Tour de France: Cavendish mit Hattrick

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Brite Mark Cavendish (25) fährt als Tagessieger in die Zielgerade von Bourg-les-Valences.

Bourg-Lès-Valence - Der Brite Mark Cavendish hat den Sprint- Hattrick perfekt gemacht und mit dem 13. Tour-Etappensieg seinen Lehrmeister Erik Zabel übertroffen.

Das Columbia-Ass Cavendish entschied bei der 97. Frankreich-Rundfahrt die dritte Massenankunft in Serie für sich und hat schon im zarten Alter von 25 Jahren Sprint-Legenden wie Zabel und Mario Cipollini hinter sich gelassen.

Allerdings hatte sich Cavendishs Anfahrer Mark Renshaw aus Australien im heißen Finale den Weg mit zwei Kopfstößen gegen den Farrar-Anfahrer Julian Dean (Neuseeland) freigemacht. Darüber wird die Rennjury noch zu entscheiden haben. Ihre erste Entscheidung: Renshaw wurde auf den letzten Platz des Tagesklassements zurückgesetzt. Gerald Ciolek vom Milram-Team auf Rang zehn war chancenlos.

“Dean hat versucht, Renshaw in den Zaun zu fahren. Er hat sich nur gewehrt und das richtig gemacht“, sagte Cavendishs Sportchef Rolf Aldag. “Sprint ist keine Kindergeburtstag“, meinte Zabel.

Der als Rüpel verschriene Cavendish verwies am Donnerstag im Ziel der 11. Etappe in Bourg-Lès-Valence über 184,5 Kilometer den italienischen Radprofi Alessandro Petacchi und den US-Sprinter Tyler Farrar auf die Plätze. “Das war heute schwierig zu organisieren. Ich musste sehr früh los und das war von mir eher ein Ausreißversuch als ein Sprint“, sagte Cavendish. Nach seinem dritten Streich hat der Brite jetzt auch wieder Chancen in der Punktewertung, die nun Petacchi vor Titelverteidiger Thor Hushovd aus Norwegen anführt. Cavendish verbesserte sich von Platz fünf auf vier.

Die Gewinner der Tour de France seit 1989

Die Gewinner der Tour de France seit 1989

1989: Greg LeMond (USA, auf dem ersten Platz stehend) © Getty Images
1990: Greg LeMond (USA) © Getty Images
1991: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1992: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1993: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1994: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1995: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1996: Bjarne Riis (Dänemark) Riis gab später zu, gedopt zu haben . Die Disqualifikation ist nicht möglich, da die Verwendung von Doping nach acht Jahren verjährt. Die Organisatoren der Tour de France hatte Riis zunächst aus ihrer Siegerliste gestrichen. Mittlerweile wird er dort wieder geführt. © Getty Images
1997: Jan Ullrich (Deutschland) © Getty Images
1998: Marco Pantani (Italien) © Getty Images
1999: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2000: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2001: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2002: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2003: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2004: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2005: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2006: Floyd Landis (USA). Landis wurde aber am 21. September 2007 der Titel aberkannt. Er war positiv auf Testosteron getestet worden. © Getty Images
Dafür wurde Oscar Pereiro nachträglich zum Gewinner der Tour de France 2006 erklärt. © Getty Images
2007: Alberto Contador (Spanien) © Getty Images
2008: Carlos Sastre (Spanien) © Getty Images
2009: Alberto Contador (Spanien) © Getty Images
2010: Alberto Contador (Spanien) © dpa
2011: Cadel Evans (Australien) © ap
2012: Bradley Wiggins (Großbritannien) © ap

“Es war klar, dass 'Cav' im Sprint der Schnellste ist. Seit seinem ersten Etappensieg war das gegessen - seitdem hat er enormes Selbstvertrauen getankt“, sagte sein Teamkollege Tony Martin, der im Finale wieder großen Anteil am Zustandekommen des schnellen HTC-Sprint-Zuges hatte.

Vor der anspruchsvollen Ankunft am Freitag in Mende blieb im Gesamtklassement an der Spitze noch einmal alles beim Alten. Andy Schleck versetzt das Großherzogtum Luxemburg weiter in helle Aufregung und verteidigte das Gelbe Trikot mit 41 Sekunden Vorsprung auf Vorjahressieger Alberto Contador und 2:45 Minuten vor dessen spanischem Landsmann Samuel Sanchez. Der in den Alpen gedemütigte Lance Armstrong scheint sich auf's Altenteil zurückgezogen zu haben. Auch am Donnerstag rollte der 38 Jahre alte Rekordsieger nur mit.

Das trifft seit Tour-Beginn auch auf die Milram-Mannschaft zu. Sportlich läuft fast nichts zusammen - Cioleks zweiter Platz in Montargis ausgenommen. In der öffentlichen Wahrnehmung kommt die vom Milchunternehmen Nordmilch noch bis Saisonende finanzierte Mannschaft nicht vor. Am Vortag hatte sie eine weitere große Chance vertan, sich mit Tatendrang zu präsentieren.

Die Standpauke von Teammanager Gery van Gerwen (“Fluchtgruppe verschlafen“) und Teamchef Ralf Grabsch (“verschenkter Tag“) kam zu spät. Der Chef des Milram-Teams wollte den Druck auf seine müde Truppe durch starke Worte “am Donnerstag erhöhen“. Aber die 11. Etappe würde den Sprintern gehören, das war von vornherein klar und so hatten Ausreißer diesmal nur geringe Erfolgschancen. Ein Spanier und zwei Franzosen versuchten es trotzdem. Sie kamen bis Kilometer 166 - dann übernahmen die Teams der Sprinter die Initiative.

Von Andreas Zellmer und Benjamin Haller

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