im T-Mobile-Team keinen neuen Vertrag bekommen. © Getty
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Erik Zabel sagte, er habe nur einmal EPO probiert. Die Substanz habe aber nicht mit seinem Körper und Geist harmoniert. © Getty
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Jan Ullrich ließ sich in einer Disco Ecstacy andrehen. „Ulle“ schluckte die Tabletten, ohne sich dabei etwas gedacht haben zu wollen. “Ich war den Abend ziemlich mies drauf. Das waren zwei Tabletten, wo mir bestätigt wurde, (...) und dass das eigentlich harmloses Zeug ist.“ Wer ihm die Tabletten gab, sagte er nicht. “Zu den Tabletten kann ich gar nichts sagen, ich kenn' kein Ecstasy. Ich weiß nicht wie das aussieht. Ich bin um die Ecken gezogen und war in verschiedenen Läden. Ich möchte keinen Unschuldigen da mit reinziehen.“ © Getty
400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt wurde nach positiven Dopingproben gesperrt. Die positiven Tests ließen sich mit der Einnahme eines frei erhältlichen Produkts zur Vergrößerung des männlichen Geschlechtsteils erklären, sagte sein Berater. © dpa
Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

“Das Urteil kann in alle Richtungen gehen. Es wäre spekulativ, von einer Variante auszugehen. Wir rechnen stündlich mit der Mitteilung durch den CAS, der sich ja den 30. November als Stichtag gesetzt hatte“, sagte Nier am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

“Natürlich denkt Jan jetzt an Lausanne“, ergänzte der PR-Fachmann, der seit einem halben Jahr dabei ist, den ehemaligen Darling der deutschen Sportszene, dem die Staatsanwaltschaft Bonn Verbindungen zum mutmaßlichen Dopingarzt Fuentes nachgewiesen hatte, wieder gesellschaftsfähig zu machen.

Für diesen Plan wäre die Einstellung des Verfahrens natürlich die beste Lösung. Aber auch bei einer Sperre auf Lebenszeit für alle Radsport-Aktivitäten im Profi-Bereich könnte Ullrich weiter das machen, was ihm nach auskuriertem Burnout-Syndrom wohl wieder Spaß zu machen scheint. Der gebürtige Rostocker mit Wohnsitz in der Schweiz engagiert sich als Hobby-Radler im Charity-Bereich - gerade kehrte er vom Gran Fondo-Rennen aus Miami/USA zurück.

Egal wie sich der CAS entscheidet: Die Zeit ist überfällig, Klartext zu reden. Das haben wohl auch Ullrich und seine Entourage erkannt. Bisher verschanzt sich der einzige deutsche Gewinner der Tour de France hinter der juristisch-spitzfindigen Formulierung: “Ich habe nie jemanden betrogen“. Damit will er bis heute explizit Doping leugnen.

Aber es würde keinen vom Hocker hauen, wenn Ullrich nun doch zugeben würde, das getan zu haben, was wohl für einen Großteil seiner Konkurrenz gang und gäbe war. Von Rolf Aldag bis Erik Zabel - enge Teamkollegen Ullrichs aus vergangenen T-Mobile-Zeiten haben Doping längst zugegeben. Gegen Lance Armstrong wird in den USA ermittelt.

Ullrichs neuer Sprecher Nier aus der Agentur des ehemaligen Tennis-Daviscupspielers Charly Steeb deutete vor einiger Zeit vorsichtig die Möglichkeit eines Geständnisses an. Am Dienstag sagte er: “Das könnte in jedem Fall passieren - egal, wie das CAS-Urteil ausfällt.“

dpa

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